Black Lives Matter, aber wer in der Welt ist Australiens David Dungay Jr?

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“Black lives Matter” – Wir sind noch geschockt von Bildern aus den USA, wenn mehr und mehr zu Tage kommt, was unserer Aufmerksamkeit hier in Australien entglitten ist. Warum? Was jetzt? Was tun? Gedanken von Claudia Löber-Raab, Gründerin von Deutsche in Melbourne.

Jeder kennt George Floyd. Wer kennt David Dungay Jr?

Geht Ihnen das auch gerade so? Fragen Sie sich gerade, was und ob Sie genug über das Land, in dem Sie leben, wissen? Da ist besonders eine Frage, die ich mich momentan beschäftigt, und von der ich gern wüßte, ob Sie darauf die Antwort wissen. Wer ist David Dungay Jr?

Map of Australia in black

Den Namen George Floyd kennen – mit Recht – mittlerweile alle. Ebenso dessen letzte Worte “I can´t breathe”, da wir in der Zwischenzeit alle – hoffentlich kopfschüttelnd – das Video gesehen haben, in dem wir Floyd auf dem Boden liegend sehen, und wissen, dass der amerikanische Polizist Dereck Chauvin ihm neun Minuten lang sein Knie in den Nacken drückt. Wir alle wissen, was danach geschah und warum wir vergangene Woche und auch an diesem Wochenende, verbotenerweise die „Black Lives Matter”-Proteste in Melbourne und anderen Städten sehen – trotz COVID-19 Gefahr.

432 Todesfälle von “Indigenous Australians” in Haft seit 1991

Black Lives Matter

Aber: Kennen wir auch den Namen David Dungay Jr? Nein? Der Australier und “Dunghutti Man” David Dungay Jr. starb 2015. “I can’t breathe” waren auch seine letzten Worte. Wiederholt hat er sie zwölf Mal, bevor er hier in Australien starb, nachdem einer der sechs Wärter, die ihn auf dem Boden hielten, sein Knie in den Rücken presste.

Kein Einzelfall leider. Dungay Jr. ist einer der 432 “Indigenous Australians”, die seit 1991 in Haft unter ähnlichen Umständen wie George Floyd starben. Meine Meinung? Vielmehr meine Überzeugung? Wir alle, die wir in diesem Land leben – kurz oder langfristig – sollten den Namen David Dungay Jr kennen und die Zahlen wissen, die mit seinem Tod assoziert werden. Sogar noch weitere: Dem Australian Bureau of Statistic zufolge sind nur etwa 3 % aller Australier Aboriginal und Torres Strait Islander. Dennoch machen sie 30 % aller Inhaftierten des Landes aus.

Besorgnis über überdurchschnittlich hohe Zahlen an “indigenous women” in Haft

Besonders hoch ist übrigens die Anzahl der Frauen mit indogenem Hintergrund in NSW Haftanstalten. Fiona Rafter, Inspector of Custodial Services in NSW, äußerste bereits im Januar ihre Betroffenheit darüber, dass “indigenous women” 21 Mal ueberrepraesentiertwahrscheinlicher inhaftiert werden als “non-indigenous women”, und in NSW laut neuesten Studien ein Drittel aller weiblichen Inhaftierten.

Wirklich? Drei Prozent der Bevölkerung füllen 30 Prozent aller Plätze in unserem Jusitzvollzug? Man muß wahrhaft kein Mathematik-Genie sein, um zu sehen, dass First Nation Australier in australischen Justizvollzugsanstalten drastisch überrepräsentiert sind. Und um es vorweg zu nehmen: Nein, ganz recht, die Umstände, weshalb einer oder eine der “Indigenous Australians” in Haft sind, kenne ich nicht. Aber: selbst ohne dieses Wissen, ist die Statistik auffallend, ebenso wie die Zahl der 432 Todesfälle, zumal in allen 432 Gerichtsverfahren, die sich daran anschlossen, alle Involvierten frei gesprochen wurden.

Was sind die Ursachen? Was kann getan werden?

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Berechtigt scheinen mir zumindest objektive Fragen wie: Wie kommt das? Was sind die Ursachen? Stimmt hier etwas nicht in den ueber black lives matter muss ueberall geredet werdenLebensumständen, der Bevölkerung, den zugänglichen Ressoursen? Wie kann man das ändern? Wird das geändert? Warum hat man das noch nicht geändert, wenn man sogar einen Trend nach oben längst erkannt hat?

Offen gebe ich zu, dass ich bis zu dem Tag, an dem George Floyds starb, weder den Namen David Dungay Jr., noch von den unverhältnismässigen Statistiken gehört habe. Warum? Wenn ich sie nicht suche, bleiben sie unsichtbar. Wenn niemand über sie redet, höre ich sie nicht. Wenn ich sie nicht höre, hören sie andere nicht und nichts wird sich ändern.

Wenn niemand redet, hört niemand und nichts wird sich ändern

Ändern muß sich aber etwas, solange es weitere George Floyds und David Dungay Jrs gibt. Gerechtigkeit muß gewährleistet sein, Rassismus ans Tageslicht und ausgerufen werden, um ihn zu beseitigen, denn nirgendwo ist Platz dafür. In keinem Land, keiner Zusammen von einander lernen ist auch wichtig in Australien wenn es um Rechte der Aboriganies gehtStadt, auf keiner Straße, in keiner Schule – nirgendwo.

Schweigen, nicht über Missstand zu diskutieren, ist für mich fehl am Platz. Ob es der richtige Weg ist in COVID-19 Zeiten auf die Straßen zu ziehen, um zu protestieren? Für mich nicht, die COVID-19 Gefahr finde ich zu hoch, und ich bezweifele, dass die Proteste eine Langzeitwirkung haben, die für eine Veränderung wichtig ist. Als Journalistin und Gründerin von Deutsche in Melbourne setze ich auf andere Mittel: informieren, aufmerksam machen, Gespräche und Austausch anregen und “Indigenous Australians”, ihren Geschichten, ihrer Kultur eine Stimme geben.

Kein Schweigen – sich informieren, zuhören, reden, von einander lernen

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Daher wird das Thema “Black lives Matter” in unserem Deutsche in Melbourne-Newsletter angesprochen. Newsletter, von denen ich zahlreiche abonniert habe, die in diesen Tagen, das Thema nicht ansprechen, fühlen sich für mich falsch an. Und denjenigen, die Ein Wegweiser in die Zukunft ist das Reden in Australien und das Kennen der eigenen Geschichtesich nicht sicher sind, ob sie auf professionellen Plattformen wie LinkedIn oder als Geschäftsinhaber oder im Berufsalltag, über Rassismus reden sollen, kann ich nur empfehlen: Ja!

Wie viele meiner deutschen Landsleute vermisse ich in Australien ab und an tiefe Gespräche und heiße Diskussionen wie ich sie aus Deutschland kenne. Die, nach denen man sich trotzdem die Hände schüttelt, obwohl man verschiedener Meinung ist. Viele Australier scheinen sich davor zu scheuen und oft denke ich, vielleicht ist es genau das, was in Australien die vielen verschiedenen Nationen, Kulturen und Religionen relativ problemlos zusammen leben läßt. Dennoch ist meiner Meinung nach jetzt das Reden, Informieren und Lernen von einander angesagt, damit wir nicht nur Namen wie George Floyd, sondern auch David Dungay Jr und somit unsere eigene, australische Geschichte kennen.

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