Was verbirgt sich hinter IoT und IoE fand Claudia Loeber-Raab fuer Deutsche in Melbourne herausNoch nie gehört von "IoT" und "IoE"? Oder "M2M" und "fourth industrial revolution (Industry 4.0)"? Alles wichtige Begriffe für Melbourne auf dem Weg, eine Smart City zu werden. Claudia Löber-Raab schwirrt vom Fachjargon der Kopf, aber sie fand eine neue Leidenschaft beim Recherchieren, was alles bedeutet.

Fesselnd wie ein spannendes Buch

Ich habe eine neue Leidenschaft. Sie hat mich gepackt, wie ein fesselndes Buch, das man nicht mehr aus der Hand legen kann. Weder am Frühstückstisch, noch beim Telefonieren oder Schlangestehen vorm Geldautomaten. Entdeckt habe ich diese neue Leidenschaft Sprach immer wieder vom Internet der Dinge in Melbourne: Dr. Roland Buschals ich Catherine Caruana-McManus zuhörte, die mit Siemens-Größe Roland Busch während eines Business-Lunchs in Melbourne auf der Bühne stand. 

Catherine Caruana-McManus hat nicht nur einen eindrucksvollen Namen, sondern auch eindrucksvolle Titel. Sie ist Chair von Smart Cities and Industry Engagement Workstream IoT Alliance Australia, gilt als "leading expert" in digitaler Transformation, war Geschäftsführerin von KPMGs Energy and Utilities Business, ist Geschäftsführerin von Meshed IoT und - unter anderem - im Advisory Board for UoW SMART facility. Allein vom Lesen wird mir schwindelig, ganz zu schweigen von den Akronymen, von denen ich keinerlei Ahnung habe, für welche Worte sie stehen.

Nicht genügend Allgemein- oder Fachjargon-Wissen?

Internet der DingeEines tauchte immer wieder auf in Catherines Lunchtime-Präsentation: I - o - T. Wenn immer die drei Buchstaben fielen, schaute ich mich möglichst unauffällig um und versuchte, in den Gesichtern meiner Mitmenschen - allesamt Vertreter und Vertreterinnen aus Wirtschaft, Wissenschaft und Stadtplanung in schnieken, dunklen Anzügen und Kostümen - zu lesen, ob sie IoT-Wissende oder IoT-Unwissende waren. Ich wollte herausfinden, ob ich tatsächlich eine Lücke in meiner Allgemeinbildung hatte oder aber schlicht und einfach nicht über genügend Fachjargon und -wissen verfüge.

Kein leichtes Unterfangen, wie ich feststellte, bei dem es drei Möglichkeiten gab, die Gesichter zu interpretieren, die keinerlei Reaktion zeigten: 1. Jeder um mich herum verstand es perfekt, ein nicht zu interpretierendes Pokerface aufzusetzen, und selbst wenn er nicht wußte, was IoT ist, sich dies nicht anmerken zu lassen. 2. Jeder wußte über IoT Bescheid. 3. Jeder war so sehr mit seinem Lunch beschäftigt, dass er nicht im geringsten über IoTs nachdenken konnte.

Erstaunlich: eine Art neues, parallele Internet existiert

Als Siemens-CTO Dr. Roland Busch später zumindest fallen ließ, dass IoT für "Internet of Things" stand, beschloß ich mich später zurück am Schreibtisch intensiver mit IoT zu beschäftigen. Und hier begann sie dann, meine neue Leidenschaft: das "Internet of Things" Der Erfinder des Internet der Dinge Kevin Ashtonoder auf Deutsch "Internet der Dinge". Schon allein der Name fasziniert mich: Bisher kannte ich nur das Internet der Menschen, das Menschen nutzen, um mit einander zu kommunizieren. Nun scheint es noch ein Parallel-Internet zu geben, das allein für Dinge bestimmt ist, die es nutzen, um sich miteinander zu verbinden, miteinander zu sprechen, ja sogar auszutauschen.

