Melbourne Marathon Festival: die Deutsche Charlotte Deffur ist dabei

Deutsche in Melbourne Charlotte DeffurDas Melbourne Marathon Festival ist das größte in Australien mit rund 35.000 Teilnehmern. Eine von ihnen ist die deutsche Master-Studentin Charlotte Deffur. Wir haben mit der Nachwuchswissenschaftlerin gesprochen, die übrigens mit 15 Jahren überraschenderweise ihren australischen Paß erhielt.

Laufen in Australien in deutschen Schuhen

Wenn sich am Sonntag Morgen der ein oder andere noch ein Mal gemütlich im Bett umdreht, wird Charlotte Deffur bereits ihr Running Outfit tragen. Sorgsam wird sie sich ihre schwarzen Adidas Laufschuhe schnüren, die ihr Bruder ihr geschenkt hat,Die Deutsche in Australien, Charlotte Deffur, hat ihre Liebe zum Laufen in Australien entdeckt der im gleichen Model den New York Marathon gelaufen hat. Von Melbournes Stadtteil Hawthorn, wo die junge Deutsche derzeit lebt und studiert, wird sie sich aufmachen, um sich in das Heer von rund 35,000 Läufern und Läuferinnen einzureihen, die in Australiens Hochburg des Sports am alljährlichen Melbourne Marathon Festival teilnehmen.

Kultstatus hat das Melbourne Marathon Festival, das zum 42. Mal stattfindet und an dem auch viele Deutsche teilnehmenSeit 42 Jahren findet dieser statt. Er hat mittlerweile ganze Generationen dazu beflügelt teilzunehmen und wahren Kultstatus erreicht. Eine idyllischere Laufstrecke in Melbourne gibt es kaum.

Die Strecke führt die Läufer und Läuferinnen, darunter viele internationale Teilnehmer, unter anderem vorbei an St Kildas berühmten Strand, Flinder Street Station und dem Albert Park, denn für den Melbourne Marathon werden Straßen gesperrt. Deshalb ist es eine einzigartige Möglichkeit an Sehenswürdigkeiten, Top Hot Spots oder über Brücken zu laufen, die sonst dem Autoverkehr gehören.

Für "Spartans" ist 42. Run, für Charlottes der erster in Melbourne

 
Die sogenannten “Spartans”, die bisher keinen einzigen Melbourne Run ausgelassen haben, werden an besonderen T-Shirts zuRund 35.000 Läufer und Läuferinnen werden in Melbourne erwartet erkennen sein. Für Charlotte, die vor wenigen Monaten an der Swinburne-University als Austausch-Studentin ein Auslandssemester begonnen hat, wird es der erster offizielle Run in Melbourne sein.

Was nicht heißt, dass sie erst vor kurzem mit dem Lauftraining begonnen hat. Ganz im Gegenteil: “Ich habe schon in der Grundschule mit Fußball angefangen. Da läuft man ja auch viel,” erzählt die 25-Jährige lachend. “In der 10. Klasse war ich dann Austauschschülerin in Sydney, habe keinen Fußball mehr gespielt und mit dem Laufen angefangen.”

Charlotte: "Laufen ist eher Meditation als Sport für mich"

Die deutsche Charlotte Deffur studiert Bioprozesstechnik im MasterstudiengangEine Gewohnheit, die Charlotte, die derzeit ihren Master in Bioprozesstechnik macht, beibehalten hat. Laufen ist zum festen Bestandteil ihres Lebens geworden und bedeuetet mittlerweile für sie viel mehr als reines Konditions- und Muskeltraining: “Das Laufen ist eher Meditation als Sport für mich. Ich laufe, um Stress abzubauen, Arbeitsbalance zu finden und kreativ zu werden.“

Charlotte erzählt von ihrer Alma Mater in Deutschland, dem Wissenschaftszentrum Weihenstephan fürIst sehr naturverbunden: Charlotte Deffur, deutsche Austauschstudentin in Melbourne Ernährung, Landnutzung und Umwelt der Technischen Universität München im idyllischen Freising-Weihenstephan und kommt ins Schwärmen. „Es ist sehr grün am Fluß und im Wald. Ich habe gemerkt, wie naturverbunden ich bin und wieviel Energie mir das Laufen dort für den Alltag gibt. Ich denke manchmal, dass mir die halbe Stunde, die ich laufen gehe, für die Arbeit fehlt. Aber wenn ich zurückkomme, merke ich, dass ich drei Gänge zurückgeschaltet habe, viel ruhiger bin und besser arbeiten kann.“

Australien - ein Land mit Bedeutung für die deutsche Familie

Die Laufbeine habe sie von ihrem Vater geerbt, lacht Charlotte und obwohl sie ihn erst mit 14 kennen gelernt hat, scheint sie das Schicksal schon vorher auf seine Spuren geschickt zu haben. Ihre Mutter, übrigens ebenfalls Naturwissenschaftlerin, habe ihr vielCharlottes Vater ist in Australien geboren, daher hat sie beide Staatsangehörigkeiten ermöglicht, sagt sie. Unter anderem einen Roadtrip durch Californien in den USA in der 10. Klasse. Auf dieser Reise ist die Idee entstanden für einen Schüleraustausch. Eigentlich war die USA dafür geplant, doch letztlich landete Charlotte in Sydney, Australien – dem Land, in dem ihr Vater geboren ist.

