Erfreulich: Melbourner Seniorenheim TTHA mit mehrheitlich deutschsprachigen Bewohnern eines der ersten komplett geimpften in Australien

Die deutschsprachigen Senioren des Tabulam und Templer Home for the Aged erhielten als erste in Australien die COVID Impfung

Senioren und Seniorinnen in Aged Care Facilities – Senioren- und Pflegeheimen – sind momentan der Fokus unter denjenigen, die als erste die lang erwartete COVID-Impfung erhalten, die seit kurzem in Australien ausgegeben wird. Tausende von Senioren- und Pflegeheimen warten darauf. Umso größer der Jubel als die “Tabulam and Templer Homes for the Aged” (TTHA) in Melbourne als eines der ersten Heime ausgewählt wurde, die das Impfteam besuchte.

Claudia Löber-Raab sprach mit der Deutschen Lisa Karstens, Client Liaison Officer des TTHAs. Lisa macht deutlich, was die Imfpung für das Leben der Bewohner, die bis zu 90 Prozent deutscher und österreichischer Herkunft sind, bedeutet, und wie unser Impfverhalten als Community den Alltag der Senioren extrem beeinflußt. Gedankenanregend!

Impfbereitschaft unter den Senioren war sehr hoch

Aufatmen, Aufregung, Erleichterung sowie eine Portion neugewonnener Zuversicht – damit läßt sich vermutlich der Cocktail an Gefühlen beschreiben, den die Nachricht verursachte, dass die Tabulam and Templer Homes for the Aged (TTHA) in Melbournes Stadtteil Bayswater eines der ersten Seniorenheime in Victoria sein sollte, dessen Bewohner und Bewohnerinnen gegen COVID-19 geimpft würden.

80 bis 90 Prozent von ihnen sind deutscher und österreichischer Abstammung. Lisa Karstens, Flensburgerin mit Wahlheimat Melbourne, ist seit Mai 2019 als Client Liaison Officer im TTHA tätig. Sie erinnert sich noch gut an den Tag, an dem die Nachricht von der bevorstehenden Impfaktion eintraf. Das war der Mittwoch vor dem offiziellen Start der Impfaktion in Victoria am Montag, 20. Februar.

Lisa Karstens ist Deutsche mit Wahlheimat Melbourne und als  Client Liaison Officer im Tabulam und Templer Seniorenheiim tätig

Trotz aller Eile, alle Vorbereitungen dafür zu treffen – vom Einholen schriftlicher Einverständnisse bis hin zum Informieren der Familien – war die Stimmung im Heim großartig. „Wir waren sehr stolz und haben uns sehr gefreut,“ erinnert sich Lisa. „Im Endeffekt wissen wir nicht genau, woran es lag, dass wir fast die ersten waren. Vielleicht, weil wir am schnellsten Hier geschrien haben,“ lacht sie. Allerdings: was auch immer der Grund gewesen sein mag, die Bereitschaft unter den Bewohnern, sich impfen zu lassen, sei sehr, sehr groß gewesen. Von knapp 100 hätten nur eine Handvoll die Impfung nicht bekommen und diese hätten medizinische Gründen gehabt.

Stimmung positiv und keine Nebenwirkung 

Im TTHA gab es keine Nebenwirkung bei der ersten Impfung

Am eigentlichen Impftag gab es allerhand zu tun: „Ich glaube, wir als Personal, waren viel aufgeregter und haben es viel mehr als etwas Besonderes angesehen als unsere Bewohner,“ schmunzelt Lisa. Organisatorisch gesehen sei es sehr aufregend gewesen.

Jeder der laufen konnte, musste in die Impf-Area im Heim gebracht und dann wieder zurück zum Zimmer begleitet werden. Nur zu denjenigen, die nicht kommen konnten, sei das Impf-Team ans Bett gekommen. Viel “Gerenne” also, lacht sie und meint scherzhaft, dass nächsten Mittwoch, wenn die zweite Impfung kommt, es wieder Zeit für Turn- und nicht für Stöckelschuhe sei.

Glücklicherweise habe jeder die Impfung gut vertragen. Nebenwirkungen habe es nicht gegeben. „Wir waren sehr froh und die Pflegeleiterin hat noch bis spät abends Familien informiert, von denen sie wusste, sie machen sich Sorgen und sie fragen sich, wie geht es meiner Mutter oder meinem Vater nach der Impfung?

Apropos Familienmitglieder – Lisa Karstens: „Sie haben sich gefreut, dass es so schnell los geht. Natürlich, weil alle hoffen, dass es Besserung bringt, langfristig mehr Freiheit und auch Zuversicht. Vielen gibt es Sicherheit, jetzt zu wissen, dass die Eltern geimpft sind. Das nimmt, glaube ich, etwas Sorge und etwas Stress,“ erzählt die Norddeutsche, die an der Europa-Universität Flensburg ihren Masterstudiengang in Prevention and Health Promotion absolviert hat.