"Das Ziel ist es, allen Dingen, die bisher auf die Steuerung durch ihre menschlichen Besitzer angewiesen sind, mit Hilfe des Internets eine Art Eigenleben einzuhauchen", lese ich in einem Artikel der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, den ich vorsichtshalber lese, bevor ich mich an Fachartikel wage. Es ist sogar von "enchanted objects", also von "verzauberten Objekten" die Rede. Wie nett! Ich lerne auch, dass  der britische Technology Visionär Kevin Ashton den Begriff "The Internet of Things" bereits 1999 geprägt hat. Es beruhigt mich zudem, herauszufinden, dass obwohl der Begriff seit knapp 18 Jahren existiert, laut aktuellen Studien die Mehrheit von uns nicht weiß, was sich hinter ihm verbirgt.

Das Internet der Dinge: Mein Fitbit kommuniziert mit meinem Handy

Auch Teil des Internet der Dinge: Die Nespresso-MaschineDabei ist das gar nicht so kompliziert und das Phänomen uns weit vertrauter als gedacht! Zum Beispiel sendet mein Fitbit - ein sogenanntes "Wearable" wie es im Fachjargon genannte wird - ein Signal an mein Handy, wenn seine Batterie nahezu leer ist. Mein Handy läßt mich dann wissen, dass ich mein Fitbit aufladen muß.

Oder nehmen wir meine geliebte Nespresso-Maschine. Nicht nur kann mein Handy ihr den Auftrag erteilen, morgens zu einer bestimmten Zeit, meinen Karamel-Lungo zu brühen, sodass er fertig ist, wenn ich die Küche betrete. Könnte ich mich noch daran erinnern, wie es geht, könnte ich auch auf meinem Handy eine Nachricht empfangen, wann ich meine Lieblings-Grands Crus nach bestellen muß. Meine Nespresso-Maschine ist nämlich smart genug, zu zählen, wieviele Kapseln sie verbraucht. Glücklicherweise zählt sie nicht laut. Die Anzahl an Kaffeekapseln, die sie täglich durchlaufen, würde vermutlich selbst mich erstaunen.

Für mein Wohlbefinden und Schonung des Geldbeutels 

Alles, was meine Geräte brauchen, um Teil des "Internet der Dinge" zu sein, sind Chips, Sensoren und Datenspeicher, was die meisten neuen Geräte sowieso haben. Nur mit der Abstimmung unter einander scheint es noch ein wenig zu hapern, wie ich weiter Schuhe können Handy sagen, dass sie ausgedient haben mit dem Internet of Thingsrecherchiere. Aber theoretisch ist alles möglich: Ich bin auf einem Run und plötzlich haben meine Schuhe ihre Kilometerzahl, in der ich mich optimal in ihnen bewegen kann, erreicht? Kein Problem. Ich bekomme eine Meldung auf meinem Handy gepaart mit der Information, wo das nächste Geschäft ist, in dem ich mir meine neuen Runner kaufen kann!

In einem sogenannten "Smart Home" wird auf meinen Wunsch alles geregelt für mein Wohlbefinden - und um meinen Geldbeutel zu schonen. Ermahnen der Kids, das Licht auszuschalten, wenn sie den Raum verlassen? Sensoren fühlen die Präsenz von Mensch und Tier im Zimmer und regeln das selbständig! Die Temperatur im Raum, die ich mir wünsche und brauche, wenn ich mich in ihm aufhalte, inklusive.

Vom Smart Home zur Smart City

Melbourne auf dem Weg zur smart cityUnd vom "Smart Home" zur "Smart City", die Melbourne ja werden will! Mit der Aussicht, dass im Jahr 2050 70 Prozent aller Menschen in Städten wohnen werden, wäre es nicht fantastisch, wenn mir nicht nur signalisiert würde, wo ich einen freien Parkplatz ergattern und somit Zeit, Nerven, Verkehrsstaus und unnötige Abgasausscheidung sparen kann? Wie wäre es zudem, wenn Autos auch noch smart eingeparkt werden könnten? So, dass möglichst kein Parkplatz vergeudet wird. Die Anzahl der Fahrzeuge, die auf diese Art und Weise zusätzlichen Parkraum finden, ist so schwindel erregend hoch, dass ich sie schon wieder vergessen habe. Abgesehen von den Aufregungsattacken, die das System mir sparen würde!

