Auf Jobsuche in Australien: Besser gewappnet mit Insiderwissen von Karrierecoach

Voller Erfolg: Deutsche in Melbournes Jobsuche in Australien WorkshopDurchweg positives Feedback für den ausgebuchten Workshop "Von CV bis Jobinterview - Tipps für deutschsprachige Expats in Australien" von Deutsche in Melbourne mit GABWA. Karrierecoach Maike Schroeders Tipps öffneten vielen die Augen!

 

Heute Jobsicherheit, morgen Jobsuche

Das Leben nimmt sich das Recht, unberechenbar zu sein. Beispiel gefällig? Das Haus ist gekauft. Die Mortgage – also die Hypothek Die deutschen und österreichischen Teilnehmer an dem Karriere Workshop in Australien sind aufmerksam– gerade so bezahlbar. Die Kids sind happy in der Schule. Der Job macht super viel Spaß. Alle sind gesund. Das Leben ist gut. Bis es an einem beliebigen Freitag eine unerwartete Wendung nimmt. Die Firma wird umstrukturiert und die Abteilung, in der man arbeitet, aufgelöst. Von einer Sekunde auf die andere ist die eigene Stelle „retrenched“ – abgebaut – und man selbst arbeitslos. In Australien kann das von heute auf morgen sein.

Schlimm genug und ja, das kann jedem passieren. Doch weiß, wer mit vielen deutsch-sprachigen Expats in Australien spricht, dass es für diese oft genau das kleine, aber ausschlaggebende Quäntchen schwerer ist, eine neue Stelle zu finden. Egal, ob sie schon lange hier wohnen oder erst seit kurzer Zeit hier sind.

Jobsuche in Australien schwerer für deutschsprachige Expats

Maike Schroeder ist Deutsche in Melbourne und hat seit geraumer Zeit als Strategic Career Coach in Australien gearbeitetWarum? Gründe gibt es viele. Maike Schroeder steht vor einer Gruppe von 15 Teilnehmer und Teilnehmerinnen an dem von Deutsche in Melbourne in Kooperation mit GABWA organisierten Workshop „Von CV bis Jobinterview – Tipps für deutschsprachige Expats in Australien“ in Melbournes zentralem Stadtteil Southbank.

Seit knapp 20 Jahren lebt die gebürtige Bremerin in Australien und hat in Melbourne geraume Zeit in der Personalverwaltung und als Karrierecoach für globale Unternehmen gearbeitet, bevor sie sich mit der Karriereberatung „Maikereer“ selbständig machte. Gerade hat sie die Teilnehmer – von Student bis General Manager - aufgefordert, von ihren Erfahrungen bezüglich der Stellensuche auf dem australischen Jobmarkt zu erzählen. Aufmerksam hört sie zu, nickt immer wieder zustimmend mit dem Kopf und macht sich Notizen.

Jobsuche erschwert durch australische Visumsbeschränkung

Gekoppelt sind diese Erfahrungen zumeist an Lebensgeschichten, die vielen Einwandern vertraut sind: Unverhofft findet man im Urlaub den Partner fürs Leben. Einen, der am anderen Ende der Welt wohnt, in einem Land, in dem man nicht so einfach leben und Tipps zu Lebenslauf, Bewerbungsschreiben und Vorstellungsgespräch in Australien wurden gut aufgenommenarbeiten, dafür allerdings studieren darf. Das macht man dann geflissentlich, um mit dem Partner leben zu können. Sogar mit ausgezeichnetem akademischen Erfolg.

Doch bis man endlich das Partner-Visum erhält, vergeht eine lange Zeit. Zeit, in der man aufgrund strikter Visumsbestimmungen nicht in dem erlernten oder studierten Beruf arbeiten kann. Zeit, in der man nur mit unqualifizierten Gelegenheitsjobs zu den gemeinsamen Rechnungen beitragen kann. 

Fachspezifische und australische Arbeitserfahrung fehlt

Von Student bis General Manager, Teilnehmer am Wie finde ich eine Job in Australien Workshop von Deutsche in MelbourneDie Konsequenz? Kann man sich dann endlich mit dem richtigen Visum für Jobs bewerben, für die man qualifiziert ist, klaffen Lücken im Lebenslauf und im Vergleich zu anderen Bewerbern fehlt nicht nur die fachspezifische Arbeitserfahrung. Man muß auch noch erklären, warum man einzig in Gelegenheitsjobs oder gar nicht gearbeitet hat. 

