Einzigartiger, purer Genuß: Richard Wagners “Rheingold” am morgigen Sonntag in Melbournes Regent Theater & digital sowie bald in Bendigo

Das Rheingold von Richard Wagner wird in Melbourne erfolgreich aufgeführt

Wagner-Liebhaber – doch nicht nur sie – schwelgen derzeit im musikalischen Nibelungen-Himmel in Melbourne und bald auch Bendigo. “Rheingold” wird derzeit im Regent Theater gegeben. Eine Vorstellung findet am heutigen Sonntag, 16 Uhr, statt. Beeilen! Es gibt noch wenige “in person” Tickets. Die gute Nachricht: Dank der Melbourne Digital Concert Hall, wird die Aufführung live gestreamt und kann von überall mit einem digital Ticket geschaut werden. Wie und warum Sie unbedingt in diesen deutschen Musikgenuß hier in der Ferne kommen sollten? Lesen Sie selbst …

Langersehntes Comeback nach langem Lockdown

Sie ist in vielerlei Hinsicht seit langem ein erstes Mal: die Aufführung von Richard Wagners “Rheingold” derzeit im Regent Theatre in Melbournes CBD.  Die Liste ist lang:

 

  • Das erste Mal, dass das Melbourne Opera Orchester nach fast über einem Jahr wieder in einem Raum zusammenkommen und arbeiten konnte nach monatelangen Lockdowns und Online-Proben.
  • Das erste Mal, dass das 1929 erbaute Regent Theater nach COVID-bedingter Schließung wieder seine Türen für uns öffnet und wir nicht vor unseren Bildschirmen, sondern auf bequemen Theatersesseln Platz nehmen dürfen, um in den Genuß von Live-Musik zu kommen.
  • Das erste Mal, dass Richard Wagners “Rheingold”, das 1869 in München uraufgeführt wurde, von einem Team, dessen Mitglieder alle aus Victoria sind, auf die Bühne gebracht wird – von Technikern über Bühnenbildnern bis hin zu Musikern und Sängern – wiederum aufgrund COVID-bedingter Reisebeschränkungen.
  • Das erste Mal, dass das “Rheingold” seit 1913 in Australien in einer unabhängigen Produktion – ohne staatliche Finanzzuschüsse – zu sehen und zu hören ist.
Das Melbourner Regent Theater ist der Ort, an dem Richard Wagners Rheingold aufgeführt wird

Nicht zu vergessen: “Das Rheingold” ist der erste Teil des Wagnerischen “Ring der Nibelungen”, der zudem aus “Die Wallküre”, “Siegfried” und “Götterdämmerung” besteht. Und um es vorweg zu nehmen: Auch auf diese Teile werden wir uns in Zukunft in Victoria freuen können. 2022 ist das “Her Majesty Theater” – ebenfalls in Melbournes Stadtzentrum – ab Februar bereits  für die “Wallküre” fest gebucht. Das alles ist Melbourne Opera zu verdanken sowie unter anderem dem Hauptsponsor der Veranstaltungen Henkell Brothers Investment Managers. Sie brachten eine Produktion auf die Bühne, die eigentlich bereits für August vergangen Jahres geplant war, sich jedoch COVID-19 beugen musste. Doch um so stärker sind die derzeitigen Aufführungen vom Publikum gewürdigt.

Der Rhein, seine Fabeln und Sagen hier in Victoria

Der Zwerg Alberich und die Rheintöchter werden von Opersängern und Opersängerinnen aus Victoria in Australien gespielt.

Zunächst einmal: Worum geht es im “Rheingold”? Um Macht, Werte, das Halten von Versprechen und natürlich um den Rhein – einem Fluß, der nicht nur historisch gesehen für Deutschland von größter Bedeutung ist und schon immer war. Oft als “Vater Rhein” bezeichnet taucht er wie kein anderes deutsches Wasser im deutschen Liedgut, Gedichten, Geschichten und vor allem traditionellen Fabeln und Sagen auf.

So wohnen die betörend schönen Rheintöchter, die mystischen Naturwesen Floßhilde, Wellgunde und Woglinde im Rhein. Elegant durchs Wasser gleitend beschützen sie ihren Schatz, der nicht nur ihnen, sondern dem Rhein selbst seinen wundervollen goldenen Glanz verleiht: das Rheingold.

Der Zwerg Alberich vom Volk der Nibelungen versucht verzweifelt, ihr Herz zu gewinnen. Doch als die Schwestern ihn als häßlichen Gnom verschmähen, raubt er ihr Gold und fertigt damit einen Ring mit magischen Kräften. Doch muß er die Liebe verfluchen, um sie nutzen zu können. Mit der neuen Macht, unterwirft er sein Volk und seinen Bruder und zwingt sie, für ihn zu arbeiten.

Auch in der Welt der Götter gibt es Problem: Patriarch Wotan hat sich von zwei Riesen seine starke Götterburg Walhalla bauen lassen. Sie verlangen nun ihren Lohn, den Wotan ihnen in Aussicht gestellt hat: seine Schwägerin, die Jugend bringende Göttin Freia.