Aber was für Städte gilt, ist auch in der Landwirtschaft anwendbar: Theoretisch können Pflanzen mit Sensoren ausgestattet werden, die genau messen könnten, wieviel Düngemittel ausgeschüttet werden müssen für optimales Wachstum. Laut Forschung würde dies Dünger sparen und die Umwelt weniger belasten. Von der Farm zur Fabrik und zu einem weiteren Schlagwort, das in Zusammenhang mit dem "IoT" immer wieder fällt: der vierten industriellen Revolution (Industry 4.0). Mit Hilfe des "Internet der Dinge" können hier Produktionsanlagen untereinander kommunizieren, "M2M" sozusagen, was soviel wie "Machine to Maschine" heißt. Der Vorteil: Maschinen können Fehler melden bevor die Produktion zusammenbricht, da der Fehler zum Nichtfunktionieren einer Anlage geführt hat.

Das Internet der Dinge: Was für ein Potential

Je tiefer ich in die Welt des "Internet of things" oder der Vision des "IoE" - Internet of Everything - der nächsten Stufe, in dem Dinge und Menschen miteinander kommunizieren, eintauche, desto faszinierter werde ich von dem, was möglich ist. Von der Luftqualität, die Das Leben kann einfach sein mit Hilfe der Nutzung des Internet of Thingswir verbessern können, von der Zeit, der Energie, dem Geld, das wir sparen können, von der Reduzierung der unnötigen Verschwendung von limitierten Resourcen. Ich kann nicht genug bekommen, von den Möglichkeiten des "IoT" und dem Potential, das einen genaue Datensammlung und Datennutzung birgt. Einfach genial! Das Leben kann so einfach und angenehm sein!

Und ja! Ich bin mir bewußt über die Gefahr des Datenmißbrauchs! Und die Nachricht von vor wenigen Tagen, dass Saudi Arabien das erste Land ist, das einem Roboter eine Staatsangehörigkeit verliehen hat, steckt mir noch in den Knochen. Einen Roboter mit "AI" - Artificial Intelligence - auszustatten, ist nicht möglich ohne Datenerhebung, -übermittelung, -interpretation und  intelligenter Anwendung. Ich bin mir allerdings nicht sicher, ob ich möchte, dass ein Roboter eine Staatsangehörigkeit bekommt und die damit verbundenen Rechte.

Daten bedeuten Wissen und Wissen ist Macht. Und wie wir alle wissen, kann Macht positiv und negative angewandt werden. Dennoch: Ich bin ein Fan des IoT und der Smart Cities geworden! Bring it on - mit dem entsprechenden Datenschutz allerdings!

Wir alle sollten über das Internet der Dinge Bescheid wissen

Mut haben zum HinterfragenTeil davon ist für mich auch, dass wir als "Normal-Bürger" informiert sind. Ehrlich gesagt, dass weder der überwiegende Teil meines Freundes- und Bekanntenkreises - darunter wesentlich smartere Frauen und Männern wie ich aus allen Bereichen des Lebens - sowie meine Söhne, die normalerweise "on top of things" sind, was technische Begriffe angeht - nicht wußten, wofür das Akronym "IoT" steht, finde ich im Nachhinein erschreckend. Warum? „Das Internet der Dinge wird unsere Gesellschaft signifikant verändern. Es wird auch Unternehmen und deren Geschäftsmodelle beeinflussen, wie wir arbeiten und Mitarbeiter führen“, meint Rainer Kallenbach, CEO Bosch Software Innovations. Es wird unsere Zukunft verändern und (mit-)bestimmen!