COVID-Impfung eine Entscheidung, die reifte

Lisa selbst hat übrigens ebenfalls die Chance wahrgenommen, sich impfen zu lassen, da noch Impfstoff-Dosen übrig waren. Ein kleiner Pieks in den Oberarm, den man kaum merkt, und das war’s. So beschreibt sie das Prozedere. „Das Einzige, was ich merkte war, dass der Arm am nächsten Tag weh tat und recht schwer war. Das Gefühl kenne ich von anderen Impfungen,“ meint sie jedoch und war nicht weiter beunruhigt.

Lisas Mutter in Deutschland hat übrigens ebenfalls gerade ihre Impfung erhalten. Im Gegensatz zu ihrer Tochter, die den Pfizer-Impfstoff in Australien erhielt, bekam sie den Astro-Zeneca-Impfstoff verabreicht. „Sie hatte am nächsten Tag 39 Grad Fieber, hat es aber locker genommen, weil auch sie wußte, dass es zeigt, dass mein Körper gerade arbeitet und reagiert. Am nächsten Tag war alles, als wäre nichts gewesen.“

Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren sollen nicht geimpft werden

„Es ist wirklich dieser einzige Tag, an dem man sich darauf einstellt, dass vielleicht etwas passiert, vielleicht auch nicht. Ich glaube, dass kann jeder verschmerzen.“ Für Lisa ist die COVID-Impfung ein „No-Brainer“. Eine Entscheidung, die in ihr reifte.

 „Ich habe nicht sofort Ja geschrien, sondern habe mich erst informiert und dann die Entscheidung getroffen. Ich habe keine Zweifel und war sehr glücklich und auch stolz, eine der ersten gewesen zu sein. Es gibt mir Zuversicht,“ sagt sie und unterstreicht die Hoffnung, dass viele ihrem Beispiel folgen.

Nicht um den Einzelnen, sondern die Gesellschaft

Viele machen sich Sorgen um ihre Eltern in Seniorenheimen in Melbourne

Ein wichtiger Grund dafür, sind die Senioren und Seniorinnen, mit denen sie Tag für Tag zu tun hat und die ihr fest ans Herz gewachsen sind: „Bei unseren Bewohnern geht es wirklich darum: Es sind die letzten Jahre, die sie haben, wenn sie bei uns sind, und darum, dass sie Lebensqualität haben und wir sie nicht „wegsperren“ müssen, weil es Egoisten gibt, die meinen, das Virus existiert nicht oder es kann ihnen nichts anhaben.“

 „Es geht hier wirklich nicht um den Einzelnen, sondern um die Gesellschaft und da sind wir als Team natürlich egoistisch und denken nur an unsere Bewohner. Wir wollen einfach, dass sie noch ein gutes Leben haben.“

„Unsere Einschränkungen im TTHA hängen von den Zahlen der COVID-Fälle in der Community ab,“ erklärt sie und um zu zeigen, wie groß der Einfluß der Community außerhalb des Seniorenheims auf es ist, gibt sie einen kurzen Einblick, wie es in puncto Restriktionen im TTHA, das sich strikt an die Regeln der Regierung hält, steht oder in der Vergangenheit gestanden hat.

Das Maskentragen beispielsweise: Auch wenn in der Community das Maskentragen nur noch in bestimmten Situationen erforderlich ist, sei in allen Age Care Facilities in Victoria das dauerhafte Tragen der Maske noch immer jederzeit notwendig, erklärt Lisa. Das sei sehr schwer. Immer wieder müssten Besucher und Besucherinnen daran erinnert werden, Masken zu tragen, auch wenn sie beispielsweise neben ihren Angehörigen am Bett sitzen würden.

Leben mit Maske für Ältere besonders schwierig

„Vor allem ist das für die Bewohner und Bewohnerinnen furchtbar. So hören sie noch schlechter und du hast wirklich eine Barriere zwischen dir und den Bewohnern, was einfach nicht schön ist. Wir haben viele, die fragen: Kannst Du die Maske nicht abnehmen? Ich verstehe nicht richtig,“ erzählt Lisa. „Es macht so einen großen Unterschied, wenn man die Mimik sehen kann. Zeigen kann, dass man lächelt. Man versucht es, über die Augen zu transportieren, aber es ist so ein großer Unterschied,“ weiß sie.

