Karrieretipps, Networking & neue Ideen für deutschsprachige Frauen in Melbourne

Treffen der German Australian Business Women in MelbourneHilfreiche Karrieretipps, Möglichkeit zum beruflichen Erfahrungsaustausch und wichtigem Networking gab es jetzt beim Treffen der German Australian Business Women Association (GABWA), das im Hophaus in Melbournes Stadtteil Southbank stattfand. Deutsche in Melbourne war dabei.

 

Über 500 GABWA-Mitglieder in Australien

Wie bitte? German Australian Business Women Association? Gibt's die? Auf diese etwas verwunderliche Frage gibt es nur eine klare Antwort: Oh, ja! Und ob es die gibt! Gegründet 2015 von Katrin Reichert, einer dynamischen Deutschen, die sowohl auf eine Karriere beiMarina Condic und Jana Com, zwei Deutsche beim Businesswomen meeting in Melbourne der deuschen Bundeswehr als auch im Businessmanagement in ihrer Wahlheimat Australien zurückschauen kann, hat die German Australian Business Women Association - kurz GABWA - mittlerweile über 500 Mitglieder.

Die meisten davon sind in NSW zu finden. Das Queensland Chapter ist in Beisein von Dr. Anna Prinz, Botschafterin der Bundesrepublik Deutschland in Australien, vor wenigen Wochen während der German Week in Brisbane gegründet worden, und auch in Victoria treffen sich deutschsprachige Geschäftsinhaberinnen, solche die es werden wollen oder aber Deutsch sprechende Frauen, die im für verschiedene Unternehmen mit Sitz in Australien arbeiten.

Was bewegt deutsche Businesswomen in Australien?

Die Möglichkeit, sich auszutauschen als deutsche Geschäftsfrau in Australien, wurde gut genutztSo geschehen wieder am Donnerstag Abend im Hophaus in Melbournes Stadtteil Southbank. Eingeladen hatten die beiden Koordinatorinnen des Victorian Chapters der GABWA, Ingrid Nienaber-Dickens und Cora Zillich. Was sind Themen, die Frauen in der australischen Welt des Businesses, insbesondere als Migrantinnen, interessieren? Wo sehen sie den Bedarf an Unterstützung und Austausch? Das waren unter anderem Fragen, auf die Antworten gefunden werden sollten, um ein Programm zusammen zu stellen, für zukünftige, regelmäßig stattfindende Treffen der GABWA im kommenden Jahr 2018. 

Denn genau darum geht es der Organisation: um Unterstützung, wenn es um Karriere geht, sei es beim Plannen oder aber beim nächsten Schritt die Karriereleiter hinauf. Die GABWA will ein Netzwerk schaffen für Frauen, damit sie ihre Erfahrungen austauschen, Ratschläge weitergeben und sich so gegenseitig helfen können.

Australische "Boys´ Clubs" oft Zusatz-Problem für deutsche Einwanderinnen

Dass Netzwerke in Australien besonders wichtig sind, ist sicherlich etwas, das besonders Neuankömmlingen rasch bewußt wird, wenn sie sich beispielsweise auf Arbeitssuche begeben. Cora Zillich, Communications und PR-Beraterin mit Schwerpunkt Sport, die seit Antje Leifheit, Business Finance Analyst, mit Claudia Löber-Raab, Chefredakteurin von Deutsche in Melbourneneun Jahren in Australien lebt und arbeitet, sprach von ihren Beobachtungen, dass sich viele dieser Netzwerke oft schon in Schulen bilden.

Der von ihr erwähnte Begriff "Boys´ Club" - ein übergreifender Name für eine eng zusammen haltende von Männern dominierte Organisation, Gesellschaft oder Kultur, die es Frauen nur schwer ermöglicht, Teil zu sein - stieß bei den Teilnehmerinnen des GABWA-Treffens auf große Resonanz. Viele sprachen von einer Doppelhürde, die sie überkommen mußten und noch immer müssen als Immigrantin, die in Australien ohne jegliches berufliches Netzwerk angekommen ist und sich zudem oft konfrontiert sieht mit "boys´ club" Verhalten in vielen Situationen. 

Schwierigkeiten eines deutschen Abschluß in Australien

German Australian Business Women AssociationEs kam zur Sprache, dass einige Frauen (und auch Männer), die auf jahrelange Erfahrungen in angesehenen internationalen Firmen sogar in höheren Positionen zurückblicken können, auch nach langer Zeit in Australien noch immer nicht die Stufe in ihrer Karriere erreicht haben, auf der sie waren, als sie Deutschland verließen. Die Schwierigkeit läge oft in der Anerkennung bzw. Nicht-Anerkennung von deutschen Abschlüssen und Ausbildungen in Australien. Aufgrund anderer Ausbildungs- oder Studienstrukturen sei eine Anerkennung oft kompliziert, nicht möglich, da nicht vergleichbar, oder aber einzig mit einem Zusatzstudium nötig, das sich oft nicht unterscheide von dem des bereits außerhalb Australiens absolvierten.

