Deutsches Filmfestival: Kino-Empfehlungen des German Cinema Melbourne Teams

Das Deutsche Filmfestival Melbourne 2017 eröffnet mit einem Fritz Lang FilmFreitag ist es soweit: Das Deutsche Filmfestival 2017 eröffnet in den Southbank Backlots Studios. Organisiert hat es German Cinema Melbourne (GCM). Noch nicht für einen Film entschieden? Hier sind fünf persönliche Filmempfehlungen des Teams, das hinter der GCM steckt!

 

Irina Herrschner: Welt der Wunderlichs

Irina HerrschnerIst nicht jeder ein bisschen verückt und vor allem - welche Familie ist schon komplett normal? In Dani Levy’s Film weiß man nicht so genau, wer eigentlich verrückt ist - die Leute in der Psychatrie, die Ärzte oder die ‘Normalen’. Deshalb möchte ich diesen Film empfehlen - warmherzig, verrückt und witzig führt der Regisseur die Hauptfigur Mimi durch ihr Leben und hin zu ihrem grossen Traum: einer Castingshow.

Auch wenn man nicht unbedingt diesen Traum mit Mimi teilt, bin ich mir sicher, dass jeder in diesem Film etwas findet, in dem man sich oder seine Familie wiedererkennt. Die Charaktere, besonders Mimis Sohn Felix, der an ADHS leidet, sind sehr liebevoll und ehrlich ausgearbeitet und die Frage nach dem, was normal ist, betrifft jeden von uns.

Die Welt der Wunderlichs: Samstag, 18. November, um 17 Uhr und Freitag, 24. November, um 18 Uhr

Peter Krausz: Berlin Falling

Peter Krausz für das Deutsche Filmfestival MelbourneAls ich den Film bei der Premiere des Film Festival München sah, war das Publikum wie elektriziert von der herausfordernden Darstellung von Terrorismus, einem Thema das soweit im deutschen Kino nur zöglerlich behandelt wurde. Ken Duken, Hauptdarsteller und Regisseur des Filmes, hat ein spannendes Drama über einen ehemaligen Soldaten auf dem Weg zum Hauptbahnhof Berlin gemacht, der dort seine Frau und Tochter treffen will.

Auf dem Weg nimmt er allerdings einen Tramper mit mörderischem Vorhaben mit. Was mich besonders beeindruckt hat, waren die dichten und vielschichtigen Dialoge, die flüssige Kameraführung, und die Art und Weise, wie das Thema der deutschen Identität behandelt wird. Der Film wird sicher für hitzige Diskussionen sorgen!

Berlin Falling: Samstag, 18. November, um 20 Uhr und Freitag, 24. November, um 20:30 Uhr

Marko Gebel: Kundschafter des Friedens

Ich empfehle die Stasi-Komödie „Kundschafter des Friedens“ - richtig gehört, Mitarbeiter des ehemaligen Ministeriums für Staatssicherheit sahen sich nicht als Spione oder Spitzel. Das waren die bösen Imperialisten von der anderen Seite. Sie sahen sich im Dienste desMarko Gebels Tipps für das Deutsche Filmfestival Melbourne 2017 Weltfriedens und nannten sich wirklich so, wie dieser als Satire anmutende Filmtitel. Insofern hatte es der Regisseur Robert Thalheim beim Namen des Films leicht. Im Film geht es um den ehemaligen, in die Jahre gekommenen Ex-Stasi Offizier Jochen Falk (Henry Hübchen), der ausgerechnet mit dem Erzfeind vom Bundesnachrichtendienst (BND) zusammen auf eine neue Mission geschickt werden soll.

Alte Erinnerungen kommen immer wieder hoch, innerlich hat er auch nach so langer Zeit nur Verachtung für die „Dilettanten“ des ehemaligen Klassenfeindes übrig. Aber trotzdem muss man sich irgendwie zusammen raufen und auf die alten Stärken von damals als Kundschafter zurückbesinnen. Eine amüsante Geschichte, mit auch anderen bekannten Schauspielern aus der ehemaligen DDR, zum Beispiel Winfried Glatzeder  („Die Legende von Paul und Paula“), der als ehemaliger Stasi-Romeo (spezielle Mitarbeiter, die über gestellte Liebesbeziehungen zu Westfrauen an Informationen kamen) in Erscheinung tritt. Ein lustiger Agenten Klamauk mit alten Ost-West-Konflikten.

