Hobart hin und zurück an einem Tag: So nah und doch Traumwelten entfernt

Hobart für einen Tag? Deutsche in Melbourne wollte wissen, ob sich das lohnt?"Ham and Cheese Toasties" stehen zwar auf der Speisekarte, gibt's aber nicht auf dem Flug von Melbourne nach Hobart. Bevor diese aus dem Toaster hüpfen, sei man schon wieder gelandet, erklärt die Stewardess. Recht hat sie. Nur eine Stunde und 15 Minuten braucht der Flieger, der Melbourne mit Tasmaniens Hauptstadt verbindet.

Hobart ist perfektes Ziel für Melbourner "Tagestouristen" - Personen, die weniger als 24 Stunden an einem beliebten Touristenort verbringen, um etwa Übernachtungskosten zu sparen oder knappe Urlaubszeit optimal zu nutzen. Die Zahl der Hobart "Daý Tripper" ist im vergangen Jahr gestiegen. Lohnt sich ein Tagesausflug? Claudia Raab und ihr Sohn Carrick (7) haben es für Deutsche in Melbourne ausprobiert. Fazit: Traumhaft!

 

Morgens vor 6 ist die Welt noch in Ordnung - auch in Melbourne

4.45 Uhr: Egal ob Western Ring Road, Hume Highway, Tullamarine Freeway - Samstag morgens um 4.45 Uhr sind Melbournes Hauptverkehrsadern, durch die sich Nach dem Tagestrip von Deutsche in Melbourne stand fest: Wir lieben Hobart, We love Hobarttagsüber zu Stoßzeiten Blechlawinen von Autos, Stoßstange an Stoßstange, quälen, ein Traum. Freie Fahrt zum Flughafen. Keine Schlangen am Parkplatz. Einzig müde Gesichter beim Einsteigen in den Bus zum Abflugterminal.

Mit Boarding Pass im iPhone und ohne Gepäck, geht's schnurstracks zum Gate. Von dort in den Flieger, um 6.10 Uhr in die Luft und ab nach Hobart. Nahezu auf die Minute genau zwölf Stunden Tasmanien stehen für uns auf dem Programm. Raus aus dem Alltag. Urlaub im 609 Kilometer entfernten Tasmanien - sei es auch nur für einen Tag. Möglich machen das günstige Flugangebote der Airlines, die versuchen, ihre Flieger mit Touristen zu füllen, wenn Samstag und Sonntag beispielsweise Geschäftsleute ausbleiben, die sonst zwischen Festland und Insel pendeln.

Strahlender Sonnenschein hoch über den Bass Strait Wolken, Regen in Hobart

Ein Stück des Hafens in Hobart in Tasmanien. Die Stadt ist nicht nur bei deutschen Touristen sehr beliebtKein Wunder also, dass unsere Mitreisenden eher wetterfeste Goretex-Jacken, Wander- und Fotoausrüstung tragen, anstelle von Anzug, Aktenkoffer und Krawatte. Tasmanien, mit einer Fläche von rund 68.000 Quadratkilometern, gilt als attraktives Ziel für Naturliebhaber. 40 Prozent der Insel sind als Nationalparks und Weltnaturerbe geschützt. Ein Netz von Wanderwegen zieht sich über die Insel, deren Durchschnittstemperaturen unter denen von Melbourne liegen: Im Sommer um 22, im Winter um 13 Grad.

 Letzteres ist laut Wettervorhersage die Temperatur, die uns in Hobart erwartet, dazu Regen und starker Wind. Kaum zu glauben: Um 6.45 Uhr hoch über den Wolken über der Bass Strait - der Meeresenge, die Tasmanien vom Festland trennt -  zeigt sich schönster Sonnenaufgang. Regen dagegen, holt uns zurück auf den Boden der Tatsachen bei der Landung in Hobart um 7.25 Uhr.

Einst Sträflingskolonie, heute Top-Touristen-Attraktion Tasmaniens

Hier leben rund 212.000 der rund 500.000 Tasmanier. Damit ist die Stadt die größte des Inselstaates vor Launceston sowie gleichzeitig nach Sydney die zweitältesteDas tasmanische Parliamentsgebäude von Hobart Hauptstadt Australiens. Benannt ist die 1804 als Strafkolonie gegründete Stadt übrigens nach dem britischen Politiker Robert Hobart, vierter Earl of Buckinghamshire. Aus dieser Zeit stammt auch Port Arthur. Das ehemalige Strafgefängnis, in das England einst seine Schwerverbrecher schickte, ist nur wenige Kilometer von Hobarts Flughafen entfernt. Heute ist es als Weltkulturerbe klassifiziert und gilt als Top-Touristen-Attraktion Tasmaniens.

