Covid-Impfungen in Victoria haben begonnen – Was können wir wann erwarten?

In Victoria, Australien, hat die Impfung gegen COVID-19 begonnen

Nachdem die TGA – Therapeutic Goods Administration – als zuständiger Zweig der australischen Regierung Ende Januar den Pfizer- und in der vergangenen Woche den AstraZeneca-Impfstoff für Australien zugelassen hat, begann am gestrigen Montag in Victoria die erste COVID-Impfwelle.

Prof Ben Cowie, Executive Director, und Leigh Hubbard, Mitglied des Engagement Teams des Department of Health, informierten jetzt während einer Veranstaltung in Kooperation mit der Victorian Chamber of Commerce, unter anderem darüber, wie, wann und an wen der Impfstoff verabreicht wird sowie wo er zu erhalten ist. Dies und noch weitere Informationen hier.

Impfung gibt Hoffnung in COVID-Zeiten

“It is the light at the end of the tunnel,” sagt Prof Benjamin Cowie, Epidemiologe am Victorian Infectious Diseases Reference Laboratory, dem Department of Health and Human Services Victoria und jetzt Executive Director des Engagement Teams für die COVID-Impfungen in Victoria. Diese haben am gestrigen Montag begonnen und sind für den Mediziner der Hoffnungsstrahl, auf den Victorianer und Victorianerinnen warten.

Bis Ende des Jahres, so Cowie, sollen alle in Victoria – Kinder und Jugendliche unter 18 ausgenommen – den Impfstoff erhalten haben, die ihn erhalten möchte. Eine Impfpflicht besteht nicht. Doch das Department of Health hofft, dass möglichst viele von dem Angebot Gebrauch machen. Daher will die Regierung das Impfen so einfach wie möglich gestalten: Der Impfstoff ist kostenlos und soll idealerweise so nahe wie möglich eines jeden Zuhause oder an der Arbeitsstelle zu erhalten sein.

Ende des Jahres soll jeder in Australien die Impfung erhalten haben koennen

So soll zudem sicher gestellt werden, dass alle Bevölkerungsgruppen angesprochen werden und Zugang zum Impfstoff erhalten – egal, wo sie sich geographisch befinden oder welchen sozialen, kulturellen oder sprachlichen Hintergrund sie haben, erklärt Prof Cowie.

Impfung fordert Australien logistisch heraus

Die Lagerung des Pfitzer Impfstoffs stellte Australien vor Probleme

Als das bedeutendste logistische Ereignis seit dem Zweiten Weltkrieg würden einige die derzeitige Impfaktion in Australien betrachten, gibt Cowie zu bedenken. In der Tat birgt die Verteilung der Impfstoffe, die von der Commonwealth Regierung eingekauft und dann den einzelnen Staaten zugeteilt und von deren Regierungen verteilt werden, einige Herausforderungen.

Der Pfizer-Impfstoff beispielsweise – der erste Impfstoff, der ausgegeben wird – muß bei Minus 7 Grad Celsius gelagert werden. Spezielle Gefrierschränke mussten dazu an den insgesamt neun Krankenhäusern in Victoria, in denen man den Impfstoff erhalten kann, organisiert und aufgestellt werden.

Der AstraZeneca Impfstoff hingegen kann unter normalen Kühlkonditionen gelagert werden und läßt sich daher leichter, flexibler und mit einer größeren Reichweite ausgebn. Doch ist dies der einzige Unterschied zwischen den beiden Impfstoffen, von denen jeder Impfwillige zwei Dosen erhalten muss?

Vergleich von Pfizer und AstraSeneca

Prof Cowie geht zunächst auf den unterschiedlichen Grad des Schutzes der Impfstoffe ein, der kürzlich von der Presse diskutiert wurde und bei dem Pfizer wesentlich besser abzuschneiden scheint. Er klärt allerdings vorab, dass der Schutz sich auf den Schutz vor der symptomatischen Infektion bezieht.

Noch immer warte man auf den eindeutigen Beweis, dass der Impfstoff auch vor der Übertragung der Krankheit schütze. Zwar gäbe es frühe Beweise, dass er dies – wie andere Impfstoffe – kann. Doch reichten die Beweise zur Zeit noch nicht aus, um dies mit Sicherheit zu sagen.

Zudem macht er jedoch klar, dass wenn es darum gehe, einen Schutz anzubieten vor schwerwiegender Erkrankung mit Krankenhausaufenthalt oder aber einem tödlichen Verlauf, beide Impfstoffe gleichermaßen wirksam seien.

Sowohl Pfitzer als auch AstraZeneca sind als Impfstoffe in Australien erhaeltlich

Darüberhinaus zeigten Studien, dass, wenn man die zweite Dosis von AstraZeneca nach 12 Wochen verabreiche, die Wirksamkeit des Impfstoffs über 80 Prozent steige. Zudem habe dies zur Folge, dass es einfacher sei zum einen eine Grippe-Impfung zu erhalten, die erst im Abstand von zwei Wochen nach einer COVID-Impfung erfolgen darf. Zum anderen könnten mit den derzeit vorhandenen Impfstoff-Mengen mehr Menschen geimpft werden.