Das gleiche gilt übrigens für diejenigen, die mit Berufsqualifikationen nach Australien kommen, die erst in langwierigen (und kostspieligen) Verfahren anerkannt werden müssen. Oder für Expats, die anstelle in einem bezahlten anerkannten Arbeitsverhältnis, sich um Kinder oder Familienmitglieder kümmern, die sich eingewöhnen oder Pflege brauchen, für die man als Expat nicht zurückgreifen kann auf ein Netzwerk aus Familie und engen Freunden, denn die sind über 17.000 Kilometer entfernt.

Wichtig besonders für Expats: das Transferieren von Skills

Für Maike ist das, was sie von den deutschen und österreichischen Expats in Melbourne hört, nichts Neues. Ruhig und aufmerksam hört sie sich die Geschichten an, die so vielen Einwandern vertraut sind, und die ein Grund dafür sind, dass die Suche nach einem Job in der neuen Heimat schwierig ist. Norddeutsch pragmatisch-trocken nimmt sie zunächst einmal beispielsweise dem von so Fragen gab es viele während des Deutsche in Melbourne Workshops rund um die Jobsuche in Australienvielen Arbeitnehmern gefürchteten Wort „retrenched“ den Wind aus den Segeln: „Das sind wir mittlerweile alle mindestens zwei Mal,“ sagt sie achselzuckend und lässt den ein oder anderen erleichternd durchatmen.

Frustriert, weil man in der Gastronomie gearbeitet hat, da jeder Arbeitgeber die Stelle im Management trotz höchster Qualifikationen aufgrund des temporären oder sogenannten „Bridging-Visa“ lieber anderweitig vergibt? „You have to own it,“ sagt die Deutsche mit Wahlheimat Melbourne bestimmt, was so viel heißt wie: „Steht zu dem, was ihr gemacht habt.“ Sie hinterfragt, ob was immer in Gastronomie oder in der Kindererziehung geleistet wurde, wirklich nichts mit der Stelle im Management zu tun hat. Als Career Coach, der allerdings auch im Recruiting gearbeitet hat, hat sie eine andere Perspektive. Sie sieht und zeigt, das Skills eines Jobsuchers transferiert werden können auf andere Bereiche, die vermeidlich nichts mit einander zu tun haben, um dem potentiellen Arbeitgeber zu zeigen, welche Fähigkeiten man hat. Etwas, was besonders für Expats mit durch Länderwechsel bedingten Karrierebrüchen wichtig ist.

Jobsuche in Australien hat ihre eigenen Regeln

Auch Übungen zur Power-Pose, um mehr Selbstvertrauen zu generieren gab es während des DiM WorkshopsDoch spielen Visum und die Tatsache, dass australische Arbeitgeber generell sehr riskoscheu sind, wenn es um Kandidaten geht, die zwar qualifiziert aber keinerlei Erfahrungen auf dem australischen Jobmarkt haben, sicher eine große Rolle bei der Jobsuche, kristallisiert sich nach kurzer Zeit noch ein anderes Problem heraus, das viele Teilnehmer verbindet. Es ist subtiler und kulturell bedingt.

Vieles, was man als Deutscher, Österreicher oder Schweizer als normal empfindet, wenn es um die Jobsuche in Australien geht - von Bewerbungsanschreiben, Lebenslauf bis Vorstellungsgespräch – ist hier anders. Angefangen bei dem Gefühl, dass man nicht weiß, wie man wirklich von einer ausgeschriebenen Stelle erfährt, bis hin zu der Erkenntnis, dass man augenscheinlich ab und an mal zu direkt, mal zu distanziert, mal zu genau, mal nicht relaxed genug, mal zu leise, mal zu laut - kurz einfach nicht in den richtigen „cultural fit“ hat. Und das macht sich oft in einem Bewerbungsgespräch bemerkbar.

Bis zu 90 Prozent von Jobs in Australien werden nicht ausgeschrieben

Das alles kommt während des Workshops zur Sprache und ja, die Workshop-Teilnehmer, die entweder gerade auf ArbeitssucheMaike Schroeder, deutscher Karrierecoach in Australien, präsentiert oder sich einfach nur informieren und auf einen aktuellen Stand bringen möchten, liegen richtig mit ihren Gefühlen oder Beobachtungen wie Maike Schroeder bestätigt.

Fakt ist beispielsweise, dass in Australien bis zu 90 % von Jobs niemals ausgeschrieben und eher über "referrals" - Empfehlungen - besetzt werden.  Nicht zuletzt aus diesem Grund ist es für Maike Priorität, dass jeder genau weiß, was für einen Job er oder sie möchte. „Be clear about what you really want“ ist daher das erste ihrer fünf "Must Do´s", wenn es um Stellensuche in Australien geht. 

