Wieder “Remote Learning” für rund 700.000 Schüler in Melbourne und ihre Eltern – Yasmina Buhre erzählt von Herausforderungen

Deutsche in Melbourne Yasmina Buhre ueber Job und Remote learning mit ihren kids

Die erste Woche eines erneuten “remote learnings” für rund 700.000 Schüler und Schülerinnen in Melbourne und dem Mitchell Shire – Gebiete, die wieder im COVID-19 Lockdown sind – ist vorbei. Theoretisch stehen ihnen noch knapp vier weitere Wochen bevor. Doch an einem Tag, der wieder 459 neue COVID-19 Fälle bringt, steht der Zeitpunkt, an denen Kids von Foundation bis Year 10 tatsächlich wieder die Klassenzimmer füllen, in den Sternen.

 “Work from Home” – oder WFH, so die gängige Abkürzung, die wir längst in unser Vokabular als selbstverständlich aufgenommen haben –  ist in aller Munde. “School from Home” sollte es jedoch genauso sein, denn das Thema ist ebenso wichtig. Nicht nur sind viele Eltern und Lehrer davon betroffen, sondern natürlich auch unsere Kids und Teenager. 

Wie sieht das “remote learning” aus?

Was für viele Eltern, die nicht nur ihre eigene Arbeit, sondern auch noch ihre Sprößlinge beaufsichtigen müssen, die Situation zusätzlich kompliziert: So unterschiedlich unsere Kids auf die Situation reagieren, so unterschiedlich sind die Methoden, die Schulen nutzen, um das “remote learning” umzusetzen. Mal sporadische Google Meets, ansonsten eher Eigenarbeit, mal mehr virtueller Frontal-Unterricht als selbstständiges Arbeiten, und nicht immer werden diese Informationen klar kommuniziert.

Manchmal ist das verständlich. Oft müssen Konzepte beispielsweise mit neuen Ankündigungen der Regierung von einem Moment auf den anderen geändert und das “trial and error” Prinzip angewandt, bevor Neuerungen tatsächlich implementiert werden. Manchmal mangelt es einfach an Informationsfluß von Schulen zu Eltern.

Die Deutsche Yasmina Buhre, die mit ihrer Familie im nördlichen Teil Melbournes wohnt, gehört zu den glücklichen Eltern, die von der Primary School ihrer neunjährigen Tochter Maya und ihres siebenjährigen Sohnes Benno hervorragend und fortlaufend informiert sind, wie ihre Kinder unterrichtet werden. 

“Ich kann alles nachvollziehen”

Aus Köln nach Australien gezogen

“Unsere Schule, eine public local school, kommuniziert unwahrscheinlich gut mit den Eltern. Klar, es gibt immer wieder Eltern, die trotzdem etwas auszusetzen haben, und ich bin auch jemand, der die Situation sicherlich nicht ganz unkritisch sieht beziehungsweise immer gern gut informiert ist. Ich finde allerdings, die Schule hat dort wirklich absolut Großartiges geleistet.

Auch der Kontakt, den wir zu den Lehrern haben und hatten. Ich kann alles, was im Unterricht passiert, nachvollziehen, mit den Lehrern in Kontakt bleiben,” erzählt die gebürtige Kölnerin.

 “Es war für mich als Mama eine totale Erleichterung zu wissen,  dass wir ein Team sind, dass nicht die Lehrer auf der einen Seite und die Eltern auf der anderen Seite stehen, sondern wir alles gemeinsam als  Teamarbeit angehen. Das ist ganz, ganz wichtig”, erklärt Yasmina und fügt hinzu, dass die Schule einen Psychologen als Schuldirektor hat, was ihrer Meinung nach mit allem, was Schule, Unterricht und Kommunikation anbeträffe, ernom helfe.

Und jegliche Hilfe, sei sie noch so klein, kann Yasmina jetzt besonders gebrauchen. “Ich habe gerade diesen Monate eine neue Stelle als Gemeindepädagogin angefangen und arbeite Vollzeit von Zuhause und mit den Kids.” Ihr Home Office hat sie im Schlafzimmer provisorisch mit der Fensterbank als Schreibtisch eingerichtet und dort sitzt ihr sieben-jährige Filius neben ihr, wenn “Unterricht” ist.

Für Erwachsene klar, für Kids nicht immer

Während Maya “ganz gut” mit dem “remote learning” zurecht komme, brauche Benno, obwohl er ein guter Schüler und recht ehrgeizig sei, mehr Unterstützung. Das sieht dann so  aus; “Ich mache meinen ganz normalen Job, muss ihm aber auch helfen. Einfach aus der Situation heraus, dass die Aufgaben für ihn als Year 1 Schüler nicht ganz so klar sind, wie für uns Erwachsene. Und  für mich vielleicht noch mehr, weil ich selbst viele Jahre unterrichtet habe und diese Art von Aufgaben kenne und weiß, wie man aus den Kindern das Entsprechende herausholen kann.” 

