Michael Krochmal: Weltenbürger mit deutschen Wurzeln

Winzige Risse verraten geologische Geheimnisse

Michael Krochmal erklärt die Hintergründe seines „Business“. Zu seinen Kunden zählen  überwiegend Geologen und ein paar Firmen auf der Suche nach Erdöl. Sie untersuchen Gesteinsproben auf ihr Alter und auf die nach dem Entstehen der Gesteine herrschenden Druck- und Temperaturverhältnisse. Damit lässt sich die thermische Entwicklungsgeschichte der oberen Erdkruste erforschen sowie Vermutungen anstellen, ob in einer bestimmten Region Erdöl zu finden ist.

Etwas über das Alter als auch die geothermische Geschichte eines Gesteins verraten die so genannte „Spaltspuren“ im Inneren der Probe. Das sind mikroskopisch kleine Risse, die im Laufe der Jahre durch atomaren Zerfall des Atoms U238 entstehen. Zählt man sie, und vergleicht das Ergebnis mit der Anzahl der tatsächlich in einer Probe enthaltenen U238-Atome, also derer, die zerfallen hätten können, lässt sich auf das Alter der Probe schließen. Die durschnittliche mittlere Länge der “Spaltspuren” gibt Aufschluß über die geothermische Geschichte des Gesteins.

Endlich Hilfe bei der mühsamen Suche

Ein mikroskopisches System der Firma Autoscan Pty Ltd

Früher bedeuteten beide Arbeitsgänge tagelanges Sitzen vor dem Mikroskop. Es galt die Risse zu finden, zu zählen und Proben miteinander zu vergleichen. „Eine schrecklicher Job“, erinnert sich Michael Krochmal. Die Idee, dass es anders gehen müsse, stammt bereits aus dem Jahr 1979. Doch erst durch den nötigen Fortschritt auf dem Gebiet der elektronischen Datenverarbeitungen konnte im Laufe der 80er Jahre eine computergestützte und weniger aufwendige Methode nach und nach realisiert werden.

Sie bedeutete gegenüber dem alten Verfahrens eine enorme Zeit- und somit Kostenersparnis. Als der bereits seit ein paar Jahren in die Geschäfte der Firma involvierte gelernte Ingenieur Krochmal die Firma 1988 übernahm, war das von „Autoscan Systems“ entwickelte System unter Geologen bereits als zukunftige Technologie anerkannt.

Die folgenden Jahre brachten Weiterentwicklungen und unzählige Erweiterungen des Verfahrens. Bis  es vor ein paar Jahren im Rahmen eines Projektes zusammen mit der Uni Melbourne schließlich gelang, den Vorgang vollständig zu automatisieren. „Vor allem die Mitwirkenden der Uni sind sehr stolz darauf“, sagt Michael Krochmal. Aber auch er und sein Team sollten es sein. Denn mit dieser Fähigkeit gelten die Produkte der Firma heute als weltweit einmalig.

Ein kleines Team lenkt den Erfolg

Ian Larsen, Michael Krochmal und Garey Laken (v. links n. rechts)

Trotz des Erfolgs platzen die Firmenräume in Brighton nicht aus allen Nähten. Michael Krochmal teilt sich zwar das Büro mit dem “General Manager” Ian Larsen und dem “Technical Manager” Garey Laken. Zusammen mit einer Handvoll weiterer Mitarbeitern stellen sie jedoch die gesamte Belegschaft des Unternehmens dar. Der Großteil der Dienstleitungen sowie die Produktion der Gerätekomponenenten sind ausgelagert, und die Firma arbeitet mittlerweile mit rund 30 Zulieferunternehmen zusammen. Die Schwerpunkte der Melbourner Zentrale liegen daher im logistischen Bereich, in der Weiterentwicklung des Verfahrens und im „After Sales Service“.

Auf letzteres legt Michael Krochmal besonderen Wert. „Ein weiser Mensch hat gesagt, einen Kunden zu halten benötige nur 10 Prozent der Energie, die man brauche, um einen neuen zu werben,“ sagt er. Gerade auf dem neuen Markt in China und unter der geologischen Wissenschaftsgemeinschaft sei ein guter Ruf unbezahlbar und gegen nichts aufzuwiegen.

