Budgetdefizit und verlassene Innenstadt – Melbourne, wie geht es weiter?

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Melbourne, wie soll es weiter gehen? Statt 950.000 Menschen pro Tag in deiner Innenstadt, jetzt nur noch 50.000. Davon sind die meisten sogenannte “Essential Worker” und Bauarbeiter, gab Lord Mayor Sally Capp während einer Veranstaltung mit der Victorian Chamber of Commerce and Industry einen Über- und Ausblick.

Statt Menschentrauben herrscht Leere

So kennen wir Melbournes Innenstadt: Ein stetiger Fluß von Menschen strömt aus Flinders Street Station die Stufen hinunter, um sich an Ampeln, die soeben auf Rot geschaltet haben, unwillig zu stauen. Das wiederum ist das Signal für den schier endlosen Fluß von Autos, Transportern, Fahrrädern, Motorrädern und Skootern ins Rollen zu geraten und sich schwerfällig durch Flinders Street und St Kilda Road zu wälzen. So lange, bis Grün zu Rot wechselt, alle Reifen stoppen und sich fortan der Strom der Menschen weiter ergießt, bis auch er gestoppt und sich das Schauspiel des Verkehrs wiederholen wird.

Flinders Street

950.000 Menschen pro Tag durchlaufen normalerweise Melbournes City, sagt Melbournes Lord Mayor Sally Capp, die erste Frau, die das Amt des Oberbürgermeisters in der Hauptstadt von Victoria inne hält. So zumindest sah es vor COVID-19 aus. Aktuellere Zahlen sorgen für ein Zusammenzucken. „Between mid March and April, the number dropped to 50,000 and most of them were essential service or construction worker,“ verkündet Capp in einer Veranstaltung für Mitglieder der Victorian Chamber of Commerce and Industry mit Chief Executive Paul Guerra.

Melbourne – ein Platz zum Treffen und Zusammenkommen

Allein in den ersten Wochen des Lockdowns mußten 120 Events abgesagt werden. Darunter einige Mega-Veranstaltungen, die internationales Publikum angezogen hätten, ganz zu schweigen von Melbournes Museen, Theater, Konzerthallen, Sport und vielen anderen Venues, die schließen mußten. „Melbourne is a meeting and gathering place,“ erklärt Sally Cap – eine Stadt, die von ihren Besuchern und Touristen lebt, von den Menschen, die Tag für Tag in ihr arbeiten, sich treffen, gemeinsam etwas unternehmen. So wie COVID-19 den Strom der Fußgänger und des Verkehrs gestoppt hat, so hat der Virus auch den Strom des Einkommens versiegen lassen.

Rund 16.800 Businesses sind in der City ansässig. Davon sind knapp 2500 Cafés und Restaurants mit Platz für rund 195.000 Gästen. Laut Lord Mayor Sally Capp waren oder sind 53% aller Business derzeit vorübergehend geschlossen, 27% sind auf einen anderen Service oder ein anderes Produkt umgeschwenkt, das heißt sie bieten jetzt beispielsweise „Take away“ an anstelle eines „Dine in“ Services, 17% operieren normal, 3% sind permanent geschlossen. Allerdings, so Capp, gehe man davon aus, dass letztere Zahl in den nächsten Wochen und Monaten ansteigen wird, also weitere Businesses nicht aus dem sogenannten „Winterschlaf“ herauskommen und für immer geschlossen bleiben werden.

Budget-Defizit zum ersten Mal in 30 Jahren

Getroffen hat es auch das geplante Budget der Stadt Melbourne, das zum ersten Mal seit 30 Jahren ein Defizit aufweist. Sicherheit und Hilfe, so gut es geht, das sei die Priorität des Stadtrats gewesen, sagt Capp. Melbourne City hatte frühzeitig Fördermittel ausgeschrieben, um die sich Businesses, die ihren Sitz in der Stadt hatten, bewerben konnten. Obwohl die Frist Ende April ablief, läuft das Auswahlverfahren noch immer, da niemand mit der Flut der Bewerbungen gerechnet hatte. Desgleichen sind Gelder für Kunst und Künstler zur Verfügung gestellt worden, sowie zahlreiche weitere Millionen von Dollars, die als Investitionen in Projekte fließen werden, die Arbeitsplätze neu schaffen und erhalten sollen.