“Aber es ist dann schon extrem, wenn man das neben dem eigenen Job machen und diese Aufgaben mit dem iPad ausfülllen muß,” gesteht Yasmina, die vor über zehn Jahren mit ihrem Mann Henrik nach Melbourne kam. 

Die Kinder wachsen in Australien zweisprachig auf

“Diese Feinmotorik haben die Kinder noch gar nicht, wenn sie in einen Kasten etwas reinschreiben und dann woanders hindraggen müssen. Das ist time consuming und kann dann sehr, sehr schnell nicht nur uns Erwachsenen, sondern auch den Kindern auf die Nerven gehen und das ist es, was so lange braucht.”

Erklärungen mit Video, Audio und Text

Die deutsche Familie Buhre in Melbourne

Trotz allem ist die zweifache Mutter voller Lob für die digitale Art und Weise, wie Lehrer und Lehrerinnen den “Unterricht” für ihre Kids gestalten.

“Die Schule nutzt Seasaw, das ist eine Online Plattform, auf der die Schule verschiedenste Aktivitäten einstellt. Die Kinder sind an diese Plattform gewöhnt. Ich finde sie visuell super aufbereitet.  Meistens gibt es für Aufgaben im Schreiben ein kleines Video, das die Kinder sich anschauen müssen. Dann gibt es eine schriftliche Erklärung und zusätzlich eine Audio-Erklärung vom eigenen Lehrer.”

Den Kids stehen verschiedene Möglichkeiten  offen, wie sie ihre Aufgaben beantworten können, beispielsweise per Audio aufnehmen oder malen oder schreiben.” Im Laufe der Zeit hat die Schule Elemente addiert, um auf die Bedürfnisse der Schüler und Schülerinnen zu reagieren.  So erzählt Yasmina: “Neu dazu gekommen ist, dass die Kids jeden Tag 15 Minuten morgens einen Zoom-Call haben mit der Lehrerin und der ganzen Klasse.” 

Leiden unter erneutem Kontaktverbot

 Die Mutter hält das für eine ausgezeichnete Idee. “Ich finde es wichtig, das die Jungs und Mädchen den Kontakt zur Klasse behalten. Ich kann nur über meinen Sohn sprechen, aber er leidet total unter der Situation des zweiten Lockdowns. Ich denke, das gilt besonders für viele Kleinere. Du kannst schon sehen, dass die jüngeren Kinder mental sehr darunter leiden. Es ist sehr, sehr schwer für sie, mit dem Kontaktverbot klar zu kommen.”

Ein weitere Beobachtung von Yasmina ist, dass es gerade für jüngere Schulkinder schwierig sei, eigenverantwortlich für das Handeln beziehungsweise für das eigene Lernen zu sein.

Wieder von Zuhause arbeiten muss man in Melbourne

“Auch wenn es jeden Tag nur fünf oder sechs Aufgaben gibt, die jüngern Kids sind manchmal einfach so überwältigt  von dem Angebot, dass es ihnen schwerfält zu entscheiden, womit fange ich an? Bei meinem Sohn ist es so: Das klicke ich an. Das ist interessant und das ist interessant.  Das klicke ich auch an. Und am Ende des Tages stellt er dann fest, ich hab eigentlich gar nichts gelöst, weil ich von dem Angebot so angezogen war,” lacht Yasmina.

“Gerade weil alles bei uns sehr, sehr ansprechend gestaltet und sehr toll gemacht ist,  brauchen die Kinder wirklich die Eltern, die sagen: Ok. Wir suchen uns jetzt eine Sache raus und die machen wir zu Ende und dann können wir nachher den Haken dran machen.”

“Viel Liebe und Verständnis zeigen”

Versuchen, auf Positives zu konzentrieren

Und sie springt auch mal ein, wenn sie denkt, dass ihre Kinder zu viel am Laptop oder iPad arbeiten, und druckt ab und an eine der Aufgaben aus. “Das ist dann natürlich für mich wieder Extra-Arbeit, aber das hilft, zwischendurch mal wieder die Motorik zu schulen mit einem Stift in den kleinen Fingern.” 

 Ganz wichtig sind Yasmina auch Bewegung und frische Luft: “Das heißt also mittags, wenn die Pause ist, werden die Geräte neu geladen und dann geht es raus in den Garten und aufs Trampolin. Doch Yasminas letzter Tipp ist vermutlich der wichtigste: “Viel Liebe und viel Verständnis zeigen.”

Wir möchten hören, wie es anderen Eltern und Kids im zweiten Lockdown und dem zweiten “remote learning” geht. Wer ebenso wie Yasmina darüber berichten möchte, einfach eine E-Mail an claudia@deutscheinmelbourne.net schreiben oder hier kommentieren.

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