Robert Gruhn schreibt über: Wie schaffe ich es, als Einwanderer eine Karriere in Australien aufzubauen? DiM-Karrieretipps

Robert Gruhn schreibt für Deutsche in Melbourne über seine Erfahrungen als Einwanderer in Australien

Australien ist ein Traumland für viele – Deutsche, Österreicher und Schweizer inbegriffen und der Moment, in dem man tatsächlich das heiß ersehnte Visum erhält, ist oft unbeschreiblich – egal, ob es ein Studentvisum, ein temporäres, ein Partnervisum oder eines mit unbegrenzter Aufenthaltsgenehmigung ist.

Aber was kommt dann? Gelandet in Australien beginnt schon bald das Alltagsleben und das zu leben, kann für Einwanderer schwerer als gedacht sein. Besonders, wenn es um  Arbeitssuche geht, bei der es oft gilt, erst zahlreiche Hürden zu nehmen, kostenspielige Umwege einzuschlagen, mehr Zeit zu investieren und geschickt Netzwerke zu knüpfen bevor man den ersten Job landet.

Robert Gruhn schreibt für Deutsche in Melbourne über seine Erfahrungen als erfolgreicher Einwanderer in Australien. Sie begannen für den gebürtigen Leipziger als er mit bestandenem deutschen Studienabschluß samt Auslandssemster in der Tasche sowie exakt einem Koffer und einem Rucksack  in Sydney eintraf. Letztlich – nach viel Eigeninitiative, Geduld und der Bereitschaft, zahlreiche Eingeständnisse zu machen und flexibel zu sein, schaffte der mittlerweile 42-Jährige es, im Laufe der Jahre seine Traumkarriere aufzubauen.  Ein offen und ehrlicher Bericht in zwei Teilen mit handfesten Tipps, die jeder wissen sollte, der sich mit dem Gedanken nach Australien auszuwandern trägt oder sich um die Karriere in Australien sorgt. Hier Teil 1.

“Das machst Du niemals!”

„Kein Weg!“ „Das machst du niemals!“ So die Reaktion einer Freundin, der ich erzählte, dass ich vorhatte, ein Jahr im Ausland zu studieren. Nicht gerade sehr ermutigend, aber sicherlich verständlich. In meinem Freundeskreis war ich nicht unbedingt als risikofreudig bekannt –eher das Gegenteil!

Das änderte sich allerdings spätestens nach meinem Auslandssemester in den Niederlanden.  Während des Studiums an der Erasmus Universität in Rotterdam hatte ich Andrea, meine jetztige Frau, kennengelernt und mich entschlossen, mit ihr in Sydney zu leben. Und das nicht nur für ein Jahr oder zwei, sondern ich hatte mich entschieden, nach Australien auszuwandern.

Robert Gruhn ist in Leipzig geboren und wanderte in seinen 20ern nach Sydney aus

 War ich bereit für ein Leben in Australien? Gute Frage! Ich denke, nach Australien zu kommen, um hier zu studieren oder längere Zeit zu leben ist erst einmal richtig aufregend. Gleichzeitig kann man sich davon jedoch – je nach kulturellem Hintergrund – schon ein wenig verunsichert fühlen. Besonders, wenn es das aller erste Mal ist, dass man im Ausland lebt und keine einzige Seele in der Stadt kennt, welche man jetzt plötzlich Zuhause nennt. Das Ganze hoch zehn, wenn man sich entschieden hat, komplett auszuwandern – ohne jegliche Pläne aus welchen Gründen auch immer, einen Rückflug zu buchen.

“Alle sozialen Netzwerke weggebrochen”

In den Niederlanden lernte Robert Gruhn seine australische Frau Andrea kennen

Wie dem auch sei, was ich recht bald feststellte, war, dass der Reiz des Neuen und die Aufregung in Australien zu leben – dem Land, das eines der Traum-Reiseziele vieler Deutscher ist – recht schnell nachlässt, wenn man dann tatsächlich hier wohnt und die tägliche Routine einsetzt. Nicht, dass ich mich beklage, dass ich meine alte Heimat verlassen habe oder nicht gerne in Australien lebe. Für mich war es eine freie Entscheidung

Allerdings ist – und darüber sollte sich jeder im Klaren sein, der sich mit dem Gedanken ans Auswandern trägt – selten ist Auswandern eine einfache Entscheidung oder leichte Angelegenheit. Immerhin lässt du vieles, was deine bisherige Identität ausmacht, zurück: dein altes Zuhause, dein soziales Netzwerk wie deine Familie und Freunde, deine Geschichte und Kultur.