Wir alle sollte darüber Bescheid wissen und die Entwicklung des Internets der Dinge verfolgen. Datenschutz beginnt mit Datenwissen. Und das kann jeder von uns mit der richtigen Einstellung erlangen - voraus gesetzt, die Quellen, aus denen wir unser Wissen beziehen, sind qualifiziert, zuverlässig und vertrauenswürdig. Und vor allem sollten wir Mut haben, uns nie von Akronymen und Fachjargon abschrecken lassen! 

Text: Claudia Löber-Raab, , Foto Kevin Ashton: Twitter Account Kevin Ashton

Claudia Löber-Raabs Wochenende in Melbourne verlief anders als geplant

Ist Ihr Wochenende schon mal komplett anders verlaufen als geplant? Das ist Claudia Löber-Raab von Deutsche in Melbourne jetzt passiert. Allerdings hat sie dafür etwas gefunden, was sie nicht gesucht, aber umso mehr wertgeschätzt hat: Mindfullness-Momente. Derzeit großes Thema überall ...

Aus den Fugen geraten

Hatten Sie ein schönes Wochenende? Haben Sie gerade gestutzt, weil das Wochenende schon ein bißchen her ist und Sie diese Frage normalerweise am Montag gestellt bekommen? Naja. Mein Wochenende war eben irgendwie anders. Irgendwie aus den Fugen Claudia Löber-Raab freut sich auf Wochenende in Melbournegeraten. Es hat sich sogar entzerrt und plötzlich ist dabei der Montag verschwunden. Wie das gekommen ist? Gute Frage! Normalerweise bin ich jedes zweite Wochenende kinderfrei. Dann sind meine drei Söhne bei ihrem Vater, meinem Ex-Mann. Freitag am späten Nachmittag beziehungsweise am Abend atme ich dann so richtig tief durch, strecke mich - und dann geht´s los: ans Abarbeiten meiner To-Do-Liste oder besser gesagt meinen To-Do-Listen.

Irgendwo habe ich mal gelesen, dass auf einer effektiven To-Do-Liste nicht mehr als sieben Items stehen sollen, sonst überwältigt sie einen und man fängt erst gar nicht an, sie zu bearbeiten. Seitdem habe ich nicht nur eine, sondern mehrere To-Do-Listen: eine für Deutsche in Melbourne, eine für Bücher und Essays, die ich lesen will, die dann wiederum unterteilt ist in "work related" und "private". Eine für meine Steuererklärung und andere finanzielle Notwendigkeiten, eine für Arbeiten rund ums Haus, eine für Arbeiten im Garten, drei für alle Anliegen meiner Kinder, eine für alle Dinge, die noch irgendwo auf eine der Listen müssen. Ich denke, Sie verstehen mein Konzept.

Alles muss ins "freie" Wochenende passen

Beliebt auch in Melbourne: Das deutsche Magazine Brigitte Woman

Mit anderen Worten, mein kinderfreies Wochenende ist proppenvoll gestopft. Aber erholen muß ich mich auch noch für die zwei Wochen mit Kids und Kegel, die folgen. Und außerdem bin ich fest entschlossen, meine etwa 54-stündige "Freitag-Abend-Samstag-Sonntag-Freiheit" für mein ziemlich spärliches Privatleben auszunutzen. Denn, obwohl ich getestet und bewiesen introvertiert bin, fühle ich mich ab und an erstaunlich gesellig. Ich bin sogar versucht, "unternehmungslustig" zu sagen, und ich tanze gern. Das alles muss also in mein "freies" Wochenende gepresst werden.

