Siemens CTO Roland Busch: Investieren in Melbournes Infrastruktur ist ein Muß

Siemens CTO Dr. Roland Busch zu Gast in MelbourneDr. Roland Busch, Siemens AG Chief Technology Officer und Mitglied des Global Managing Board, sprach jetzt in Melbourne über die weltweite "Smart City" Initiative, die auch Melbourne annimmt. Was er zu sagen hatte, besonders in puncto Melbourne Verkehr, bringt Ihnen DiM!

 

Dr. Roland Busch in Melbourne

"Mobility drives the growth of cities and can boost productivity. Mobility is also the biggest challenge cities are facing." Mit diesem Statement leitete Dr. Roland Busch, Siemens AG Chief Technology Officer und Mitglied des Global Managing Board, seine Präsentation Auch Melbourne will eine Smart City werden, Siemens CTO Roland Busch hatte Vorschlägeein, die er jetzt anläßlich eines Business-Lunches in Melbourne gab. Organisiert hatte die Veranstaltung CEDA - das Committee for Economic Development of Australia - das Busch eingeladen hatte, um für Gäste, überwiegend Vertreter und Vertreterinnen aus Wirtschaft, Wissenschaft und Stadtplanung, einen genaueren Blick auf innovative sogenannte "Smart City"-Initiativen weltweit zu werfen.

Busch sollte Antworten geben auf die Fragen, welche Weltstädte führend sind, auf dem Weg eine Smart City zu werden und wie die Infrastruktur der Zukunft dafür aussehen sollte. Und wer wäre besser dafür geeignet als der promovierte Physiker, der unter anderem verantwortlich ist für Siemens zentrale Forschung und Entwicklung? Siemens unterstützt weltweit Regierungen, Industrie sowie Stakeholder aller Bereichen, eine intelligente Infrastruktur zu schaffen, die zugleich eine umwelteffiziente Zukunft garantiert. In Australien ist die Firma seit über 140 Jahren vertreten, unter anderem mit Projekten für das Melbourne Museum und das MCG.

Smart City Melbourne? Was verbirgt sich dahinter?

Smart City? Keine genaue Vorstellung, was sich hinter diesem Begriff verbirgt? Kein Wunder, denn eine exakte, generell anwendbare Definition existiert bisher nicht. Was eine Smart City in Indien ist, so gab auch Busch zu bedenken, unterscheide sich von dem, was als Smart City Plan für Melbourne ist auch im Interesse seiner Bewohnereine Smart City beispielsweise in den USA bezeichnet werde. Gemein sei dem Begriff jedoch, "the benefit of using technology to manage a city rather than to monitor a city."

Das trifft den Kern der Sache: Einfach ausgedrückt ist eine Smart City eine Stadt, die sogenannte "smart technology" nutzt. Sie ist und dient als eine Art digitale Platform, Stichwort "Internet of Things" (IoT), um nicht nur das wirtschaftliche Wachstum der Stadt, Innovationen in Wirtschaft, Wissenschaft, den Künsten und Sport voran zu treiben, sondern auch ihre Sustainability in puncto Umwelt- und Naturschutz. Zudem sollen Smart Cities ihren Bewohnern und Bewohnerinnen ermöglichen, ihre Stadt so optimal wie möglich zu nutzen, sich zu verbinden und ihr Leben so angenehm wie möglich gestalten zu können, mit allem, was Menschen brauchen, um sich wohl zu fühlen.

Boost für Wachstum und Schlüssel zum Wohl der Bewohner

Die gute Nachricht sei, dass Melbourne es bereits geschafft hat, die "most liveable city" der Welt zu sein, und die Stadt ihren Titel bereits mehrere Male erfolgreich verteidigt habe, meinte der 54-jährige Siemens CTO mit einer Prise Humor. Allerdings hielt er sich nicht Melbourne hat definitiv Verkehrsproblemezurück damit, aufzuzeigen, was die Millionenstadt am Yarra noch verbessern kann oder vielmehr muß, um sich in eine wahrhafte "Smart City" zu transformieren. Laut Daten-Erhebung von Siemens kann die Produktivität in einer Stadt beispielsweise einen Verlust von zwischen 9 und 28 Prozent erleiden, wenn der Verkehr nicht fließt. Was Melbourne angeht, liegt der Verlust momentan bei 10.5 Prozent.

