Melbournes “Grain Store” ist zurück: “Als ob wir zum zweiten Mal neu eröffnen”

Hart gearbeitet haben die drei deutschen Gastronomen Melanie Stolpe sowie Ingo und Annika Meissner, um ihren Traum von einem eigenen Café in Melbournes Innenstadt wahr zu machen! Gelungen ist es ihnen! Bis COVID-19 zuschlug …

Internationale Karriere von Deutschland nach Australien

Schaut man sich Melanie Stolpe und Ingo Meissners Lebensläufe an, beeindrucken sie nicht nur mit ihren Positionen in einigen der feinsten Gastronomie- und Hotelbetrieben. Länder, in denen sie gearbeitet haben, lassen zudem Fernweh aufkommen: unter Melanie Stolpe ist in Deutschland geboren und lebt jetzt in Australienanderem Schweiz, Kanada, England und Bermuda. 

Aufgewachsen in der früheren DDR, mit Reiserestriktionen, die man sich heute kaum noch vorstellen kann gäbe es nicht COVID-19, hätten sich beide wohl kaum träumen lassen, dass sie eines Tages über 16,000 Kilometer von der einstigen Heimat entfernt, in Melbourne ein florierendes, von Gästen geliebtes Café mitten in Melbournes Innenstadt besitzen würden.

Es ist eine lange Freundschaft, die den gelernten Koch und die gelernte Hotelfachfrau mit einander verbindet. Ebenso wie die Liebe zu ihren Berufen hat sie sie von einer Karrierestation zur anderen reisen lassen. Oft gemeinsam, doch auch getrennt. So arbeitete Melanie beispielsweiseweise weiterhin in Australien während Ingo wieder zurück nach Deutschland kehrte, um dann jedoch mit seiner Frau Annika, wieder die Kontinente zu wechseln und ebenso wie Melanie Melbourne zur Heimat machte.

Gemeinsam in Melbourne den Sprung in die Selbständigkeit gewagt

Vor rund acht Jahren reifte die Idee, gemeinsam den Sprung in die Selbständigkeit zu wagen und ein eigenes Café zu eröffnen. Annika Meissner kam mit ihrem Mann Ingo Meissner von Deutschland nach AustralienMehrere Monate vergingen mit der Suche nach einem geeigneten Venue bevor Ingo, Annika und Melanie von einem Gebäude in der Innenstadt hörten, das gerade umgebaut wurde.

 Für den Eingangsbereich suchte man ein Business, das geschäftiges Treiben und Kundenverkehr versprach. Die drei schauten sich die Lage und Baustelle an und plötzlich wurde ihre Idee Realität. Der „The Grain Store“ fand ein Zuhause.

Bevor er allerdings Gestalt annahm, flossen etliche Monate, Wochen, Tage und vor allem akribische Recherche, Planen, Energie – und nicht zuletzt Geld – in das Projekt. Vor allem Annika oblag es, die Innenarchitektur des Grain Stores zu planen – von Decke bis Fußböden, Lampen bis Tischen und Stühlen und vieles mehr. Das alles, während alle drei Vollzeit bis wenige Tage vor der Eröffnung des Cafés im Jahre 2013 arbeiteten.

Gäste kamen wieder und mit ihnen ihre Freunde, Familie und Kollegen

Doch wer denkt, dass ein Café in der Innenstadt gleich zu setzen ist mit sofortigem Erfolg, der irrt. „Damals sah das alles noch nicht so aus wie heute,“ erinnert sich Melanie. Viele Baustellen habe es gegeben, wenige Orte, an denen man guten oder überhaupt Der gelernte Koch aus der früheren DDR hat internationale Karriere gemacht bevor er in Melbourne sein eigenes Café eröffneteKaffee erhalten konnte. Dass es den „Grain Store“ gab, dass Menschen von ihm wussten, ihn besuchten und sich daran gewöhnten, dass es plötzlich die Möglichkeit gibt, nicht nur fantastischen Kaffee, sondern auch „upper level“ Speisen in Flinders Lane zu erhalten, musst erst aufgebaut werden.