Jutta Portelli beispielsweise, die ebenfalls am GABWA-Treffen teilnahm, absolvierte in Deutschland ihre Ausbildung zur Krankenpflegerin. Trotz Zusatzqualifikationen war es ihr nicht möglich, nach ihrer Migration nach Australien vor knapp 20 Jahren in ihrem Beruf zu arbeiten. Statt durch einen komplizierten Anerkennungsprozeß zu gehen, entschloß sie Jutta Portelli damals zu einem Neuanfang in der Reisebranche. Sie arbeitete dort unter anderem als Business Development Managerin, bevor sie vor einiger Zeit den Sprung in die Selbstädigkeit wagte. Während des GABWA-Events neue Kontakte zu knüpfen, war für sie ebenso wichtig, wie sich mit anderen deutschsprachigen Frauen auszutauschen.

Problem: Das Netzwerk in Australien wieder neu aufbauen

Diese Interessen teilte sie mit Marina Condic. Nach 23 Jahren Karriere in der internationalen Handels- und Speditionsindustrie fand die Deutsche, es sei an der Zeit für etwas Neues. Der Immobilienhandel reizte sie und wurde schließlich zu ihrer Wahl. Persönlich glücklich mit ihrer beruflichen Neuwahl, muß sie sich jedoch jetzt ihr berufliches Netzwerk wieder aufbauen.

Marinas Situation war einer weiteren Teilnehmerin am GABWA-Event vertraut: Heidi Wernke. Sie verließ vor einigen Jahren die Corporate World, um ihrer Faszination und ihrem Interesse an Fotografie nach zu gehen. Nach ihrem Studium machte sie sich selbständig als Fotografin mit eigenem Studio in Melbourne. Das Frauentreffen gab sowohl Heidi als auch Marina Gelegenheit, nicht nur neue Kontakte zu knüpfen, sondern sich auch auszutauschen über Strategien, wie man in Australien sein Netzwerk ausbaut und welche wichtige Rolle dabei Social Media beispielsweise spielen.

Frisch aus Deutschland: Keine australische Berufserfahrung

Netzwerken ist wichtig in Australien. Frauen müssen es oft erst lernenJana Com, Operations Manager und Business Analyst, konnte beispielsweise hilfreiche Tipps zum Thema Bewerbungsgespräch aufgrund ihrer eignenen Erfahrung mit ihrer Auswahl von Kandidaten und Kandidatinnen geben. Auch sie kennt die Schwierigkeit, ohne Netzwerk in Australien einen Job zu finden. Noch gut in Erinnerung war ihr die Zeit im Lufthansa Call Center, in dem sie mit abgeschlossenem Studium von Betriebswirtschaft und Internationalem Business Management nach ihrer Ankunft in Melbourne gearbeitet hatte - übrigens mit hochqualifizierten Juristen, Ärzten und Lehrern, die wie sie alle keine australische Berufserfahrung vorweisen konnten.

Einen Grund, warum sie dennoch Karriere in ihrem Fachgebiet machen konnte, sieht Jana Com - neben ihren beruflichen Qualifikationen - in der Tatsache, dass ihr einstiger Chef ihr die Möglichkeit gegeben habe, sich gezieltes Fachwissen anzueigenen und sie ermutigte, die nächste Karrierestufe zu erklimmen. Viele Teilnehmerinnen pflichteten ihr bei, dass Förderung und Hilfe bei der Karriereplanung essentiell sind und daher GABWAs Ziele wichtig und sinnvoll.

Wer aus Deutschland kommt, braucht in Australien Geduld bei Jobsuche

Laura Soros, mittlerweile Head of Languages eines großen privaten Melbourner College, machte noch einmal deutlich wie wichtig es ist, Durchhaltevermögen zu beweisen, wenn es um die Jobsuche geht und sich ein Netzwerk aufzubauen. Bevor sie ihre erste Festanstellung erreichte, mußte die in Deutschland ausgebildete Lehrerin mehr als zwölf Monate als sogenannte Substitute-Lehrerin arbeiten. Dies bedeutete für sie nahezu jeden Tag in einer anderen Schule mit nahezu unvorstellbar langen Anfahrtszeiten zu unterrichten.

Ingrid Nienaber-Dicksen, die im Bereich Corporate Communications arbeitet, gab nach der Veranstaltung bekannt, dass das nächste Treffen der GABWA für Ende Januar beziehungsweise Anfang Februar geplant ist. Deutsche in Melbourne wird das Treffen rechtzeitig ankündigen und auch auf der GABWA Website werden Informationen zu erhalten sein.

Text und Fotos: Claudia Löber-Raab,