Dilemma in Melbourne: Oops! Gejammert über den Regen und Kälte

Oops! Jammern in Melbourne ueber schlechtes Wetter ist schwierigAuch schon mal passiert? Es regnet, man jammert und schlägt sich gleich die Hand vor den Mund! Wie kann man in Australien über Regen jammern, wenn Waldbrände und Dürre verheeren? Ein Dilemma!

 

Das Leben ist gut - Jammern tut man trotzdem

Achtung: Was folgt, fällt unter die Rubrik “Jammern auf hohem Niveau”. Keine Sorge! Ich bin mir dessen bewußt. Mein Alltagsleben Katze Oreo in Melbourne greift Besitz von der Deckehier in Melbourne ist ein Traum verglichen mit allem, was sonst gerade in der Welt vorgeht.

Vom Jammern abhalten tut mich das allerdings nicht. Ganz im Gegenteil. Beispiel gefällig? Es ist 7:13 Uhr morgens und ich liege in dicker Strickjacke und warmen Socken an den Füßen auf einem Drittel meines Sofas unter einem Zehntel meiner warmen Wolldecke. Auf den restlichen Dritteln und Zehnteln trohnt mein Kater Oreo, eindeutig der Sieger in unserem Kampf um meinen Besitz, von dem er nicht einen winzigen Zentimeter an mich abtritt.

Trübsinniges Grau-in-Grau statt sonniges Blau

Jammerend beklage mich bei Ava, unserer Labradorhündin, über Oreos Starrsinn während ich versuche, meinen Laptop auf den Regen und schlechtes Wetter in MelbourneKnien zu jonglieren und mir meinen heißen “Sticky Cinnamon” Tee vom Couchtisch zu angeln. Und da bin ich gleich bei der eigentlichen Jammermisere angelangt.

Zimt-Tee! Ich schlürfe wärmenden Wintertee, friere, trage Winterkleidung und kann mich gerade noch zurückhalten, die Heizung aufzudrehen. Das alles, in Melbournes Sommer. Es sind 16 anstelle von 36 Grad, was mich ebenso miserabel fühlen läßt, wie die dicken Regentropfen, die an die Scheiben klatschten, der kalte Wind, der Ava und mir heute morgen auf unserem Spaziergang um die Ohren wehte, die Gischt, die uns ins Gesicht spritzte am Strand, und das trübsinnige Grau-in-Grau des Himmels, in das ich gerade sonnenhungrig und verzweifelt starre.

Verkehr in Melbourne bei Regen schon Jammergrund genug

Schulkids heute früh in dünnen Sommerkleidchen mit kurzen Röcken oder kurzärmligen Hemden und Shorts bibbern, weil die Regen und Kaelte in MelbourneSommer-Schuluniform keine Strumpfhosen oder Jacken erlaubt. Autos fahren spritzend durch riesige Pfützen, wobei das Thema “Verkehr und Fahrverhalten auf Melbournes nassen Straßen” schon allein ein Jammergrund an sich ist.

“Was für ein Mistwetter im Sommer,” jammere ich Ava vor und schlage mir die Hand vor den Mund sobald der Satz draußen ist. Mist – denke ich schuldbewußt. Habe ich nicht gerade heute morgen wieder von den verheerenden Auswirkungen der Waldbrände hier in Australien gelesen, die Jahre andauern werden? Habe ich tatsächlich schon vergessen, dass Freunden ihr Haus niedergebrannt ist und die Region, in der sie leben, Regen braucht?

Triumphiert der Egoismus?

Duerre in AustralienSchau ich mir wirklich den Regen an und denke einzig daran, wieviel mehr Energie ich egoistischerweise hätte, wenn jetzt die Sonne scheinen würde? Muss ich wirklich jetzt darüber jammern, dass ich meine Wintersachen nicht für Wochen oder Monate in die hinterste Ecke meines Schranks verbannen kann, sondern hier in Melbourne nahezu jede zweite Woche zur Hand haben muss? Habe ich tatsächlich nicht sofort vor Augen, was der Regen für verzweifelte australische Farmer in Jahren von Dürre bedeutet?