Leicht zu beschreiben ist es nicht, aber ich denke, was ich vor allem fühlte, war ein einschneidender sozialer und kultureller Verlust. All meine sozialen Strukturen, mein Netzwerk, auf das ich mich stets verlassen konnte, waren plötzlich weggebrochen. Freunde und Familie, die mich immer unterstützt hatten und konnten, waren plötzlich nicht mehr da.

Entschlossen zur Karriere in Australien

Ich hatte Glück, dass ich zumindest meine Freundin hatte. Andrea half mir, meinen Weg durch Sydney zu bahnen – dieser wundervollen fremdartigen, quirligen und einzigartigen Stadt. Mir, jemandem der in einer kleinen Stadt in Ostdeutschland aufgewachsen ist, haben die ersten Jahre in dieser Großstadt die Augen für ein ganz anderes Leben geöffnet. For another way of life – kosmopolitisch und international!

Zu dieser Zeit war ich in meinen Zwanzigern. Zwar ein wenig besorgt um meine berufliche Zukunft, aber voller Tatendrang und fest entschlossen, mein neues Leben und Karriere in Down Under aufzubauen

Von Leipzig an die Strände Sydneys - Robert Gruhn

Und so stand ich dann also eines Tages im Februar 2004 vor Sydneys Wahrzeichen, dem berühmten Opera House, mit jeweils einem Koffer und Rucksack als mein gesamtes Hab und Gut und staunte Sydneys Hafen und extravaganten und schicken Bars und Clubs an.

Zweifel: “Schaffe ich das wirklich?”

Robert Gruhn entschied sich für ein Aufbau-Studium in Australien, um bessere Jobchancen zu haben

Hatte ich Zweifel an meinem Vorhaben? Natürlich! Und lange dauerte es nicht, bevor ich mich fragte: Schaff ich das wirklich? Kann ich mich hier tatsächlich hier einleben und vor allem eine Karriere in Australien aufbauen?

Was mir dabei sehr schnell klar wurde, war Folgendes: Wenn du keinen australischen Universitätsabschluß hast, dann mach einen. Ich weiß, das kann ein sehr kostspieliges Unterfangen werden, besonders für internationale Studenten, die für ein Studium meist wesentlich mehr zahlen müssen als australische.

Dennoch: australische Arbeitgeber werden dir dies niemals sagen, aber meine Vermutung ist, dass ihnen Universitätsabschlüsse aus dem Ausland ein wenig „verdächtig“ vorkommen. Besonders, wenn man sie von einer „Non-Anglo“ Hochschule oder einer Universität erhalten hat, von der vielleicht noch niemand in Australien gehört hat.

Studienzeit nutzen für Nebenjobs

Arbeitgeber wissen oft nicht, ob die Lehranstalten, an denen du studiert hast, einen guten Ruf haben. Aller Voraussicht nach, sind sie auch viel zu beschäftigt, die „Qualität“ deines Abschlusses zu überprüfen. Selbstverständlich gibt es Ausnahmen, die die Regel bestätigen. Aber generell gilt, dass australischen Universitätsabschlüssen einfach mehr vertraut wird  und sich für australische Arbeitgeber leichter einschätzen lassen.

Außerdem bietet ein „course-based“ beziehungsweise ein Aufbau-Studium an einer australischen Hochschule oder Universität einen weiteren Vorteil, der nicht zu unterschätzen ist. Du hast die Gelegenheit, Australier und andere internationale Studenten zu treffen und kennenzulernen, die mit dir sozusagen im gleichen Boot sitzen.

Ich habe zudem mein Jahr an der australischen Uni nicht nur genutzt, um einen Master´s Degree innerhalb eines Jahres zu absolvieren, sondern auch, um einen Fuß in den australischen Jobmarkt zu setzen.

Australische Arbeitskultur kennenlernen

Robert Gruhn folgte seiner Frau Andrea nach Australien

Das ist deine Chance, die „Australian workplace culture“ – die australische Arbeitskultur – kennen zu lernen und ein Gefühl dafür zu bekommen. Eines der wichtigsten Dinge, die ich dabei gelernt habe, war: zuhören, beobachten und sich anpassen an einen manchmal „casual way“ – also vermeintlich informelle und laessige Art und Weise – zu reden und Dinge zu erledigen.

