Neu bei Deutsche in Melbourne: Michelle Schneider, COVID & ihre Liebe zu Australien – Was lange währt wird endlich gut

Michelle Schneider ist die neue Deutsche in Melbourne Praktikantin

Michelle Schneider ist DiMs neue Praktikantin. Sie liebt Australien heiß und innig und als sie im März 2020 Richtung Melbourne in den Flieger stieg, schien ihr Traum vom Gück in Erfüllung gegangen zu sein. Der kristallisierte sich jedoch bald als Alptraum heraus. Während sie in der Luft war, beschloß Australien die Grenze zu schließen und Melbourne versank in den ersten Lockdown. Hier erinnert sich Michelle, wie sie das Beste aus ihrer Situation machte und stellt sich uns zugleich vor. Mit besten Grüßen aus dem Ruhrpott und gleichzeitig Deutschlands Osten.

Vom tiefen Westen in Deutschlands Osten 

“Hi, ich bin Michelle. Ein richtiges Ruhrpott Mädchen, wie mein Vater immer sagt. Ganz tief im Westen bin ich aufgewachsen, nur um dann direkt nach meinem Abitur in den Osten zu ziehen, um dort Journalismus zu studieren. Mein Studium steht in den finalen Zügen und was danach kommt, steht noch in den Sternen.

Jetzt bin ich aber erstmal bereit für mein (virtuelles) Praktikum bei Deutsche in Melbourne. Ich liebe Australien schon seit ich klein bin. Für mich stand immer fest, ich muss irgendwann mal dort hin. Erst war mein Plan, nach dem Abi zu gehen, aber nachdem die Zusage von der Uni kam, war klar: Mein Auslandspraktikum mache ich definitiv in Australien und am liebsten in Melbourne.

Michelle Schneider flog von Deutschland nach Australien genau an dem Tag, als Australien wegen COVID-19 seine Grenze schloß

Ich hatte alles geplant – mein Visum war bestätigt, die Flüge gebucht, ich kannte eine Familie, die mich aufnimmt und einen Praktikumsplatz bei SBS German für die ersten 6 Wochen hatte ich auch sicher. Danach wollte ich erstmal reisen, ich hatte schließlich fast 6 Monate Zeit, bis ich wieder in Deutschland sein musste, um mein nächstes Semester anzufangen.

30 Stunden Reisezeit, in denen viel passiert

Geschützt mit Masken und Gesichtsschutz fand sich Michelle aus Deutschlands Ruhrpott plötzlich in einer prekären Lage auf dem Weg nach Australien nicht wissend, ob ihr Flug weitergehen würde

Leider kam dann aber alles anders als geplant. Die ersten Corona Fälle wurden in Deutschland entdeckt und die ganze Welt stand plötzlich auf dem Kopf. Ich sollte wenn ich in Australien ankommen würde, erst einmal in 14 Tage Eigenisolation.

Das war mir auch bewusst, als ich am Mittwoch, den 18. März in Berlin in den Flieger gestiegen bin. Ich musste fliegen, denn für mein Studium war dieses Praktikum unfassbar wichtig. Außerdem war zu diesem Zeitpunkt abzusehen, dass die Situation in Australien weniger riskant war als die in Deutschland.

Als ich dann in das erste Flugzeug nach Katar gestiegen bin, war mir noch nicht bewusst, dass die nächsten 30 Stunden die schlimmsten meines Lebens sein würden. Die erste Strecke bis nach Katar war absolut entspannt, der Flieger war sehr leer und ich habe mich gut gefühlt, diese Entscheidung getroffen zu haben.

Als ich dann zwischengelandet bin, standen 16 Stunden Aufenthalt am Flughafen an. Eine bessere Verbindung gab es nicht. Und genau da fing der Horror an. In den 7 Stunden, in denen ich in der Luft war, hatte Australien beschlossen, seine Grenzen ab dem 20. März für alle zu schließen, die nicht im Land wohnen und ich sollte am 20 März landen.

“Komme ich hier jemals wieder weg?”

Ich kam also am Flughafen an und mein Handy explodierte vor Nachrichten, dass ich nicht mehr nach Australien reinkommen könnte. Ich war mit der Situation komplett überfordert. Ich saß in einem fremden Land im Transitbereich eines Flughafens und es stand nicht fest, ob ich da jemals wieder weg komme. So hat es sich zumindest angefühlt.

Nachdem ich 16 Stunden lang, übermüdet und komplett überfordert, mit vielen Tränen der Verzweiflung überstanden hatte, wurde mein Flug nach Melbourne tatsächlich geboardet und es ging in die Luft. Ich bin genau 2 Stunden vor Grenzschließung eingereist. Die ganze Aufregung umsonst. Es ist alles gut gegangen. Ich wurde vom Flughafen abgeholt und wurde mit Maske und so viel Abstand wie es nur geht, ins Auto gesetzt und wir sind zum Haus gefahren.

