Peter Ross zur Situation auf Manus Island: "Menschen menschlich behandeln"

Peter Ross, Deutscher in Melbourne, über die Flüchtlingssituation auf Manus IslandManus Island sowie Australien und seine Flüchtlingspolitik sind derzeit in aller Munde und Medien. Peter Ross, seit 2002 Deutscher mit Wahlheimat Melbourne sowie seit 1990 Unterstützer von Amnesty International, ist nicht zufrieden mit der Situation und macht sich Gedanken. Lesen Sie seinen Kommentar.

Werden Flüchtlinge menschlich behandelt?

Lieber Leser, liebe Leserin, 

Menschen sollten menschlich behandelt werden. Ich glaube, darin sind wir uns einig. Ich vermute auch darin, dass wir derzeit Flüchtlinge nicht menschlich behandeln. Wir haben Flüchtlinge nach Nauru und Papua-Neuguinea verschifft, halten sie dort mehr als vier Jahre gefangen, setzen sie lokaler Gewalt aus und beschützen sie nicht. Damit verstoßen wir wissentlich gegen die Genfer Menschenrechtskonvention und gegen nationales Recht. Zum Beispiel haben Gerichte in Papua-Neuguinea festgestellt, dass die Gefangenschaft von Menschen, die gegen ihren Willen nach Manus Island verschleppt wurden, gegen die Verfassung des Landes verstoßen.

Wir alle waren Zeuge, wie Stück um Stück Regierungen beider großer Parteien daran gearbeitet haben, dies zu ermöglichen. Lügen wurden aufgetischt. Gesetze erlassen, die den Kontinent Australien aus der offiziellen Einwanderungszone ausklammern. Angestellte und Journalisten wurden mit Haft bedroht, wenn sie von den Zuständen in den Gefangenenlagern berichten. Zuständigkeiten zwischen Ministerien und Ländern verschoben. Neuseeland wurde mit diplomatischen Konsequenzen gedroht, wenn das Land den Flüchtlingen hilft und mehr.

Versuche, immer wieder neue Rechtfertigungen zu finden

Auch wurde versucht, immer wieder neue Rechtfertigungen zu finden. Da wurden dann mal Behauptungen aufgestellt, die Flüchtlinge würden sich absichtlich ins Meer werfen. Die Flüchtlinge drängeln sich vor. Man muss den Menschenschmugglern das Handwerk legen und ein 17 Manus 02anderes Mal geht es darum, Tote auf der gefährlichen Überfahrt zu verhindern.

Diese Menschen sind seit mehr als vier Jahren unschuldig eingesperrt. Die Mehrzahl von ihnen sind als Flüchtlinge rechtlich anerkannt. Oft kommen sie aus Kriegszonen, in denen auch seit Jahren australische Soldaten stationiert sind. Im Laufe der Jahre haben sich immer wieder Menschen und Organisationen zu Wort gemeldet, um den Flüchtlingen zu helfen. Kirchen, medizinische Vereinigungen, hiesige Landesregierungen, die Regierung von Neuseeland und andere.

Können Flüchtlinge vor Gewalt geschützt werden?

Während ich das schreibe, werden die Flüchtlinge von einem Lager ins andere getrieben, den Flüchtlingen Smartphones abgenommen, wenn sie filmen wollen, wie sie behandelt werden und wie ihre Habe zerstört wird, der iranische Journalist Behrouz Boochani verhaftet, da er als Flüchtling für den Guardian und andere Medien berichtet hat.

Stimmt es wirklich, wenn Peter Dutton sagt, dass neue Unterkünfte bereitstehen? Sie scheinen nicht fertig und können Flüchtlinge nicht gegen Gewalt von Einheimischen schützen, die ihnen feindlich gegenüberstehen. Die letzten Jahre haben gezeigt, daß die Flüchtlinge nicht sicher sind. Sie wurden mehrfach von bewaffneten Gruppen angegriffen, der iranische Flüchtling Reza Barati starb dabei.

Die Welt sieht nicht weg, aber mehr werden gebraucht

Die Welt sieht nicht weg. Shen Narayanasamy, Direktorin für Menschenrechte bei GetUp! weilt im Lager. Tim Costello, Sprecher von World Vision Australia, ist ebenfalls auf der Insel. Während ich dies schreibe, finde ich Richard Flanagans Stimme im "The Guardian". "Australia built a hell for refugees on Manus. The shame will outlive us all", schreibt er.

Wir sind nicht allein. Aber, bisher waren wir nicht genug, um das australische Flüchtlingsdisaster zu verhindern. Sind Sie, bist Du dabei?

Ich beende die Zeilen mit der Überschrift der Hardcopy Ausgabe der "The Saturday Paper" auf Seite 1: Malcolm Turnbull (02) 6277 7700. 

Einen schönen Sonntag und einen guten Start in die neue Woche wünscht

Peter Ross

Unterstützer von Amnesty International seit 1990

Deutsche in Melbourne heißt Beiträge und Briefe von Autoren und Lesern verschiedener Meinungen willkommen. Diese Veröffentlichungen von diversen Autoren und Autorinnen spiegeln nicht unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.