Klarheit und Aktualität sind bei Jobsuche in Australien unerläßlich

Angefangen von Informationen, in welchem Stadtteil man bereit ist zu arbeiten, einer klaren Definition mit allen AufgabenbereichenArbeitssuche in Australien ist für Deutsche nicht immer leicht bis hin zu detaillierten Gehaltsvorstellungen (aufgepasst: mit oder ohne Superannuation, als „Package“ ja oder nein). Es gilt: je genauer man artikulieren kann, was man möchte, desto klarer kann man es kommunizieren. Beispielsweise Recruitern – Personalvermittlern – oder Freunden und Bekannten gegenüber. Das steigert Chancen, dass man den Wunschjob findet.

Klarheit und vor allem Aktualität sind auch gefragt, wenn es um den Lebenslauf – den sogenannten CV – geht, sagt Maike Schroeder eindringlich. Foto, persönliche Daten wie Geburtsdatum oder Adresse haben auf einem australischen CV - im Gegensatz zu einem deutschen - keinen Platz darauf. „Profile, key attributes and achievements“ seien was zählt, macht Maike klar.

Gute Präsenz auf LinkedIn ist bei Jobsuche unerläßlich

In ihnen muss auf der ersten Seite des Lebenslauf kurz und auf den Punkt gebracht werden, was bisher beruflich erreicht worden ist oder man als Kandidat anzubieten hat. Denn, so weiß die gebürtige Bremerin aus eigener Erfahrung, RecruiterClaudia Löber-Raab, Gründerin und Chefredakteurin von Deutsche in Melbourne hat den Workshop mitorganisiert müssen oft 500 bis 600 Lebensläufe am Tag sichten und haben dementsprechend nur rund 10 bis 15 Sekunden, um sie zu überfliegen. Der kleine Absatz mit einer Zusammenfassung von Erfahrungen, Expertise und Erfolgen auf der ersten Seite ist also umso wichtiger.

Findet der Lebenslauf Interesse, dann geht es in die nächste Runde und die heißt „LinkedIn“ - nach dem Lebenslauf Maikes dritter "Must do" Punkt. In Australien spielt LinkedIn – anders in Deutschland, Österreich und der Schweiz – eine nicht zu unterschätzende, absolut wichtige Rolle bei der Jobsuche. LinkedIn wird sowohl von Recruitern genutzt als auch von Bewerbern, für die LinkedIn eine hervorragende Möglichkeit bietet, sich zu profilieren. Und da dies nicht nur viele Workshop-Teilnehmern überrascht und zahlreiche Fragen aufwirft, bietet Deutsche in Melbourne am Dienstag, 17. Juli, von 18 bis 20 Uhr, einen speziellen LinkedIn-Workshop an.

Von australischem Cover Letter bis hin zu Key Selection Criteria

Apropos Fragen, davon gibt es für Maike Schroeder einige. Wie lang darf der Lebenslauf sein? Muss ich einen Cover Letter schreiben und wenn ja, wie lang muss er sein? Soll ich Keywords verwenden falls meine Bewerbung darauf gescannt wird undNach dem Deutsche in Melbourne Workshop gab es Zeit zum Netzwerken wenn ja, wieviele? Wie kann ich Key Selection Criteria beantworten? Wie gehe ich damit um, wenn ich meine Firma nach der Probezeit verlassen habe? Was mache ich, wenn ich nur ein temporäres Visum habe?

Alles Fragen, die Maike perfekt aus verschiedenen Perspektiven - der eines Recruiters für Arbeitgeber und Career Coach für Arbeitnehmer - beantworten kann, da sie in allen Positionen langjährige Erfahrung gesammelt hat. Beispiele hat sie parat, die sogar diejenigen im Workshop, die selbst Bewerber eingestellt haben, überraschen. Sie bestätigen, dass Maikes Ideen, ihre Arbeit und Kandidaten-Auswahl im Nachhinein vereinfacht hätte.

Tipps aus Perspektive von Recruiter für Arbeitgeber & Career Coach

Das alles spickt Maike mit hilfreichen Tipps von Bewerbung als Word Dokument schicken bis hin zum Vermeiden von einem negativ Viele Teilnehmer hatten die gleichen Erfahrungen in punkto australischer Arbeitsmarkt „Do not hesitate to call me“ zu einem besseren, positiver formulierten „Feel free to give me a call“ zu „Never tell a recruiter anything apart from professional, relevant information.“ 

Wichtige Tipps von der erfahrenen Karriereberaterin besonders für deutschsprachige Expats in Australien sind zudem, aktiv zu netzwerken - etwas, was Deutschen, Österreichern und Schweizern oft nicht ganz so leicht fällt, aber gerade bei der Jobsuche unverzichtbar ist. Also, ran ans Telefon und durchaus Firmen anrufen und nach Jobs fragen oder aber sich zum Kaffee treffen mit anderen, um nach deren Rat zu fragen, was man tun kann, um den Traumjob zu bekommen. Achtung: Nicht jedoch, um nach einem Job zu fragen! 