Sein Team scheint das verinnerlicht zu haben. In Fachkreisen genießt „Autoscan Systems“ einen mehr als guten Ruf. Die Kunden laufen ihnen zu. Werbung oder Marketing ist nicht nötig. Allein die Mundpropaganda unter den Geologen sorgt für volle Auftragsbücher.

Deutsche Tugenden nicht zu verleugnen

„Ein gutes Gefühl“ gibt Michael Krochmal leise zu. Er ist kein Mann der großen Worte. Mike, wie ihn alle nennen, benutzt lieber seinen Kopf und arbeitet, in der Vergangenheit zum Beispiel auch an zahlreichen Deutsch-Englisch-Übersetzungen technischer Texte. Vielleicht ist dieser Fleiß eine der als „deutsch“ bezeichneten Tugenden, die er seit seiner Geburt in Recklinghausen inne hat. Im Ruhrgebiet und im damaligen West-Berlin aufgewachsen, emmigrierte er als Elfjähriger mit seinen Eltern in Richtung Melbourne. „Meine Eltern haben mich quasi verschleppt. Aber das Ganze war ein tolles Abenteuer, das ich nie vergesse“, sagt er lachend.

Obwohl er schon so lange in Australien lebt, gesteht er, “zu Deutschland, im Speziellen zu Recklinghausen und Berlin, habe ich eine besondere emotionale Bindung.” Als Deutscher fühlt er sich jedoch nicht, und einen deutschen Pass hat Michael Krochmal sowieso nie besessen. Die Wirren der Nachkriegszeit verhinderten es und, nachdem er als australischer Staatsbürger annerkannt worden war, fehlten ihm schlichtweg die stichhaltigen Gründe, diesen nachträglich zu beantragen.

Ein jung gebliebener Kosmopolit

Heute fühlt er sich weder als Australier noch als Deutscher sondern als Bürger dieser Welt, den die verschiedenen Nationalitäten, Kulturen und Religionen sehr interessieren. Seine persönlichen Eindrücke von einem Menschen beeinflussen sie aber nicht. “Live and let live” sei einer seiner Maxime, sagt er und fügt an, irgendwann bemerke man im Leben hoffentlich, im Grunde sind wir Menschen alle gleich, nämlich schlichtweg Menschen. Es wird deutlich, Michael Krochmal hat schon viel von der Welt und viele verschiedene Menschen gesehen.

Nach Deutschland hat es ihn jedoch erst 1999 wieder verschlagen, knapp 40 Jahre nach seiner Abreise aus Bremerhaven. Seitdem ist er schon ein paar Mal in der alten Heimat gewesen, unter anderem während einer großen Europareise zusammen mit seinem 17jährigen Sohn. „Meine alte Grundschullehrerin lebt immer noch. Es war rührend, sie nach 40 Jahren wieder zu treffen. Sie konnte sich tatsächlich noch genau an jeden Schüler in meiner damaligen Klasse erinnern – im Alter von etwa 80 Jahren“, erzählt er schmunzelnd.

Michael Krochmal ist sehr glücklich, in Australien groß geworden zu sein, und mit seinem Leben zufrieden. Während er erzählt, versprüht er die Lebenslust eines 18jährigen. Es ist nicht verwunderlich, dass die Frage nach einer möglichen Altersruhe beinah unter den Tisch fällt. Ihm gegenüber empfindet man sie als außerordentlich unangebracht. „Altersruhe“, er schüttelt den Kopf. „He is doing well“ sagen die Australier unter anderem, um auszudrucken, jemand sei sowohl privat als auch geschäftlich erfolgreich. Michael Krochmal „has done well, is doing well and will be doing well“. Was anderes zu tun, als jeden Morgen glücklich zur Arbeit zu gehen und Chef seiner Firma zu sein, kann er sich nicht vorstellen.

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