Aber wie bekommt man den ersten Job? Einstellen sollte man sich darauf, dass es schwerer und anspruchsvoller als gedacht sein kann, seinen ersten „richtigen“ Job in dem Bereich zu bekommen, der einen interessiert. Besonders, wenn man seine Berufserfahrung im Ausland gewonnen hat. Ich denke, dass es dafür wichtig ist, erst einmal überhaupt einen Job zu bekommen und erste Erfahrung zu sammeln.

Allerdings sollte man das, was man wirklich machen möchte, niemals aus den Augen verlieren. Kompromisse machen? Ja! Aber keine Kompromisse in puncto deiner Langzeit-Träume und Werte. Geduld zu haben hilft. Für mich dauerte es beispielweise einige Jahre bis ich die Stelle in dem Bereich gefunden hatte, in dem ich arbeiten wollte: Sozialforschung und politische Oeffentlichkeitsarbeit und Interessenvertetung.

Mehr Praktika als ratsam, aber wirksam

 

Ehrlich gesagt, ich war vermutlich länger ehrenamtlich tätig und habe mehr Praktika absolviert in meinem Leben als es vielleicht ratsam ist, in meinem Lebenslauf aufzulisten. Und zumeist ohne Bezahlung. Allerdings ist dies eine gute Gelegenheit, wenn man noch immer an der Uni ist, um herauszufinden, wie es sich in seiner Traumorganisation arbeiten lässt.

Weil es mir an Arbeitserfahrung mangelte, um eine Vollzeit-Anstellung zu bekommen, arbeitete ich ehrenamtlich oder als Praktikant bei den Organisationen, mit denen ich unbedingt arbeiten wollte: Amnesty International, Oxfam Australia, die UN Refugee Agency oder kleinere deutsche Hilfs- und Entwicklungsorganisationen.

Aufgewachsen im ehemaligen Westdeutschland verschlug es Robert Gruhn nach Melbourne in Australien

Ziel nicht aus Augen verlieren

Geniesst das Leben in Australien mit seiner Familie - Robert Gruhn

Wenn ich zurückschaue, dann ist mein Tipp: Wenn du keine bezahlte Anstellung in der angesehenen Organisation bekommst, von der du begeistert bist, dann zieh in Erwägung in einer kleineren, weniger bekannten zu arbeiten. Dort hast du dann die Möglichkeit, dich zu beweisen und dir einen Namen zu machen sowie wertvolle Arbeitserfahrung zu gewinnen.

Besser ist es, nicht zu lange an Türen zu klopfen, die sich nicht öffnen lassen – noch nicht. Manchmal muss man einfach, die Zähne zusammenbeißen und durch. Mein erster richtiger Job in Australien war im Bereich “social policy” für eine multikulturelle Behindertenorganisation in Sydney‘s Westen ausserhalb der Stadt. Es war eine fantastische Gelegenheit aus erster Hand zu sehen, welchen Herausforderungen sich benachteiligte Immigranten stellen müssen und wie ihre Bedürfnisse besser adressiert werden können.

Allerdings wohnte ich in Ost-Sydney und mein Job war im Westen der Stadt, in der Nähe von Paramatta. Da ich weiterhin nahe den oestlichen Stadtstränden leben wollte – ein echeter Traum fuer einen Deutschens, oder? – nahm ich also jeden Morgen einen Bus, dann zwei Züge zur Arbeit und dann zwei Züge und einen Bus wieder zurück nach Hause.

Drei Stunden in überfüllten Öffentlichen Verkehrsmitteln jedem Wochentag. Während der zwei Jahre, in denen ich für die Organisation arbeitete, kam es mir vor, als ob ich in Bussen, Zuegen und an Bahnsteigen lebte. Allerdings glaube ich, dass so etwas dazu gehört, wenn man versucht, Erfolg zu haben, als jemand, der in einem neuen Land beginnt und eine Tätigkeit finden möchte in einem Gebiet, für das er oder sie eine wahre Leidenschaft hat. Das war fuer mich der soziale aund gemeinnützige Bereich.”

Welchen Weg  Robert weiterverfolgt hat, seine Traumkarriere und seinen Traumjob zu erreichen, zeigt er im zweiten Teil seines Erfahrungsberichts, den Robert Gruhn in den nächsten Tagen auf Deutsche in Melbourne veröffentlichen wird. 

Copyright Deutsche in Melbourne and Robert Gruhn 2020 Images: Courtesy of Robert Gruhn

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