Ganz wichtig: Storytelling im Jobinterview

Und hat man es dann geschafft, das Jobinterview zu bekommen, dann ist eines ganz wichtig: Storytelling! Hier ist Maike Schroeder in ihrem Element. "Die meisten Bewerber sind nervös vor Jobinterviews. Ich liebe sie, denn für mich ist es Storytelling time," hatte sieDeutsche in Melbourne Workshops bieten gute Gelegenheiten, andere Expats zu treffen und Erfahrungen auszutauschen vor dem Workshop verkündet. Sie bringt einen interessanten Aspekt ins Spiel: Hat man eine gute Story zu erzählen, webt man seine Erfahrungen und Expertise in eine gute Geschichte, fühlt man sich nicht nur selbst wohl, sondern nimmt auch den Interviewern die Nervosität und sorgt für eine gute Vorstellungsgespräch-Atmosphäre.

"Hätte ich das alles vor zehn Jahren gewußt"

„Ich wüschte, das alles hätte ich vor zehn Jahren gewußt,“ meint eine Teilnehmerin nach dem Workshop. „Das war richtig hilfreich. So Snacks während des Workshopsviele Einsichten in das System, habe ich noch nirgendwo bekommen,“ sagt eine andere. „Tolle praktische Tipps. Ich hab mich zum Beispiel nie getraut, bei einer Firma anzurufen, die eine Stelle ausgeschrieben hat. Jetzt weiß ich, dass ich es kann und vor allem, was ich fragen muss. Wird morgen gleich umgesetzt.“

„Außerdem gehe jetzt mit einem ganz anderen Gefühl in ein Bewerbungsgespräch und es war toll zu sehen, dass ich nicht die einzige bin, sondern andere die gleichen Fragen haben, die gleichen Frustrationen und die gleichen Sachen anders angehen. Da spielt die Kultur schon eine Rolle, aber wenn man es weiß, dann kann man sich ja danach richten. Toll, dass Deutsche in Melbourne den Workshop angeboten hat."

Deutsche in Melbourne hilft, zu wissen, auf wass es in Australien ankommt 

„Einen neuen Job zu finden, ist oft stressig. Für Expats im Ausland um so mehr, denn man ist mit den Gepflogenheiten und Prozessen oft nicht vertraut,“ weiß Claudia Löber-Raab, Gründerin und Chefredakteurin des Online Magazins Deutsche inAusgebucht war der Jobsuche in Australien Workshop von Deutsche in Melbourne. Sie hat den Workshop mit organisiert hat und freut sich über das durchweg positive Feedback.

„Der Workshop soll helfen, sich bei der Jobsuche in Australien sicherer zu fühlen und zu wissen, auf was es ankommt,“ sagt sie, denn obwohl Australien ebenso wie Deutschland, Österreich und die Schweiz zu den westlichen Kulturen gehöre, gäbe es signifikante Unterschiede und andere – oft ungeschriebene – Regeln, die es zu beachten gilt.

Neue Workshops für Expats in Australien im Juli und August

Neuer Workshop mit claudia Löber-RaabDa sind Tipps von anderen Deutschen, Österreichern oder Schweizern, die schon länger hier leben, einfach unglaublich wertvoll. Besonders, wenn sie ein spezielles Fachwissen und viele Jahre Erfahrung wie Maike haben,“ sagt die Journalistin, die den ausgebuchten Workshop als Kick Off für eine neue monatliche Deutsche in Melbourne Workshop-Reihe für Expats in Australien geplant hat.

Als nächstes findet ein LinkedIn Workshop am Dienstag, 16. Juli, von 18 bis 20 Uhr, mit Claudia Löber-Raab statt. Am Donnerstag, 25. Juli, wird es ebenfalls von 18 bis 20 Uhr einen weiteren Workshop gegeben, dessen Thema bald bekannt gegeben wird. Am Mittwoch, 28. August, veranstaltet Deutsche in Melbourne ein Speed-Networking-Event mit Experten aus verschiedenen Bereich. Nicht nur kann man das wichtige Netzwerken üben, sondern auch mit Fachleuten connecten, von denen man den ein oder anderen Tipp fürs Leben als deutschsprachige Expats in Australien bekommen kann.

Text: Claudia Löber-Raab,  Fotos: Claudia Löber-Raab, Cora Zillich und Ingrid Nienaber-Dickens (German Australian Business Women Association GABWA), Maike Schroeder