Vergangenes Wochenende war das zwar alles geplant, ging dann allerdings nicht: Mein Jüngster war krank und wollte nicht zu seinem Vater.  Deshalb spielte sich mein Wochenende nicht in der großen weiten Welt, sondern plötzlich auf unseren zwei Sofas im Wohnzimmer ab - Carrick vor sich hin dösend, ab und an die Augen auf den Fernseher richtend auf dem einen, ich ihm Gesellschaft leistend auf dem anderen. Ich nahm das Telefon in die Hand und sagte Verabredungen ab, wuchtete einen Stapel von alten "Birgitte Woman" Zeitschriften auf meine To-Do-Listen-Zettel-Sammlung und legte die Füße hoch - unterbrochen vom Teekochen, auf Krankenwunsch Frikadellen braten und Kartoffelnpüreestampfen, Cola und Halstabletten holen, Fieber messen, Decken umdrehen, Kissen aufschütteln und diversen anderen Diensten.

Plötzlich löst sich ein Knoten

Da lagen wir nun in unserer "Auszeit", die das Fieber meinem Sohn verordnete hatte und mir irgendwie gleich mit. Nix mit Ausgehen und freiem Wochenende. Klar hätte ich an den To-Do-Listen arbeiten können, aber irgendwie kam da das Böckchen hoch: Kein Ausgehen, kein Arbeiten, dachte ich mir. Macht nicht unbedingt Sinn, aber so stand es nun mal um mich: Wenn schon meine Wochenendpläne durchkreuzt werden, dann durchkreuze ich sie richtig. Und wissen Sie was? Plötzlich löste sich irgendwie ein Knoten. Mein Plötzlich Zeit gefunden, für Dinge, die lange liegen geblieben sindZeitknoten. Unerwartet, wie aus heiterem Himmel war sie plötzlich da - die Zeit für Dinge, die ich seit Monaten machen wollte, aber die es nie nach ganz oben auf meiner strikten Wichtigkeitsskala geschafft hatten - dem Punkt, von dem sie auf meine To-Do-Listen springen konnten.

Plötzlich war die Zeit da, um alte Zeitschriften durchzuschauen. Um Haken an die Regalwand anzubringen, an die ich meine Handtaschen aufhängen wollte, wie ich es vor Jahren mal in einer der unzähligen australischen "Home improvement shows" gesehen hatte. Zeit, um Bücher auszusortieren, für die meine Kids zu alt geworden sind. Um das alte Trampolin auf Ebay zu listen. Und dann auch: Zeit, um meinem Sohn mal richtig lang zu zuschauen, wenn er eines seiner Playstationspiele spielt und mit zu fiebern und zu sehen, wie schwierig das ist, den sogenannten "Boss" zu besiegen im Team mit seinen Freunden in anderen Wohnzimmern. Oder Zeit, um einfach mal so Fernsehen zu schauen.

Traum von Auszeit: Von Melbourne nach Irland

Traum von Auszeit von Melbourne nach Irland

Oder aber Zeit zu träumen: Von einer Auszeit auf der grünen Insel Irland, an der Küste bei Killybegs, an der es manchmal so windig ist, dass einem das Meer um die Ohren fliegt, wie die "Brigitte Woman"-Autorin es beschreibt, die sich dort zum Webenlernen zurückgezogen hat. Schön! Oder von der Auszeit auf der idyllischen italienischen Insel, die sich ihre Kollegin gönnte, um endlich mal wieder zu sich selbst zu finden - ohne jegliches Internet, Handy und Kinder, die sie bei ihrem Mann Zuhause ließ. Der hatte sie übrigens eigenhändig vor den Computer gesetzt, um diese für sie - wie er fand - wichtige Auszeit zu buchen. Interessant!

Allerdings, nachts während ich spät noch Seite um Seite meiner heißgeliebten Zeitschriften umblättere und mich ohne mein gemütlich warmes Bett zu verlassen in andere Welten tragen ließ, jagte mein Sohn durch wilde Fieberträume und rief nach mir. Wie in alten Zeit als er klein war hocke ich mich auf seine Bettkante und bin an seiner Seite. Ich nenne seinen Namen, wie er sich´s von mir wünscht, halte seinen Kopf und seine Hand - um 23:31 Uhr, um 2:47 Uhr und um 5:28 Uhr. Wir führen lange Fiebergespräche über Timeloops und Timetravel, über neue Techniken, die er sich für seine Salti auf dem Trampolin ausgedacht hat, Gespräche über Gott und die Welt, über die ich manchmal herzhaft lachen muß und von denen er am Morgen als er sich viel besser fühlt, rein gar nichts mehr weiß.

