Nadja Mack: Juristin kämpft für Native Title

Eigentlich wollte Nadja Mack nur eine befristete Zeit in Australien studieren. Doch dann kam alles anders …

Alles begann in Passau

Das Austauschprogramm der Universität in Passau war vielversprechend. Austauschuniversitäten in der ganzen Welt standen Nadja Mack offen. Doch für die Jurastudentin stand fest: wenn ein Auslandsjahr, dann nur in Australien. Eliteuniversitäten wie Harvard oder Cambridge interessierten sie nicht. „Ich habe mich schon immer für Australien und die Aboriginies interessiert, habe sogar meine Facharbeit an der Schule damals über dieses Thema geschrieben.“

Quasi auf den letzten Drücker, nur einen Tag vor Bewerbungsschluss, hat sie die Unterlagen für den einjährigen Austausch mit der Monash Universität in Melbourne eingereicht. Und sie wurde genommen. Das war vor zwölf Jahren.  Bereut hat sie nichts, bis heute ist die Wunsch-Australierin ihrer neuen Heimat treu geblieben.

Koorie-Studies und Abschluss in Jura

Nur Juravorlesungen? Das war Nadja nicht genug. Als Austauschstudentin hat sie durchgesetzt, dass sie zusätzlich auch Koorie-Studies an der Monash Universität belegen konnte. Geschichte, Ethnologie, Social Studies und Landrechte der Aborigines. Nichts wurde ihr langweilig. Im Gegenteil, ihr Interesse an den Aboriginies wuchs weiter.

Nach dem einjährigen Austausch ist die gebürtige Schweizerin (Winterthur) nicht wie geplant nach Passau zurückgekehrt, um ihr Examen zu machen. Nein, sie hat sich in Australien niedergelassen und hier ihren Abschluss in Jura gemacht – der Liebe wegen.

Native Title – Das Urrecht der Aboriginies

Nadja Mack, Tochter Isabella, Native Title DeterminationNach dem Studium wusste sie sofort, was sie nicht wollte: „Im Bereich Familienrecht oder kommerzielles Recht arbeiten,“ erklärt die 39jährige bestimmt. “Native Title” dagegen hatte es ihr angetan. „Seit 1992 gibt es die Native Title als Rechtsanspruch der Aboriginies in Australien. Die Aboriginies können seitdem ihren traditionellen Anspruch im Gericht geltend machen.“

Vier Jahre lang hat Nadja als Anwältin Aboriginies in ihren Native Title Klagen vertreten. Zunächst in Port Hedland, Western Australien, wo sie für ihre Mandanten mit Bergbauern über Bergbaulizenzen verhandelte. Später in Cairns, um dort beim Land Council die Aborigines in ihren Landrechtsansprüchen gegenüber dem Staat und Landpächtern zu vertreten.

Wegen der Sprachbarriere musste viel verbal passiern. „Meine West Australischen Mandanten sprachen oft Englisch als ihre vierte oder fünfte Sprache. Viele konnten aber weder lesen noch schreiben. Da war ich in meinem Element, konnte mit Bildern, Powerpoint-Grafiken und Flipcharts arbeiten,“ schwärmt die sympathische Anwältin begeistert.

“Mabo-Entscheidung” bringt viele Missverständnisse

Die Mabo-Entscheidung wurde 1992 vom obersten australischen Gericht, dem High Court, gefällt.  „Jetzt verlieren wir unser Land an die Aboriginies,“ dachten damals viele Australier. Was die meisten nicht wussten: Wenn einem Aboriginestamm in einem Prozess Native Title zugesprochen wird, hat das keine Auswirkungen auf das Recht der Öffentlichkeit. Privateigentum kann nicht eingeklagt werden, und die Aboriginies erhalten auch kein Land, das in öffentlicher Hand ist, zurück.

