Mir gefällt’s trotzdem hier – Teil I

Wir loben es laut Statistik einmal pro Tag, nur nicht dann, wenn es uns schier zur Weissglut bringt – Leben in Melbourne. Martin Schreiber hat sich unter dem Titel Mir gefällt’s trotzdem hier (No offence!)“ seine Erfahrungen von der Seele geschrieben und mit einer guten Portion Humor gemixt.

„Deutsche in Melbourne“ startet heute mit dem ersten von insgesamt drei „Mir gefällt’s trotzdem“ Teilen, die es in nächster Zeit zu lesen gibt. Diesmal geht’s um KreditkartenKondome und wie man seine Kinder mit Graubrot in der Schule zu Aussätzigen macht.

Von Dr. Martin Schreiber

Ein Bewerber aus Deutschland auf eine Leitungsposition hier in Melboure hat mich gefragt, ob er sich den Alltag in Melbourne etwa so wie in Kapstadt vorstellen kann. Ich habe ihm darauf Folgendes geantwortet:

„Ja, Lebensstil, Erscheinungsbild, Football (Australian Rules, „Footy“), Domestic Violence, Isolierung der Häuser (in mehrfachem Sinn), kleine Einfamilienhäuser, mangelhaftes Umweltbewusstsein und Toastbrot sind etwa wie in Kapstadt…

Preise sind etwas höher, Armut ist viel geringer und kaum öffentlich sichtbar, 75% oder mehr sollen ein Eigenheim haben, das man wechselt fast wie das Auto (durchschnittlicher Hausbesitz 7 Jahre). Die durchschnittliche Schuld auf Kreditkarten ist $2,500, es gibt viele Sekten für junge und mitteljunge Leute und viele fast leere Kirchen mit ein paar alten Leuten drin.

Deutsche sind Autoingenieure

Es gibt wahrscheinlich auch nicht weniger Rassisten als in Deutschland, aber auch nicht viel mehr, die Deutschen sind privilegierte Ausländer mit einem Image ein bisschen wie die Schweden in Deutschland und werden alle als Autoingenieure angesehen.

Man ist unpünktlich nicht nur mit der Zeit (close enough is good enough). Man duzt sich und findet sich gegenseitig wahnsinnig nett, lädt sich ständig ein, sieht sich „soon“, aber sieht sich nie privat, wenn man nicht verwandt oder fast verwandt ist.

Bier trinken mit einem Mate

Man besucht niemand ohne Anmeldung, Klos kann man nicht von innen abschließen, und Handwaschbecken sind in der Waschküche.Man isst Wheetbix zum Frühstück und vespert mittags. Man fährt immer und geht nie zu Fuß, es sei denn man joggt.

Man trifft nur selten jemand, den man kennt, außerhalb der Arbeit oder gar auf der Straße. Man trinkt Bier mit einem „Mate“, hat einmal die Woche BBQ (Barbeque) mit Chops und mit Sägemehlwürstchen, glaube ich.

Wagenschmiere oder Vegemite

Man streicht auf luftdurchflutetes, schwammig-weiches Toast“brot“ Margarine (Cholesterol free!) und Vegemite (sieht aus wie Wagenschmiere, ‚richest source of Vitamine B“!), man nennt es dann Sandwich. Die Rinde muss man wegschneiden, weil sie nicht essbar ist, meint man, quasi Teil der Verpackung. Graubrot als Schulbrot macht Kinder zu Aussätzigen!

Für Wurst gibt es kein australisches Wort, man nennt es „manufactured“ oder „cold meat“ oder ‚Frankfurts“ oder ‚Strassbourg“. Preservatives sind ueberall drin, ‘Pariser’ aber ist eine Wurst, und die Auswahl an Condoms ist größer als die an Wurst.

Saftige Strafzettel

Ein „Garage Sale“ ist Flohmarkt in der eigenen Garage, den es samstags und sonntags morgens in fast jeder dritten Strasse gibt. Man hält sich an die Geschwindigkeitsvorschriften (die oft alle paar hundert Meter wechseln), weil es gleich heftig über $100 kostet und Punkte bringt, wenn man es nicht tut.

Man raucht nicht, oder nur wenn man unter 18 und/oder eine Frau ist – und nur hinten bei den Mülleimern. Man gibt Frauen nicht die Hand und Männern nur einmal im Leben, man schimpft übers Wetter und stellt fest, dass es das noch nie gab.

Nur nicht über Sex reden

Kinder dürfen nie allein sein, und schon gar nicht auf dem Schulweg. Über Sex redet man nicht oder hemmungslos. Für Kinder ist Sex gefährlicher als Pistolen. Der Fernseher ist nur aus bei Stromausfall. Prinzessin Diana hat für sehr viele etwa die Bedeutung der Maria für Katholiken oder wenigstens die der Mutter Therese.

Man findet die Neuseeländer funny und denkt, die Königin ist die von Australien. Man denkt Ethanol ist was Gefährliches fürs Auto, das entweder neu oder ganz alt ist. Man weiß dass Down Under ganz oben ist, dass uncool das selbe ist wie unaustralian, dass alles Böse unaustralisch ist, dass die Australier alle Kriege gewonnen haben und alle Helden sind.

Jeden Tag ein Vorurteil. Ihr Dr. Martin Schreiber, Australier

Fortsetzung folgt

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