„Wir haben viel mit Hotels zusammengearbeitet,“ erzählt Melanie. Das hatte zur Folge, dass viele Touristen den „Grain Store“ besuchten, zumal Touristattraktionen wie das „Melbourne Aquarium“ und „The Crown“ nicht allzu weit entfernt sind. Überzeugt von Ingos Kochkünsten, Melanies angenehmer Art, Gäste willkomen zu heißen und Zuhause fühlen zu lassen kombiniert mit der Upper Level Speisen im Grain Store in Melbourne, gekocht von DeutschenAtmosphäre, die Annika, dem Grain Store optisch verlieh, kamen die Gäste wieder. Mit ihnen Bekannte, Verwandte und Kollege, denen sie das Café empfohlen.

Der „Grain Store“ wurde zum Begriff. Die Schlange von Menschen, die sich am Wochenende vor seiner Tür aufreihten, um Leckereien wie Gnocci con Salsicce al Forno, freerange Pork Belly oder Poltenta mit Parmesan, Gremolata, Blumenkohl und smoked Joghurt oder Baramundi Fillet zu genießen, immer länger.

Gäste kamen wieder und mit ihnen ihre Freunde, Familie und Kollegen

Sieben Jahre harte Arbeit stecken hinter dem Erfolg des Grain Stores. Ingo nickt und gibt zu, dass „blood, sweat and tears“ in das Business geflossen sei. „Wir haben alles mit unseren eigenen Händen und eigenen Geld aufgebaut,“ sagt er und man merkt ihm ein wenig bescheidenen, Der Grain Store vor dem COVID-19 Lockdown in Melbourneehrlichen und wohl verdienten Stolz an. „Ja, wir hätten weitere Cafés aufmachen können. Aber uns hat der Grain Store immer gereicht,“ erzählt der Executive Chef, der laut Melanie auch derjenige ist, der stets die Zahlen und Finanzen des Unternehmens fest im Auge hat.

Nicht zu expandieren, ist eventuell eine Entscheidung, die den drei Deutschen in Melbourne jetzt zu Gute kommt und ihr Business retten kann. Warum? Ein einziges Wochenende im März hat den Grain Store ihr gesamtes Leben ebenso aus der Bahn geraten lassen wie das ihrer Angestellten: COVID-19 war von der Weltgesundheitsbehörde (WHO) zur Pandemie erklärt worden und Australien wurde in den Lock Down geschickt. Der Grain Store musste schließen.

COVID-19 und plötzlich herrscht Leere im Grain Store und überall

„Am Montag Morgen danach kamen noch Kunden, um sich kurz zu verabschieden und den letzten Kaffee zu holen,“ erinnert sich Melanie. Melanie Stolpe in ihrem Café in MelbourneDas war´s dann allerdings auch schon. Kurze Zeit später herrschte gähnende Leere. Und das, nicht nur im „The Grain Store“, sondern auch in Melbournes Innenstadt, Melbournes Büros, Melbournes Hotels, Melbournes Touristenattraktionen. Lockdown.

Leere überall, nur nicht in den Kühl- und Lagerräumen des „Grain Stores.“ „Wir planen im Voraus und kaufen Waren für die nächsten drei bis vier Tage,“ erklärt Ingo. Das Resultat: frisches Obst und Gemüse so wie feinstes Fleisch im Wert von rund $8000, das auf Tellern der täglich zwischen 400 und 600 Gästen des Cafés perfekt präsentiert werden sollte, staute sich in Regalen. Schleunigst mussten Lieferanten angerufen und alle weiteren Bestellungen schwersten Herzens abgesagt werden.

Die Familie ist im Grain Store wichtig

„Wir haben vieles unseren Angestellten gegeben,“ sagt Melanie. Von vielen wußte sie, dass sie ohne Einkommen sein würden. Sie zu entlassen war „heartbreaken“, erzählen die beiden Gastronomen und man merkt beiden an, dass es auch noch nach Monaten, dieDas Logo des Grain Stores in 517 Flinders Lane in Melbournes Innenstadt Erinnerungen schwer lasten. „Wir arbeiten hier wie eine Familie,“ erklären die beiden. „Wir schauen nach unseren Angestellten.“

Doch nicht alle Lebensmittel konnten aufgrund Regulationen gespendet werden. Die gebürtige Berlinerin schüttelt noch immer den Kopf über den Verlust der Nahrungsmittel und natürlich den finanziellen Verlust. Monate ohne Einkommen mit weiterlaufenden Kosten wie Miete, Strom, Superannuation, Steuerabgaben – um nur einige zu nennen – das verursachte nicht nur schlaflose Nächte, sondern verlangt auch nach drastischen Maßnahmen wie den Gang zur Bank, um Kredit aufzunehmen.

