Deutsche in Australien: Anne Morgensterns und Arne Meyers geglückter Sprung von Hamburg nach Adelaide

Anne Morgenstern und Arne Meyer aus Deutschland in Australien

Geboren sind sind Anne und Arne Meyer im niedersächsischen Stade. Doch Zuhause sind sie seit drei Jahren im australischen Adelaide. Wie sie es geschafft haben, sich hier wohlzufühlen, sich ein neues soziales Netzwerk aufzubauen und wie sie mit kulturellen Unterschieden umgehen, darüber haben sie mit Claudia Löber-Raab, Gründerin von DiM, gesprochen. Sie haben fantastische Ratschläge für Expats und Claudia gleichzeitig eine kleine Überraschung verraten …

Gute Neuigkeiten: Besonderer Urlaub steht an

Ein Interview mit DiM für die beliebte Reihe „Deutschsprachige in Australien“? Klar, dazu sei er sehr gern bereit, signalisiert Arne Meyer, geborener Stader mit Wahlheimat Adelaide, und freut sich. Nur eine Bitte hat der Norddeutsche: Wenn, dann am besten bald. Gute Nachrichten: Der erste Nachwuchs ist unterwegs und daher in wenigen Wochen Anne, seine Frau, und er zunächst einmal im Vaterschafts- beziehungsweise Mutterschaftsurlaub!

Gesagt, getan und so sitzen die werdenden Eltern wenige Tage später vor der Zoom-Kamera, die von Annes Schwangerschaft rein gar nichts zeigt. Lachend erzählt Anne, die gerade ihre Ausbildung zur NLP-Masterin beendet hat, dass ihr vorhergehendes Training zur NLP-Practitionerin aufgrund COVID-Beschränkungen online gewesen wäre. Für das Mastertraining hingegen habe man sich wieder „in person“ getroffen. Entsprechend groß sei die Überraschung ihrer Mitstudenten und -studentinnen gewesen, die nach Wochen geteilter, virtueller Lernerfahrung zum ersten Mal sahen, dass die Staderin mittlerweile recht sichtbar schwanger war.

Anne und Arne am Mt Hotham

Das NLP-Training wird Anne, die wie Arne in Stade geboren ist, bei ihrer Tätigkeit als Yoga-Lehrerin und Amanae Transformational Bodywork Practitionerin zugutekommen. Die mittlerweile 36-Jährige hat einen Master-Abschluss in Kulturwissenschaften von der Leuphana Universität zu Lüneburg sowie einen Bachelor von der Syddansk Universität zu Sonderborg in Modern Languages and Intercultural Communication absolviert. Doch kurz nach ihrer Ankunft in Australien entschied sie, sich selbständig zu machen und begann ihr Yoga- und Amanae-Business aufzubauen.

Kontakt zur Austauschfamilie seit über 20 Jahren

Anne aus Deutschland beim Zelten in Australien

Ein langsamer Prozeß, doch jetzt, so sagt die Deutsch-Finnen, nach rund zweieinhalb Jahren fühlt sie sich „gut aufgehoben“ in ihrem Business und auch in ihrem sozialen Netzwerk, das sich die beiden in Adelaide mittlerweile aufgebaut haben.

 Arne nickt zustimmend. Sein Job war es, der die beiden 2018 nach Australien brachte. Nach einem Down-Under-Urlaub übrigens im Jahr zuvor. Anne hatte als 15-Jährige an einem privat organisierten Schüleraustausch teilgenommen. Damals lebte sie bei einer australischen Familie in Wangaratta, rund 230 Kilometer entfernt von Melbourne in Victoria .

So gut hatte sie sich mit ihrer damaligen Gastschwester Sophie und deren Familie verstanden, dass nicht nur Anne, sondern auch Annes Eltern, Verena und Jukka, mit Sophie und deren Eltern Loretta und Colin über 20 Jahre hinweg in Kontakt blieben. Dementsprechend groß war die Wiedersehensfreude während Arne und Annes Australien-Urlaubs und es wurde geflachst, dass man doch dichter zusammenwohnen sollte.

Sechs Monate später saß Arne, der einen Bachelor of Business Administration im IT-Management besitzt und im IT-Bereich für ein weltweit operierendes europäisches Unternehmen arbeitet, am Küchentisch und stieß auf eine Ausschreibung seines Arbeitgebers für eine Stelle in Australien.

Ruckzuck ein Arbeitsvertrag für Australien 

„Ich hab dann zu Anne, die in der Stube saß, gerufen, ob ich mich bewerben soll,“ erinnert sich Arne. „Mach doch einfach,“ kam von dort die Antwort und ehe es sich die beiden versahen, erhielt Arne die Job-Zusage und einen für neu-einreisende Expats in Australien einen sehr seltenen unbefristeten Arbeitsvertrag.