Kundschafter des Friedens: Sonntag, 19. November, 14 Uhr und Mitwoch, 22. November, 18 Uhr

Daniela Müller: Axolotl Overkill

Daniella Müller - eine der Organisatorinnen des German Filmfestival Melbourne 2017Ein Axolotl als Haustier, Justin Bieber als Vorbild, fertige Teens in Dauerparty-Ekstase und dazu ein Pinguin im eigenen Zimmer? Das ist es, was man im schrillen Trailer von "Axolotl Overkill" zu bissiger Sprache und Ohrwurm-Musik, als buntes Potpourri aus scheinbar unzusammenhängenden Bildern serviert bekommt. Doch was zunächst wie ein durchgedrehtes Teenie-Drama à la Feuchtgebiete erscheint, geht viel tiefer und zeigt die verzweifelte und wütende Suche einer 16-Jährigen Mifti (gespielt von der großartigen Jasna Fritzi Bauer) nach ihrem Platz in der Welt.

Dafür kämpft sie sich durch die Berliner Technoszene, durch verkorkste Liebschaften, durch die verschiedensten Gemüts- und Rauschzustände und schließlich auch durch die ihr, oder generell, unverständliche Erwachsenenwelt. Basierend auf ihrem Buch Axolotl Roadkill aus dem Jahr 2010, nimmt uns die Jungautorin Helene Hegemann in ihrem Spielfilm-Regiedebüt mit auf eine wilde Reise durch das Leben... Und immer ist da dieser Axolotl, der als Dauerlarve ebenso wenig wie Mifti – und vielleicht auch wie wir, die Zuschauer – erwachsen werden kann und will. Mich hat der Film vor allem deshalb berührt, weil er wertungsfrei von den menschlichen Irrungen und Wirrungen erzählt, ohne dabei den Humor zu verlieren und sein Maß an Craziness als einzige Kostante im Film/Leben beibehält.  

Axolotl Overkill: Montag, 20. November, um 20:30 Uhr und Samstag, 25. November, um 14 Uhr

Claudia Sandberg: Marina, Mabuse und Morituri

Neben Fritz Lang ist die Dokumentation "Marina, Mabuse und Morituri - 70 Jahre deutscher Nachkriegsfilm im Spiegel der CCC" ein weiterer Beitrag in unserem Festivalprogramm als Film zum Film. Regisseurin Kathrin Anderson gibt einen Einblick in das FilmschaffenClaudia Sandberg für das deutsche Filmfestival Melbourne 2017 von Produzent Arthur Brauner, dessen Firma CCC in 70 Jahren ihrer Existenz 270 Filmproduktionen erschaffen hat. Ganz erstaunlich ist die Genrevielfalt der produzierten Filme, was ein unglaubliches Gespür Brauners für sein Publikum zeigt.

Es ist die Geschichte einer Firma, die sich im Nachkriegsdeutschland etablierte, und einer der wichtigsten und älteste noch existierende unabhängige Produktionsfirma in Deutschland ist. Jetzt geleitet von Tochter Alice Brauner. Gespickt mit Filmausschnitten, Fotos aus dem bewegten Leben Brauners, und einer Reihe von Interviews mit hochrangigen deutschen Filmkritikern, Schauspielern und Produzenten, ist dies eine unterhaltsame und denkwürdige Reise durch heiße Phasen deutscher Filmgeschichte. Diese Geschichte hat Brauner, der in Polen geboren wurde und den Holocaust überlebte, wesentlich geprägt.  Ein Film empfehlenswert für alle, die sich für die deutsche Filmgeschichte interessieren! 

Marina, Mabuse und Morituri: Samstag, 18. November, um 14 Uhr und Donnerstag, 23. November, um 18 Uhr

Tickets für das Deutsche Filmfestival in Melbourne von Freitag, 17. November, bis Samstag, 25. November, sowie das Filmprogramm gibt es auf www.germancinemamelbourne.com 

Fotos: Courtesy of German Cinema Melbourne