Auch das Umstellen auf “Take Away” kann den Verlust nicht ersetzen

Da half auch nichts, dass The Grain Store, ebenso wie viele andere Gastronomie-Betriebe Australiens, nach den ersten Wochen des Ingo und Annika Meissners und Melanie Stolpes Café in Australien bietet auch Raum für private VeranstaltungenSchocks und dem Versuch alle relevanten Informationen, wie es weiter gehen soll zu recherchieren, auf Take Away umsattelte. Den Umsatz, den das Café brauchte, konnte nicht ersetzt werden. Und: mag es sich für Laien auch leicht anhören, das Menu umzustellen, so kommt dieser Schritt Herausforderungen.

„Unser Menu ist für Gäste, die im Café essen,“ erklärt Ingo. Von Präsentation bis Verfahren bis hin zu Zutaten. Ein „Take Away“ Angebot zu erstellen, braucht Umdenken, ein anderes Zubereiten sowie neue Zutaten und ein weniger komplizierteres, reduziertes Angebot.

Doch weiterzuarbeiten und zumindest einige Arbeitsplätze zu erhalten, stand im Vordergrund für die Café-Besitzer. Ebenso das eigene mentale Wohlergehen: „Wir arbeiten in der Gastronomie und lieben es, täglich mit Menschen zusammen zu kommen. Das brauchen wir, den Hustle und Bustle, das kontrollierte Chaos,“ sagt Melanie und Ingo fügt hinzu: „So schön es ist, Zuhause zu sein, nach ein paar Tagen fällt einem die Decke auf den Kopf.“

Ingo Stolpe: “Wir können nicht hier sitzen und weinen”

Glücklicherweise können Annika, Melanie und Ingo seit knapp drei Wochen die Türen für Gäste wieder öffnen – unter strengsten Hygienemaßnahmen und mit großen Sicherheitsabständen, die die Gästezahl drastisch reduziert und das sonst gut gefühllte Café in Melbourne wenig leer aussehen läßt. Doch Melanie ist in ihrem Element, spricht mit Gästen, hilft ihrer Bedienung und nimmt Anrufe mit Tischreservierungen entgegen, die jetzt vorgeschrieben sind.

An genügend Umsatz, um die Familien zu ernähren oder die laufenden Kosten zu decken, ist jedoch lange noch nicht zu denken. Und auch, wenn sich die Restriktionen weiter lockern, noch weiß niemand, wie Gäste reagieren, ob sie kommen werden. Ingo sieht es pragmatisch: „Wir können nicht hier sitzen und weinen. Wir müssen weiter machen. Wenn ich eines in COVID-19 gelernt habe, dann das nichts sicher ist.”

Wie eine zweite Neueröffnung des Grain Stores

„Mir kommt es vor, als eröffnen wir gerade zum zweiten Mal neu,“ meint Melanie ein wenig nachdenklich. Das ist vielleicht ein gutes Zeichen. Wenn Melanie, Ingo und Annika es schon einmal geschafft haben, den „Grain Store“ im wahrsten Sinne des Wortes aus dem Boden zu stampfen, warum sollte es ihnen nicht ein zweites Mal gelingen?

Der Grain Store ist täglich geöffnet. Ingo, Melanie und Annika brauchen und freuen sich besonders über jeden deutschsprachigen Gast. Das Café hat ebenfalls einen abgetrennten Raum, der sich für private Gruppen anbietet. The Grain Store, 517 Flinders Lane, Melbourne. www.grainstore.com.au

Text und Fotos: Claudia Loeber-Raab, claudia@deutscheinmelbourne.net Fotos 5,6,9 Courtesy of the Grain Store

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