Mit zwei Chais in der Sonne sitzen und lachen

Wir frühstücken zusammen und ziehen uns wieder auf die Couch zurück. Nachmittags als er sich noch ein wenig wohler fühlt, fahren wir kurz in den Nachbarort und bringen gemeinsam ausgemusterte Sachen in den OP-Shop. Wir gönnen uns zwei Chais, setzen unsGönnen sich zwei Chais: Claudia Löber-Raab und ihr jüngster Sohn auf eine Bank in der Sonne, erinnern uns an "alte Zeiten" und lachen viel. Abends hängen wir vorm Fernseher, amüsieren uns über eine Talentshow und bestaunen meine Regalwand, an der nun meine Handtaschen aus aller Welt hängen. Ins Bett gehen wir früh, und ich schlafe so tief und fest, wie schon lange nicht mehr.

Als ich die Augen aufschlage, fällt mir die 62-jährige Achtsamkeitstrainerin aus Hamburg ein, über die ich am Abend zuvor gelesen habe. "Ich betrachte die Getreidekörner, erschnuppere den Duft des Käses und lausche dem leisen Ploppen des Milchschaumes in meiner Kaffetasse. Erst dann führe ich das Brot zum Mund, beiße hinein und lege es wieder auf den Teller," hat sie einer Journalistin erzählt. Wow! Mindfulness - also ganz konzentriert sein auf die Gegenwart und das Hier und Jetzt, das Abschalten des inneren Autopiloten sozusagen - in seiner höchsten Form. Ich bin mir nicht sicher, ob ich jemals so mindful essen kann (oder es anstrebe). Aber ich glaube, dass es mir am Wochenende zumindest recht gut gelungen ist, wesentlich achtsamer oder "mindful" zu sein als sonst. Achtsam auf mich und achtsam auf meinen Sohn und auf das, was er brauchte: meine Gegenwart. Gepaart ist meine Achtsamkeit mit Glücklichsein und einer zufriedenen Dankbarkeit: Lange wird mein Jüngster mich nicht mehr so brauchen! 

Dinge erledigen sich wie selbstverständlich

Die To-Do-Listen erledigen sich leichter

Deshalb ist auch irgendwie der Montag verschwunden. Ich habe ihn mir frei genommen, weil ich diese für mich schwer festzuhaltende Mindfulness, von der ich intuitiv weiß, wie wichtig sie für mich und uns alle ist, noch ein wenig weiter spüren wollte. Ich bin ungewohnterweise mittten am Tag in der Gym und habe sie, weil ich nicht in meiner gewohnten Morgenroutine war, ganz anders wahrgenommen. Ich habe das Kaffeetrinken mit meiner Freundin nachgeholt, das ich zwei Mal am Wochenende abgesagt hatte, damit sie weiß, wie wichtig sie für mich ist, und endlich den Recycling Bin gekauft, den ich vor Wochen habe besorgen wollen.

Und habe ohne zu planen, einge Dinge von einer meiner To-Do-Listen abgestrichen. Ganz selbstverständlich, ohne Aufwand. Ging gut. So, als ob ich am Wochenende jede Menge Energie aufgetankt habe. Durch eine Auszeit und zwar eine, für die ich nicht ganz allein nach Irland oder Mallorca fliegen mußte und sogar zumindest ein Kind dabei hatte. Brilliant, kann ich Ihnen sagen! Ich werd´s noch mal versuchen!

Claudia Löber-Raab,  Foto Nummer 2, Angelika Waesch, Amazing Creature Photography