Und das ist eigentlich eine Geschichte für sich: Nachdem Charlottes Großvater für seine deutsche Firma in Ägypten mit an dem Projekt das Abu Simbel umzusetzen gearbeitet hatte, ließ ihn und seine Familie ein neuer Auftrag nach Australien ziehen. Hier wurde Charlottes Vater geboren, der somit automatisch die australische Staatsangehörigkeit erhielt.

Plötzlich Deutsche mit australischem Paß in der Tasche

Die hat Charlotte mittlerweile ebenfalls, nachdem sie ihren Vater kennengelernt und von dessen australischem Paß erfahren hatte.Die deutsche Charlotte genießt den Strand in St Kilda und hat ihre Liebe zum Skateboardfahren entdeckt „Das war schon ein guter Tag,“ erinnert sich die gebürtige Nordrhein-Westfalin an den Moment, an dem sie ihren Paß von der australischen Botschaft in Deutschland abgeholt hat. „In der Botschaft standen Surfbretter und Kängaruhs. Das war toll,“ erzählt sie strahlend.

Die Liebe zum Sport, die in vielen Australiern stark ausgeprägt ist, verbindet sie auf jeden Fall mit ihren Landsleuten Down Under. Skifahren in Mount Bulla, in der Nähe Melbournes, hat sie begeistert und seit kurzem ist sie stolze Besitzerin eines Skateboards, mit dem man sie in St Kilda an der Esplanade sehen kann.

Uni in Australien "verschulter" als in Deutschland

Glücklich über ihr Auslandssemester an der Swinburne University in Melbourne: die deutsche Masterstudentin Charlotte Deffur aus München"Ich habe davon ein bisschen Muskelkater. Vielleicht höre ich lieber damit auf vor dem Run,“ lacht Charlotte, der Melbourne zwar ans Herz gewachsen ist, die aber treuherzig gesteht: „Team Melbourne bin ich nicht“, wenn sie auf einen Vergleich zwischen ihrer derzeitigen Wahlheimat und Sydney angesprochen wird.

Apropos Vergleich – wie sieht es mit dem Studieren in Australien und Studieren in Deutschland aus? „Hier ist alles ein bisschen verschulter mit wöchentlichen Assignments, während man in Deutschland die großen Klausuren, die 100 Prozent zählen, am Ende des Semesters hat,“ weiß Charlotte zu berichten. Zeitmanagement ist also etwas, was man in Deutschland früher lernen kann beziehungsweise muß, was einem aber auch etwas mehr Freiheit einräume.

Ungewohnt: Stille ab 23 Uhr im australischen Studentenwohnheim

Weitere Unterschiede hat die 25-Jährige auch im Studentenleben im Wohnheim festgestellt. „Gegen 11 Uhr nachts muß man leise sein und darf zum Beispiel kein Tischtennis mehr spielen,“ sagt sie und muß lachen, wenn sie an das Leben in Studentenwohnheimen inLiebt den Schnee in Mount Bulla in der Nähe von Melbourne: Charlotte Deffur Deutschland denkt, in denen durchaus die Stille etwas später einsetzen kann.

Empfehlen würde sie eine Auslandssemester auf jeden Fall. „Das Leben geht so schnell vorbei. Es ist wichtig, einen Break zu haben und eine gute persönliche Erfahrung. Es ist eine Herausfoderung. Man kennt niemanden und muss sich allein zurecht finden.“ Alles Erfahrungen, die Charlotte, die ohnehin gern und viel reist, bereichernd findet. Ebenso wie ihre Teilnahme am Melbourne Run, der damit endet, eine Runde im mit rund 40.000 Menschen besetzten, berühmten MCG, dem Melbourne Cricket Ground, zu laufen. Sicherlich ein unvergessliches Erlebnis.

Melbourne Marathon Festival: fünf verschiedene Optionen

Von München nach Melbourne, wo Charlotte die Kaffeekultur genießtAn dem Melbourne Marathon Festival teilzunehmen, dafür hat sie sich übrigens eher spontan entschlossen. "Ich habe erst vergangene Woche davon gehört. Leider waren die längeren Läufe schon ausgebucht, sodass ich nur zehn Kilometer laufe,“ sagt sie. „Aber ich bin auf der Warteliste.“

Der Run besteht aus fünf Läufen:  Melbourne Marathon, 42.195km, der einer der flachsten Rennstrecken der Welt bietet, der SriLankan Airlines 21.1km Half Marathon, der ASICS 10km Run, der  Westin 5km Run und der 3km Walk. Festival Director, Marcus Gale: “The Melbourne Marathon Festival is an event that consistently unites our city, and in 2018 the event set a new record for the 41 year-long festival history, with 34,734 participants across the five distances – the highest figure yet; including a sell-out event for the SriLankan Airlines Half Marathon and the ASICS 10km Run.”

Laufen für einen guten Zweck: Fundraising für Cerebral Palsy Education Centre

Der Melbourne Marathon ist ein Fundraiser für den Wohltätigkeitsverein „Cerebral Palsy Education Centre“ sowie die JMBAm Strand in Melbourne, das Australian Red Cross, die Heart Foundation und die Cathy Freeman Stiftung. 2018 sammelten die Teilnehmer insgesamt über $1.300.000. Ziel ist es, in diesem Jahr die Summe zu toppen. Deutsche in Melbouren wünscht Charlotte viel Spaß!

Text: Claudia Löber-Raab  Fotos: Claudia Löber-Raab, Courtesy of Charlotte Deffur, Melbourne Marathon Fotos Courtesy of Melbourne Marathon Festival