Was Besucher angeht, gäbe es zur Zeit fast keine Einschränkungen außer, dass sie gebucht werden müssen, damit sichergestellt sei, dass jeder Besucher zuvor einem Screening Test untergeht. Und auch sonst gäbe es langsam Verbesserungen im Sozialleben: „Wir haben gerade wieder einige Gruppenaktivitäten gestartet. Als COVID startete mussten wir komplett aufhören, sie anzubieten und konnten nur noch Ein-zu-Eins Betreuung machen, weil man versucht hat, die Bewohner so viel wie möglich auseinander zu halten. Das war hart,“ erinnert sich Lisa.

Gruppenaktivitäten können langsam wieder starten in Melbourner Seniorenheimen

„Ganz am Anfang konnten wir die Bewohner auch nicht in den Dining Areas zusammen holen. Das hieß also, sie mussten in ihrem Zimmer alleine essen und da war sehr viel Eins-zu-Eins Betreuung gefragt. Unser Lifestyle Team hat wirklich Unglaubliches geleistet und versucht, allen so viel Zeit wie möglich zu schenken. Je nachdem wie es mit den Zahlen aussah, konnten wir dann wieder anfangen, kleine Gruppen zusammen zu bringen – alles mit Abstand.“

Glückerlicherweise hatte das TTHA gerade neue Räumlichkeiten bauen lassen, die aufgrund COVID jedoch nicht von neuen Senioren und Seniorinnen bezogen werden konnten. Sie boten zusätzliche Ausweichmöglichkeiten und ermöglichten weitere Zusammenkommen.

Hoffen, dass Mehrheit der Australier impfbereit ist

Die Lagerung des Pfitzer Impfstoffs stellte Australien vor Probleme

„Jetzt können wir zu etwas größeren Gruppen zurückkehren. Das ist so schön und auch für die Bewohner so eine Bereicherung. Wir schauen außerdem gerade, ob wir die Bustouren wieder starten. Das durfte gar nicht passieren. Man kann im Bus keinen Abstand halten und dann eine Shopping Tour? Da hätte man Kontakt zu wer-weiß-wem. Das ging also nicht und hat den Bewohnern extrem gefehlt. Wir freuen uns daher, dass es bald wieder losgeht,“ erläutert Lisa.

 Doch sie warnt: „Wenn sich die Lage in der Community wieder verändert, dann kann sich auch das ganz schnell wieder verändern. Deshalb hoffen wir natürlich, dass sich die Mehrheit der Australier impfen läßt. Dann wäre diese Sorge nicht mehr so groß. Wir könnten besser mit der Situation umgehen und hätten mehr Freizeit.“ Zum Beispiel wäre gewährleistet, dass man von der Familie abgeholt werden und an Familienfeiern oder einem Familienausflug teilnehmen kann.

Ein weiteres Beispiel: „Wir haben ein neues Café bauen lassen, das jetzt immer noch geschlossen ist, obwohl andere Cafés schon öffnen dürfen. Wir warten allerdings vermutlich bis Ende des Monats, weil wir natürlich unseren Bewohnern anbieten wollen, dass auch sie dort sitzen können.“

Da momentan noch „Cohorting“ praktiziert werde, also dass Bewohner sich möglichst mit anderen Bewohnern auf ihren einzelnen Stationen aufhalten und sich nicht zu viel mischen, für den Fall, dass es einen  Ausbruch gibt, sei es noch nicht zu verantworten gewesen, das Café zu eröffnen. „Wir haben beschlossen, wir möchten auch unseren Bewohnern, die Möglichkeit geben, es von Anfang an zu benutzen, nicht nur von Menschen aus der Community.“

Eva Simo, CEO: “Looking forward to a safer 2021”

Schnell wird klar, dass für Lisa ein „Sich Impfen lassen“ gleich gestellt ist mit Lebensqualität für Senioren und Seniorinnen im TTHA. „Wenn Leute in der Community einfach machen, was sie wollen und dort verbreitet sich das Virus, dann haben unsere Bewohner keine Lebensqualität,“ bringt sie es nüchtern auf den Punkt. “Es geht wirklich darum, nicht immer nur an sich selbst zu denken, sondern auch an unsere Bewohner.“

Ende des Jahres soll jeder in Australien die Impfung erhalten haben koennen

Am Mittwoch findet die zweite Impfrunde in den Tabulam und Templer Homes for the Aged statt. Eva Simo, CEO der TTHA, bringt es auf den Punkt: “After a long year with strict infection control measures and restrictions in place, I was excited that we can offer even more peace of mind to our residents and families. We were very fortunate to be the second home within the eastern suburbs to be offered the opportunity to protect our residents against COVID-19 by being offered the vaccination. We are looking forward to a safer 2021.”

Text: Claudia Löber-Raab, Copyright Deutsche in Melbourne 2021, Photos 5 / 6 Courtesy of TTHA, Kontakt und Anfrage: claudia@deutscheinmelbourne.net

Wer mehr über den Impf-Roll Out erfahren will, für den ist dieser DiM-Artikel interessant.

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