Siemens Berechungen besagen, daß Melbournes Produktivität um den Wert von 500 Millionen US-Dollar steigern kann, wenn die Stadt ihr Verkehrssytem verbessert. Dazu gehört unter anderem Öffentliche Verkehrsmittel erschwinglicher zu machen und Züge zu modernisieren.

Von fahrerlosen Zügen bis neuen Technologien fürs Carsharing

Doch vor allem gilt es moderne Technologie und Daten, die mit ihr erfasst werden, zu nutzen. Es geht um eine umfassende Digitalisierung. Wie? Am Beispiel "Verkehr" zeigte Busch zeigte vier sogenannte "Mobility Solutions" auf, die einer Stadt zu einer besseren Die Zukunft Melbournes sieht Dr. Roland Busch von Siemens mit driverless TrainsZukunft in allen Bereichen verhelfen werden. In Zusammenhang mit der ersten Lösung "Autonomous" führte er den Einsatz von fahrerlosen Zügen und Autos ein. Unter die zweite Lösungsrubrik "Electric" fallen laut Busch die Elektrifizierung von Autos (e-cars), Bussen und Zügen (e-buses und e-trains) sowie der Einsatz von E-Flugzeugen und -Dronen.

Lösungsansatz Nummer 3: das "Sharing", das innovative Businessmodellen von Firmen wie Uber und Airbnb zum Erfolg verhilft. Ein Auto, so rechnete Busch vor, werde normalerweise nur 3 bis 5 Prozent während seiner Lebensdauer genutzt. Werde das Fahrzeug jedoch geteilt von mehreren Benutzern ergibt sich zwangsläufig ein höherer "smarterer" Nutzen.

Zeit mit Parkplatzsuche verlieren? Das muß nicht sein!

Ein weiteres Beispiel: Smart Parking, auf Deutsch "intellegente Parkleitsysteme". Mit der Suche nach einem Parkplatz verlieren Stadtbesucher rund 30 Prozent ihrer Zeit. Ein System, das anzeigen würde, wo Parkplätze verfügbar sind, kann diese Zeit reduzieren. Daten Parkplatzsuche in Melbourne kann sich leichter gestalten mit Hilfe von neuer Technologiedafür können beispielsweise Straßenlaternen liefern, die mit Sensoren ausgestattet sind. Möglich ist dies alles nicht ohne die vierte Lösung, ein Connected-, ein Verbundensein, das ebenfalls basiert auf modernster Technologie. Wer würde nicht lieber öffentliche Verkehrsmittel nutzen, ohne Fahrkarten zu kaufen, sondern mit einem System, das einem zugleich die preiswertesten Tarife wählt und garantiert.

Der wirkliche Wert einer Digitalisierung setze eine ungeheuere Produktivität frei, meinte der CTO von Siemens. Auch im Bereich Energie-Effizienz. So erspare modernste Technologie von Siemens Museum Victoria beispielsweise 32 Prozent der Operationskosten und 35 Prozent von CO2 Ausstoß in den nächsten sieben Jahren.

Busch: "Cities are not the most innovative clients"

Doch trotz aller positiver Auswirkungen einer Nutzung von Digitalsierung gab Busch während einer anschließenden Diskussion offen zu: "Cities are not the most innovative clients. No major wants to screw it up. This is not how you drive change." Seiner Meinung nach Drängt Melbourne dazu, in Infrastruktur zu investieren: Dr. Roland Busch von Siemensführt Singapur weltweit die Transforamtion zu einer "Smart City" an. So habe Singapur beispielsweise Carsharing forciert, in dem es Bewohnern extrem schwierig mache, ein Fahrzeug zu registrieren.

"Invest in infrastructure is a message I would like to send to governments", betonte Busch gegen Ende im Gespräch mit Catherine Caruana-McManus, Chair der Smart Cities and Industries Workstream IoT Alliance Australia. Übrigens, auf die kritische Bemerkung, dass es keinen Zug vom Melbourner Flughafen ins Stadtzentrum gibt, der den momentanen Verkehr auf den Straßen entlasten würde, bemerkte Busch: "Ich kann nicht sehen, wie das so schwierig sein kann."

Text: Claudia Loeber-Raab,