AstraZeneca wird in Australien produziert werden

COVID Tester werden in Australien zuerst geimpft

Und viele Impfeinheiten stehen in Australien momentan und in Zukunft zur Verfügung? Zehn Millionen Pfizer-Dosen habe die Commonwealth-Regierung erstanden, sagt der Mediziner. 11.000 davon sind Victoria in dieser Woche zugeteilt worden, ebenso viele in der nächsten und weitere 11.000 in der darauf folgenden Woche. Kürzlich habe die Commonwealth-Regierung weitere zehn Millionen Pfizer-Dosen eingekauft, die allerdings erst in der zweiten Jahreshälfte in Australien eintreffen werden.

Im Gegensatz dazu, stehen über 50 Millionen AstraZeneca Dosen, die überwiegend in Victoria, genauer gesagt in Melbourne ab Ende März produziert werden. Cowie hofft, dass damit etwa 250.000 Menschen geimpft werden können pro Woche voraussichtlich im Mai, Juni und Juli. Nicht zuletzt durch die größere örtliche Flexibilität, die der Impfstoff, der einfach zu kühlen ist, bietet.

Geimpft wird in verschiedenen Phasen. Phase 1a begann gestern und fokusiert auf die sogenannten “Frontline workers” sowie “outward facing Australians”. Im Klartext: Unter anderen Ärzte und Ärtzinnen und Pflegepersonal, die beispielsweise COVID-Erkrankungen behandlen, -Tests oder -Impfungen durchführen oder aber in Quarantäne-Hotels arbeiten sowie in Flughäfen oder an der australischen Grenze  plus Pflegepersonal und Bewohner und Bewohnerinnen von Senioren- und Pflegeheimen.

Impfungen auch außerhalb Krankenhäuser

Phase 1b, die voraussichtlich im April startet, ist vor allem für weiteres medizinisches Personal beispielsweise Rettungssanitäter und -sanitäterinnen, First Nation Angehörige, Personen über 70 Jahre und jüngere Menschen mit chronischen Erkrankungen reserviert.

Phase 2a könne vermutlich im Mai und Phase 2b im Juli beginnen. Doch Cowie will sich nicht festlegen, da es davon abhänge, wie schnell die Produktion von AstraZeneca vonstatten gehe, wie viele Menschen sich impfen ließen und wann die zweite Lieferung von Pfizer in Australien eintreffe.

Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren sollen nicht geimpft werden

Die victorianische Regierung hat übrigens grünes Licht gegeben, dass auch in Community Health Centres, Pharmacies und Artzpraxen geimpft werden kann. 80 Prozent aller Ärzte und Ärztinnen hätten Interesse bekundet, die Impfungen zu verabreichen, was Cowie als ein positives Zeichen sieht.

Zudem wird auch das Impfnetz der Councils, die Impfungen für die Öffentlichkeit anbieten, genutzt werden oder aber größere Arbeitgeber die Impfungen am Arbeitsplatz vornehmen können, so dass sicher gestellt wird, dass auch alle kulturellen Bevölkerungsgruppen oder aber Bewohner und Bewohnerinnen von Sozialwohnungen erreicht werden.

Getestet an Zehntausenden von Freiwilligen

Damit alle wieder öffnen können in Australien hofft die Regierung alle lassen sich impfen

Und ist der Impfstoff sicher? Prof Cowies Antwort ist ein klares Ja. An Zehntausenden von Freiwilligen sei er in klinischen Versuchen getestet worden. Zudem seien bereits Millionen von Menschen außerhalb Australiens geimpft damit. Wählen, ob man lieber den Pfizer oder AstraZeneca Impfstoff bekommt, kann man übrigens nicht.

Nebeneffekte will der Experte nicht verschweigen wie etwa Kopfschmerzen, Müdigkeit oder andere Schmerzen. Doch seien sie Zeichen, dass das Immunsystem reagiert so wie es sein soll. Die Nebeneffekte, die oft erst bei der zweiten Impfung auftauchen, sollten nach 24 Stunden nachlassen.

Auch adverse Reaktionen, von denen in den Medien zu lesen und zu hören waren, spricht er an. Sie seien selten und der Grund dafür, dass jeder Geimpfte 15 Minuten unter Aufsicht von medizinischem Personal nach der Impfung warten muss.

 

Nähere Informationen bieten folgende Webseiten, die in den nächsten Tagen und Wochen immer wieder auf den neuesten Stand gebracht werden: 

https://www.coronavirus.vic.gov.au/vaccine

https://www.health.gov.au/resources/collections/covid-19-vaccination-advice-for-covid-19-vaccine-providers

Wer eine spezifische Frage hat, der kann eine E-Mail schicken an: 

covidvaccination@dhhs.vic.gov.au.

Text: Claudia Löber-Raab –  Copyright: Deutsche in Melbourn 2021 – Anfragen und Kontakt: claudia@deutscheinmelbourne.net

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