Die beiden hatten sich noch ausgebeten Weihnachten mit der Familie in Deutschland zu verbringen und so ging es 2018 vom deutschen Winter in den australischen Sommer. Besonders für Arne, dessen Lebensmittelpunkt Stade und das rund 50 Kilometer entfernte Hamburg war, sowie seine Eltern ein großer Schritt. „Wenn du den Job wechseln willst, musst du doch nicht nach Australien gehen,“ war die nüchterne Reaktion seines Vaters, erinnert sich Arne schmunzelnd und gibt zu: „Wir haben uns zwischendurch auch gefragt: Wollen wir das wirklich machen?“

Goodbye hamburg, Hallo Adelaide

Ja, wollten sie und auf ging’s mit zwei Koffern und zwei Rucksäcken am 22. Februar 2018 Richtung Adelaide. Nur wenige Tage später begann Arne seine Arbeit. Die Aufgabe des mittlerweile 38-Jährigen ist es, ein weltweites Software Transformation Projekt seines Unternehmens mitzubetreuen und anschließend den Support für das Programm in der hiesigen Region mitaufzubauen.

Unterschiede Australien und Deutschland

Arne Meyer kam wegen eines IT Projekts nach Australien

„Meine Kollegen und Kolleginnen haben mich sehr herzlich willkommen geheißen,“ erinnert sich Arne. Gefragt nach einem Unterschied zwischen dem Arbeiten in Deutschland und Australien, beginnt er allerdings erst einmal zu lachen: „Der Humor ist schon anders. Schwarz und direkt. Und dann gibt es das „mateship“, sagt er.

Arne erklärt, dass, sollte einem mal ein Fehler unterlaufen sein, laut und deutlich darauf hingewiesen wird – natürlich mit Augenzwickern. In Deutschland hingegen werde eher höflich und diskreter vorgegangen.

Auch zeitlich folge nicht immer alles genau nach Plan: „Zu einem Meeting um 16 Uhr 30 zu kommen, das wird schon etwas lockerer gesehen,“ lacht er und spricht ein Thema an, von dem viele deutschsprachige Expats in Australien ein Lied singen können. Der Informatiker trägt´s mit Humor, dass er seine deutsche Pünktlichkeit wohl kaum verlieren werde.

Dass Vorurteil, dass in Australien aufgrund eines relaxten Lebensstils weniger als in Deutschland gearbeitet werde, kann der Niedersachse auf keinen Fall bestätigen. Ganz im Gegenteil, beispielsweise gäbe es weniger Urlaubstage als in Deutschland. Dafür, so meint er, herrsche mehr Spaß an der Arbeit im Sinne von entspannterer, aber trotzdem produktiver Atmosphäre.

Aktivsein hilft gegen Alleinsein

Während Arne sich seinen Weg durch die australische Arbeitskultur und Arbeitswelt bahnte, fand Anne den ihrigen durch Adelaide, den beiden ein möbliertes Haus in der Nähe des Strandes und knüpfte die ersten sozialen Kontake außerhalb Arnes Firma.

 „Ja. Es gab eine Phase, in der ich mich voll allein gefühlt habe,“ gibt sie ehrlich zu. Doch dann habe sie an einem Yoga-Wochenende teilgenommen, von dem sich viele Kontakte ergeben hätten. Weitere kommen hinzu, nachdem Anne einen Chor gefunden hat, in dem sie mitsingen kann. In Hamburg hatte sie in einem finnischen Chor mitgewirkt, um der Sprache ihres Vaters nahe zu bleiben. Adelaides „One Voice“ ist ein Chor, in dem jeder mitsingen kann, keine Musikkenntnisse sind nötig und so beschließt Anne, auch Arne mitzubringen.

Anne mit ihren Eltern in Australien

Sie entdeckt einen Community Garten und auch dort wird das deutsche Paar aktiv, das sich bereits in Hamburg in einer ähnlichen Anlage ein Beet gemietet und bewirtet hatte. Der Surf- und Life Saving Club ist nicht weit entfernt und auch hier zögern die beiden nicht, machen ihre Ausbildung und gehören zum Team der Rettungsschwimmer und -schwimmerinnen mit Australiens berühmten gelb-orangen Kopfbedeckungen.