Fokus sei ebenfalls auf die Unterstützung der internationalen Studenten, die in der Stadt wohnen, gerichtet worden, sowie auf Obdachlose und diejenigen, die von der COVID-19 Krise finanziell so stark betroffen wurden, dass sie auf Food Parcels, die in der Stadt kostenlos verteilt werden, angewiesen sind.

Im Vergleich zu anderen Städten besserer Stand für Melbourne

Doch trotz schlechter Nachrichten, gab es für Capp Lichtblicke: „We are so far ahead of the game,“ ließ sie verlauten, und bezog sich auf einen Vergleich zu anderen Städten weltweit, mit deren Stadtoberhäuptern sie sich regelmäßig, zumeist wöchentlich, während Videokonferenzen austausche. Für Capp hat mit den Lockerungen der COVID-19 Restriktionen, besonders denjenigen, die vor wenigen Tagen am 1. Juni eintraten, eine neue Phase eingesetzt: vom „Survival“ – dem Überleben – hin zum „Revival“ – dem Wiederbeleben.

„How do we bring more people into the city?“ Das ist die Frage, auf die sie und ihr Team sich jetzt konzentrieren. Ein elementares Thema, das damit verbunden ist: Public Transport, der öffentliche Verkehr in Melbourne. Wie gelingt es, die Massen von Menschen, die in der Stadt arbeiten, sicher und unter Einhaltung der Social Distance Regeln, in die Stadt zu bringen?

Großes Problem: der Public Transport in Melbourne in COVID-19 Vorkehrungen

„Sometimes it is good not being the first movers and seeing where the crunch points in other cities are,“ gab Capp offen zu, wenn es um den „orderly return of worker“ en masse gehe und gab sich allerdings optimistisch. Wir hätten es geschafft, in Supermärkten für den erforderlichen Abstand zu sorgen und ihn einzuhalten. Daher würde sich sicherlich eine Möglichkeit für das Fahren in Bussen und Straßenbahnen finden. Wichtig wäre, wie überall: „We are in this together“, was heißt, dass beispielsweise auch Arbeitgeber ihre Rolle spielen müßten.

Eine Option, so Capp, wäre beispielsweise ein „staggered intake.“ In dieser Variante, wäre es möglich, nur einen gewissen Prozentsatz an Angestellten in der City arbeiten zu lassen oder aber an verschiedenen Tagen mit unterschiedlichen Arbeitsbeginn. Die Entzerrung des Verkehrs in den Stoßzeiten, sei schon lange auf der Tagesordnung gewesen, so Lord Mayor Capp. Die Verkehrsmittel besser zu nutzen, daran zu arbeiten, dafür sei jetzt die beste Gelegenheit. Die Stadt tue das Ihrige mit dem Ausbau von Fahrradwegen, sodass Pendler, die näher am City Centre leben, ermutigt werden, mit dem Rad zu kommen, anstelle den Bus oder die Straßenbahn zu benutzen.

Leerstehende Immobilien in Melbourne werden vermutlich mehr

Noch einen weiteren Schmerzpunkt in der Stadt sprach Capp an: Vacancy rates, also die Anzahl von leerstehenden Geschäften und Büros könne vermutlich steigen. Der COVID-19 bedingte Lockdown habe gezeigt, dass allein 85% aller Angestellten der Stadt Melbourne dank moderner Technologie von Zuhause aus arbeiten könnten. Gepaart mit Geschäften und Unternehmen, die schließen oder Kosten reduzieren müssen oder wollen, könnten weniger Gebäude vermietet werden. Das erfordere eventuell ein Umdenken. „Maybe there is more space for co-working spaces or social enterprises, arts and creatives or start ups,“ gab Capps Impulse.

In puncto mehr Besucher und Touristen in die Stadt zurück zu bringen, setzt Capp momentan vor allem auf Reisende aus Neuseeland, Australier, hier vor allem aus New South Wales, internationale Studenten und Locals. „There are 200,000 people living in the city. They can support local businesses too.“ Auf das sich Flinders Street Station, die City und vor allem die Businesses, Restaurants und Cafés wieder mit Besuchern füllen – mit Einhaltung des Social Distance und der COVID-Safe App, denn „We are in it together“

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