Michelle mit dem Hund ihrer Gastfamilie in Melbourne während kurzer Ausflüge im Lockdown

Ich habe meine zwei Wochen Isolation sehr gut aushalten können. Ich war viel im Garten und habe dort gearbeitet, hatte Besuch vom Familienhund, habe die Sonne und die noch sehr angenehmen Temperaturen Ende März genossen und überlegt, wie es jetzt weitergehen sollte.

Glück im Unglück – deutsche Uni online

Reisepläne an Australiens Ostküste mussten gecancelt werden

Mein Praktikum war auf Grund der Corona Situation auf ungewisse Zeit verschoben worden und somit hatte ich nichts zu tun. Da die Lage in Deutschland nicht wirklich anders aussah, wurden die Kurse meiner Uni allerdings auch komplett online angeboten und ich konnte mich in diese einschreiben.

Somit habe ich von Anfang April bis Mitte Juli meine kompletten Kurse durch die Zeitverschiebung in der Nacht gehabt. In den Videokonferenzen saß ich teilweise im Schlafanzug, da es bei mir zeitweise ein Seminar gab, dass von 22:00 Uhr bis um 01:00 Uhr ging.

Leider ließen es auch die Beschränkungen in Australien nicht zu, dass ich reisen konnte. Mein eigentlicher Plan, von Melbourne die Ostküste hoch zu reisen und die wärmeren Ecken des Landes im Winter zu genießen, war dahin. Anfangs waren wir viel in naheliegenden Parks unterwegs und ich konnte auf täglichen Spaziergängen mit dem Hund Kängurus in freier Wildbahn sehen. Wir haben viel gekocht und es war dennoch eine schöne Zeit. Ein paar Kurztrips in die Stadt konnte ich auch machen und mir ein bisschen was von Melbourne anschauen.

Kurztrip bevor zweiter Lockdown droht

Grundsätzlich war ich viel in der Natur.  Als man sich in Victoria wieder etwas freier bewegen konnte, haben wir ein paar Tagesausflüge gemacht. Ich war das erste Mal in meinem Leben in einem Regenwald, wir sind an die Küste gefahren und ich habe definitiv meinen Lieblingsplatz auf Erden gefunden. Durch die Lockerungen in Victoria, dass man wieder „reisen“ konnte, hatte ich mir versprochen, dass bald weitere Lockerungen folgen würden. Daher habe ich meinen Plan Ende Juli nach Deutschland zurück zu fliegen erstmal nach hinten verschoben.

Mein Praktikum in Deutschland wurde mir ebenfalls abgesagt, daher konnte ich doch auch bis September bleiben.  Auch dieser Plan hat sich zwei Wochen später schon wieder geändert. In Melbourne wurde ein neuer Lockdown beschlossen und ich wollte so schnell es geht raus aus diesem Land, denn ein Winter in Melbourne mit Lockdown klingt eher weniger verlockend als ein Sommer mit Lockerungen in Deutschland, wo ich noch etwas Sonne tanken kann.

Immerhin konnte die Deutsche Michelle Schneider während ihres Aufenthalts in Melbourne Kurztrips zwischen den beiden Lockdowns unternehmen

Innerhalb von einem Tag hatte ich beschlossen – für mich geht es nach Hause. Eine Woche später sollte schon mein Flug gehen. Plötzlich hieß es für mich: die letzten Besorgungen machen, nebenbei für meine Klausur lernen, die ich einen Tag vor meinem Abflug online schreiben musste und Koffer packen.

“Deutsche in Melbourne” hat mir geholfen

Jetzt ist Michelle wieder in Deutschland und bleibt Melbourne durch ihr virtuelles Praktikum bei Deutsche in Melbourne nahe

Die überstürzte Abreise und dieses ganzes Erlebnis, das definitiv anders gelaufen ist, als ich es mir vorgestellt habe, haben mich dazu gebracht, mich bei Deutsche in Melbourne zu bewerben. So kann ich meine Zeit, die ich in Australien erlebt habe, noch einmal aufleben lassen. Denn auch wenn die Umstände auf jeden Fall besser hätten seinen können, habe ich tolle Menschen kennengelernt, Koalas und Kängurus gesehen und diese beeindruckende Natur in und um Melbourne herum entdecken können und dafür bin ich unfassbar dankbar.

Meine Motivation hier ist, den Lesern dieser Seite etwas zurück zugeben. Mir hat Deutsche in Melbourne geholfen, mich noch mehr auf meine Reise zu freuen, auch wenn sie jetzt anders gelaufen ist als ich noch vor einem Jahr gedacht hätte. Vielleicht kann ja jemand von meinen Erfahrungen profitieren.”

Text und Photos: Michelle Schneider, Copyright: Deutsche in Melbourne 2021, Kontakt und Anfragen: claudia@deutscheinmelbourne.net

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