Fakt ist: Nein, habe ich nicht. Und meine Nachbarin auch nicht, mit der ich heute morgen auf dem Weg zum Auto übereinstimmend über das Wetter gejammert habe. Auch mein Bäcker nicht, bei dem ich heute morgen meine Brötchen geholt habe, und der komplett durchnässt und dementsprechend jammernd um 3:30 Uhr bei der Arbeit aufgetaucht ist.

Sonne als Quelle positiver Energie

Interessanterweise gibt es zahlreiche Untersuchungen, wie wichtig und positiv Sonne sich auf unser Leben und unsere Stimmung Brennend heisse Sonne kann vernichtend, aber auch eine Energiequelle seinauswirken kann. Anscheinend steigt sogar der Börsenkurs, an Tagen, die sonnig beginnen, und wenn ich es nicht anders wüsste, wäre für mich jeder Sommertag, an dem nicht die Sonne scheint, Temperaturen über 20 Grad herrschen oder es kalt und regnerisch ist, ein verlorener Tag.

Sommer ist meine Lieblingsjahreszeit, mein Energietanken und ich werde nahezu panisch, wenn ich denke, dass der Sommer droht, frühzeitig zu Ende zu gehen und ich meiner Energiequelle beraubt bin – was ich übrigens grundsätzlich denke, wenn sich ein Regentag in den Sommer schiebt. 

Auf jeden Regen folgt auch Sonnenschein - Diversity ist notwendig

Wie gesagt, das alles, wenn ich es nicht anders wüsste – dank meiner Oma übrigens. Der habe ich nämlich meine „Sommer-Panik“, 20 Jammern 2die ich seit ich klein bin in meinem emotionalen Gepäck habe, anvertraut. Klug, wie sie war, hat sie sich auf das kleine Fußbänkchen neben mich gesetzt und gesagt: „Auf jeden Regen folgt auch Sonnenschein.“ Vermutlich das erste deutsche Sprichwort, dass ich gelernt habe.

Nachgeschoben hat sie dann: „Gut, dass wir nicht das Wetter machen können. Sonst finge morgen Krieg darüber an, weil wir uns nicht einigen könnten, und einige Leute nur eine Art von Wetter wollten. Damit alles wächst, brauchen wir aber alles. Das gilt für die Natur und im Leben überhaupt.“ In heutigen Worten: „Das Leben ist ein Fluß“ und „Menschen brauchen "diversity“. Immerhin sind meine Nachbarin, mein Bäcker und ich uns darüber im Klaren, dass der Regen und die gefallenen Temperaturen etwas Gutes haben. Also müssen wir uns alle vielleicht gar nicht so schuldbewusst fühlen, dass wir die Sonne vermissen.

Es sind unsere "Life Choices", die unser Leben ausmachen

Übrigens, die zweite Lebensweisheit, die ich gelernt habe, war auch von meiner Oma: “Wir sind nicht aus Zucker. Regenjacke an Deutsche in Melbourne Redaktionshund Avaund raus! Spielen!” Das werde ich jetzt auch zu Ava sagen, mir meine Jacke anziehen, ihre Leine schnappen und dann geht´s los auf einen Run.

Serotin, das Glückshormon, das uns der Sonnenschein vergönnt, verschaffe ich mir einfach beim Laufen im Freien. Soll Oreo doch seine Drittel und Zehntel der Decke und des Sofas behalten. Letztlich sind es die “Life choices”, die unser Leben ausmachen. Ich wähle heute, die Regenmisere keine Regenmisere sein zu lassen. Davon muss ich jetzt nur noch meinen regenscheuen Hund überzeugen …

Claudia Löber-Raab,