Wichtig für Norddeutsche in Australien

Norddeutscher Arne beim Surfen in Australien

Sie hätten nicht versucht, ihr Leben in Deutschland zu rekreiieren. „Wir haben nicht festgehalten, an dem, was wir hatten. Vielmehr haben wir geschaut, was sich für uns bewährt hat, wo können wir uns einbringen und zu Fuß hinlaufen,“ erklärt Arne.

Sowohl ihm als auch Anne ist der lokale Bezug wichtig. Die beiden versuchen, zu vermeiden, das Auto zu benutzen. Im Gegensatz zu Australiern und Australierinnen, die wie sie festgestellt haben, doch schnell ins Auto hüpfen, selbst wenn sie die Strecke zu Fuß oder mit dem Rad hinter sich legen könnten.

Überhaupt – das Umweltbewußtsein in ihrer Wahlheimat vermissen die Norddeutschen schon. Zwar gäbe es in Adelaide ein Pfandflaschen-System, doch so richtig wirksam sei es nicht: „Mit den ersten Flaschen sind wir in einen Bottle-Shop gegangen, um sie zurückzubringen. Dort wurde uns allerdings erklärt, dass wir sie in einem Depot zurückgeben müssen.“

 Dieses allerdings ist schlecht zu erreichen und eher abgelegen. Im Nachhinein seien sie daher nicht verwundert gewesen, dass frühere Mitbewohner Flaschen einfach in den Mülleimer schmissen oder aber sich in der Garage riesige Taschen vollgefüllt damit stauten, die eventuell irgendwann einmal ihren Weg ins Pfandlager finden würden – oder aber nicht.

Land wird geliebt, Familie vermisst

Davon abgesehen, wird jedoch rasch klar, wie sehr das Paar ihr Leben in Australien genießt. Auch, wenn es die Familie gerade jetzt in der Schwangerschaft vermisst. „Meine Eltern und meine Schwiegereltern haben mich nur auf Fotos schwanger gesehen,“ bedauert Anne. Arnes Eltern und seine Schwester hätten dieses Jahr eigentlich ihren Besuch angekündigt. Damit muss wohl noch gewartet werden.

Daran gewöhnt, dass ihre Kinder am anderen Ende der Welt leben, hat sich die Familie mittlerweile. „Sie wissen, wie sehr es uns am Herzen lag,“ sagen die beiden und fast erscheint es als kleiner Trost, dass in der gegenwärtigen Situation auch das Reisen und Besuchen innerhalb Deutschlands schwierig gewesen wäre, wären sie dort geblieben.

Momentan sind Arne und Anne dabei, ihre Visa verlängern zu lassen. Das schwebt wie ein kleines Damokles-Schwert über ihren Köpfen. Ebenso wie die Verlängerung des Mietvertrags, der nach zwölf Monaten überlicherweise auf eine einmonatige Kündigungsfrist umschlägt. „Wir haben aber mit den Vermietern sprechen und noch einmal für ein Jahr verlängern können,“ erzählt Anne.

Die beiden lieben ihren Wohnort, insbesondere ihre Nachbarschaft, zu der sie eine enge und gute Verbindung aufgebaut haben. „Wir haben uns anfangs überall vorgestellt, ohne zu wissen, dass dies nicht üblich ist,“ lachen die Wahl-Australier.

HSV und Sankt Pauli besser als Footy

Glücklich und voll integriert in Australien

Das Eis hat es jedoch auf alle Fälle gebrochen und für freundliche Gesten gesorgt: „Wir haben sehr fürsorgliche Nachbarn und schon fast alles für das Baby geschenkt bekommen,“ lacht Anne, deren Geburtstermin Ende März ist.

 Fazit: Der Sprung nach Australien war für beide eine gute Entscheidung. Jedem, der die Chance dazu hat, dem rät Arne: „Mach es! Es ist das Beste!“ Wichtig, sei aktiv zu sein: “Ohne unser soziales Netzwerk, würden wir uns nicht so wohlfühlen. Und: “Auf das Leben hier konzentrieren. Es gibt Menschen, die leben im Kopf immer noch in ihrem Heimatland.” Ein Leben in einem anderen Land wird dadurch schwierig. Er warnt allerdings: „Das Heimweh kann dann doch mal kommen.“ Beispielsweise am Samstag nachmittag, wenn man weiß, dass der HSV oder St Pauli spielen. „Da kommt kein Footy Spiel mit.“

Das DiM-Team wünscht für den Rest der Schwangerschaft alles Gute und freut sich auf ein Foto des Nachwuchs, wenn es soweit ist!

 Text: Claudia Löber-Raab, Copyright Deutsche in Melbourne 2021, Fotos: Courtesy of Anne Morgenstern und Arne Meyer, Kontakt und Anfragen: claudia@deutscheinmelbourne.net

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