Ihnen wird lediglich das Recht zugesprochen, bestimmte Aktivitäten auf dem Land auszuüben. Jagen, Fischen, die Früchte des Waldes und der Erde sammeln, ihre Stätten schützen und auf dem Land ihre Traditionen an die nächste Generation weitergeben. Mehr auch nicht!

„Vor Gericht müssen die Aborigines beweisen, dass ihre Ahnen diese Aktivitäten zum Zeitpunkt der weissen Besiedlung unter ihrem Stammesrecht ausübten und noch heute ausüben. Jeder Bruch mit der Tradition ist fatal für einen Native Title Anspruch. Ob die Aboriginies ihre Traditionen dabei freiwillig aufgegeben haben oder dazu gezwungen wurden, ist unerheblich,“ erklärt die erfahrene Juristin den aufwenigen Prozess der Native Title Rechtssprechung.

15 Jahre Native Title

Sie kämpft für das Recht der Aboriginies. Und im Bereich Native Title wurde in den vergangenen Jahren viel erreicht! Stolz erzählt die Mutter einer vierjährigen Tochter von den 520 Ansprüchen der Aboriginies, die australienweit geltend gemacht wurden. 15 Ansprüche davon in Victoria – darunter der Bunurung Anspruch auf Port Phillip Bay. Knapp 100 dieser Ansprüchen wurden vom Gericht bisher entschieden. „Die Bedeutung der Entscheidungen liegt zu einem grossen Mass im Symbolischen – an der rechtlichen Anerkennung der Aboriginies.“ Und dafür setzt sie sich mit Hilfe ihrer juristischen Kenntnisse ein.

Ein Erfolg ist es auch, dass die Staaten mittlerweile davon abgewichen sind, Native Title Klagen zu bekämpfen. Und auch dass das Respektverhältnis gegenüber den Aboriginies zunehmend besser wird. Seit vier Jahren, arbeitet die 39jährige nun als Senior Case Manager für das National Native Title Tribunal, einer Bundesbehörde, die zwischen Anspruchstellern, den Aboriginies, und –gegnern (dem Staat als Landeigentümer, den Bergbauern, den Pächtern) schlichtet.

Journalismus, ihre Leidenschaft

Nadja Mack - unterwegs für Die WocheKein Zweifel, Nadja ist Juristin mit Leib und Seele. Doch eigentlich
war Journalismus ihr Ziel. „Ich habe Jura studiert, um ein Fachgebiet
als Journalistin zu haben. Mittlerweile bin ich zu sehr
Juristin, als dass ich noch Journalistin sein könnte,“ gibt sie schmunzelnd zu.

Journalismus ist bis heute ihr grösstest Hobby geblieben: Während sie in
Deutschland für Radio Ingolstadt und den Bayrischen Rundfunk
gearbeitet hat, hat sie sich hier in Australien ihr Studium als Redakteurin
bei der Zeitung “Die Woche” finanziert. Mit ihrer Gruppe „Die Wellenreiter“ macht sie
einmal im Monat auf 3ZZZ Radio Programm. Auch bei SBS Radio kann man Nadja gelegentlich hören.

Mit ihrer vierjährigen Tochter Isabella und ihrem Mann Sebastian lebt die Juristin heute in Kensington. Auch wenn sie regelmässig nach Deutschland fliegt, ist Australien zu ihrer Heimat geworden. „Hier bin ich Zuhause.“ Das sind die Worte einer doppelten Staatsbürgerin, die weiss, dass sie nicht wieder nach Deutschland zurückkehren wird.

Trotzdem spricht sie mit ihrer Tochter Isabella nur deutsch. „Sebastian ist Australier und spricht nur englisch. Ich dagegen möchte Isabella alles mitgeben, mit dem auf ich aufgewachsen bin und was ein Teil von ihr ist. Deshalb besuchen wir beispielsweise auch regelmässig die deutsche Spielgruppe in Williamstown.“

Wer mehr zum Thema Native Title erfahren möchte, findet unter
www.nntt.gov.au, der Seite des National Native Title Tribunals,
vortreffliches Informationsmaterial.

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