Nach Intervention seiner Familie, macht sich Wotan auf, Alberichs Ring zu ergattern und ihn anstelle Freias den Riesen als Belohnung anzutragen. Das gelingt, doch meint auch, dass die Rheintöchter sich noch immer nach ihrem Rheingold verzehren. Fortsetzung folgt – im zweiten Teil des Rings.

Fantastisch im Einklang: Bühne, Kostüme, Licht

Was “Das Rheingold” besonders hier in Australien so sehenswert macht? Zum einen ist es für viele –  besonders sicherlich deutschsprachige Expats – das Eintauchen in die Welt der deutschen Sagen, der Nixen, Elfen, Zwerge, der drachentötenden Siegfrieds und der Schlachten im Teutoburger Wald, die Erinnerungen an Deutschland wach werden lassen.

Die Welt der Odins, Freyas und der Thors der germanischen Mythologie, mit der so viele in deutschsprachigen Ländern – neben den Märchen der Gebrüder Grimm – aufgewachsen sind. Zum anderen ist es natürlich die ungeheure wagnerische Kraft und der wagnerische Zauber der Musik und des Wortes, die universal besticht und in Bann zieht.

Fantastisches Zusammenspiel von Bühnenbild, Kostümen und Lichteffekten während der Aufführung von Rheingold in Melbourne Australien

Doch weit darüber hinaus, gibt es noch so viel mehr, was Zuschauer und Zuschauerinnen in das Regent Theater  am heutigen Sonntag, 16 Uhr, locken sollte – sowohl digital zum Livestream der neuen Melbourne Digital Concert Hall als auch in das Ullumbara Theater in Bendigo am Sonntag, 21. Februar, 16 Uhr: Beispielsweise die Leistungen der Opernsänger und Opernsängerinnen, als Australier und Australierinnen in Deutsch zu singen (englische Untertitel sind simultan auf die Bühne projiziert).

Oder aber die Leistungen der Orchestermitglieder in Zeiten einer Pandemie zu proben und zusammen zu wirken. Die Leistungen der Bühnenbildner eine faszinierend-mythische, doch zugleich minimalistisch, ästhetisch-reine multidimensionale Spielfläche zu kreiieren, die die verschiedenen Meta-Ebenen der Handlung sowie die erfahrbaren Handlungsorte auf engstem Raum ermöglichen. Die Leistungen der Kostümdesigner, sowohl das leichtherzige, spielerisch-fluide Wesen der Rheintöchter und ihrer Gespielinnen (atemberaubend auf hohen Schwingstangen) als auch die schroffe, egoistisch-herzlose Persönlichkeit Wotans oder stürmische Jugendlichkeit Donners widerzuspiegeln. Ganz abgesehen von den wundersamen Lichteffekten.

Bezug zum Heute in Australien hergestellt

Den Bezug zum heutigen Wirklichkeit in Australien ist mit der Aufführung des Rheingolds in Australien hergestellt worden

Regisseurin Suzanne Chaundy ist mit “Rheingold”, ihrem Team von 140 Mitwirkenden – von Technik bis Dirigent – eine Produktion gelungen, die – angesichts der unzähligen, weltweiten Aufführung des Stücks  – eigen und unverwechselbar für und mit sich selbst steht.

Zudem ist es gelungen, Zuschauer anzuleiten, den aktuellen Bezug des Stücks, das geschrieben vor mehr als zwei Jahrhunderten in einer mystischen Sagenwelt spielt, zum COVID-Heute herzustellen.  Die 2020 Melbourne Variante des “Rheingolds” zeigt, welch fatale Konsquenzen es haben kann, wenn wir die Würde eines Menschen nicht achten und uns hinreißen ließen, eigens unsere eigenen Interessen zu vertreten – so wie es Wotan fast getan hätte, hätte Erda ihn nicht “geerdet” und so die (Götter-)Welt gerettet, wie es ihre Aufgabe ist.

Das Ensemble ist formidable bestehend unter anderen aus Dirigent Dr. David Kram, Eddie Muuliaumaseali’i als Wotan, Simon Meadows als Alberich, James Egglestone als Loge, Sarah Sweeting als Fricka, Lee Abrahamsen als Freya, Jason Wasley als Froh, Steven Fallop als Fafner, Adrian Tamburini als Fasolt und Darcey Carrol als Donner. Darcey ist übrigens auch der diesjährige Gewinner des Australian German Opera Grant und wird am Hessischen Staatstheater Wiesbaden spielen sobald COVID-Restriktion es erlauben. Fazit: Nicht versäumen!

Tickets zur Vorstellung & zum Live Stream bei MDCH

Weitere Aufführungen:

Melbourne, Regent Theater, Sonntag, 8. Februar, 16 Uhr, Tickets hier

Live-Stream über die Melbourne Digital Concert Hall: Beginn, Sonntag, 7. Februar, 16 Uhr, allerdings ist der Link zum Live-Stream 72 Stunden danach zugänglich. Mehr Informationen sowie Tickets hier

Bendigo, Ullumbara Theater, Sonntag, 21. Februar, 16 Uhr, Tickets hier.

Text: Claudia Löber-Raab, Copyright Deutsche in Melbourne 2021, Kontakt und Anfragen: claudia@deutscheinmelbourne.net

Fotos: Robin Halls, Courtesy of Melbourne Opera

Nicht den Live Stream versäumen der Melbourne Digital Concert Hall

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