Die lassen wir allerdings links liegen, nachdem wir um 8 Uhr unseren Mietwagen samt obligatorischem "Tasmanian Tiger" auf dem Nummernschild abgeholt und uns auf den Weg ins knapp 20 Kilometer entfernte Stadtzentrum befinden. Gewöhnungsbedürftig für Melbournians: In Tasmanien gilt Tempo 50 in der Stadt, nicht wie in Victoria 60. Eine Alternative zum Mietwagen bietet der Airport Shuttle Bus (Hin- und Rückfahrt-Ticket $50). Günstige Winter-Wochenend-Tagestarife verschiedener Mietwagenfirmen machen es finanziell allerdings weitaus attraktiver, sich für einen Tag ein Auto zu leihen. Und das, selbst wenn man anfallende Parkgebühren mitrechnet.

Frühstück? Keine Frage: Auf dem Salamanca Market hat man die Qual der Wahl

Beliebtes Ziel von Australien-Touristen und Tasmaniern: Der Salamanca Market in HobartDie sind längst nicht so heftig wie in Melbourne. Über die Tasman Bridge kommend, die sich über den Derwent River zieht, steuern wir direkt Hobarts berühmten Salamanca Place an. Kurz vor unserem Eintreffen um 8.25 Uhr, wird von Mitgliedern des hiesigen Rotary Clubs der Parkplatz vor Hobarts Parliamentsgebäudes geöffnet. Von hier aus sind es nur wenige Schritte zum Markt und zu den diversen Hafenpiers, von denen historische Segelschiffe für Rundfahrten oder Fähren zu Bruny Island und MONA, dem Museum of Old and New Art, ablegen. Kostenpunkt: Lediglich $5 pro Tag.

Auto geparkt. 8:45 Uhr. Zeit zum Frühstücken. Asiatische Frühlingsrollen gefällig? Amerikanische Donuts, holländische Poffjertes, spanische Churros, deutsche Currywurst, frische Sauerteigbrötchen mit tasmanischem Honig oder Beerenmarmelade? Gratis dazu gibt´s Live Musik und - die Wolkendecke reißt auf - herrlichsten Sonnenschein. Hobart präsentiert sich von seiner besten Seiten. Was für eine angenehme, entspannte Atmosphäre und herrliche Kulisse. Melbournes Samstagroutine ist meilenweit entfernt. Erstaunlich, wie leicht wir hier in Hobart unsere "Seelen baumeln" lassen können!

Zeit, für unsere Verabredung mit MONA - Hobarts Museum of Old and New Art

Wir schlendern von Stand zu Stand - 300 an der Zahl. Jeden Samstag werden sie aufgebaut vor herausgeputzten Sandsteinhäusern, die früher HändleBlick von der Fähre zum Museum of New and Old Art aus auf Hobartrn als Warenhäuser dienten, heute Restaurants, Cafés und Boutiquen beherbergen. In diesem Jahr feiert er sein 40-jähriges Bestehen und ist als Touristenattraktion sowie Anlaufpunkt für Einheimische nicht mehr wegzudenken.

Eher wir es uns versehen, ist es fast 11 Uhr, Zeit für unsere Verabredung mit MONA, dem Museum of Old and New Art, Hobarts neuester - und gleichzeitig umstrittenster - Touristenattraktion (DiM-Bericht folgt). Vom Brooke Pier, fünf Minuten zu Fuß vom Salamanca Market, legt unsere MONA ROMA Fähre ab. MONA ist zwar einfach mit dem Auto zu erreichen, mit dem MONA ROMA Express Bus, öffentlichen Verkehrsmitteln, mit MONA Fahrrädern, die man sich am Ferry Terminal ausleihen kann oder dem MONA Airport Shuttle, der direkt von und zum Flughafen fährt. Wer allerdings den besten Blick auf das herrlich an der Bucht unterhalb des Mount Wellington gelegene Hobart erhaschen will, sollte unbedingt $20 in ein Hin- und Rückfahrt-Ticket investieren und den Wasserweg wählen. Fahrtzeit: knapp 30 Minuten.

Der Aufstieg zur MONA-Kunst - 99 Treppenstufen hoch

Ein Besuch im Museum of Old and Modern Art ist ein Muss, wenn man Hobart einen Besuch abstattetAngekommen an der MONA Anlegestelle, gilt es 99 Stufen zu bewältigen, bevor man den Eingang des 2011 eröffneten Museums erreicht. MONA ist Australiens größtes, privates Museum und gehört dem Tasmanier David Walsh. Seinen Landsleuten gewährt er freien Eintritt. Alle Nicht-Tasmanier, seien sie Australier oder internationale Gäste, zahlen einen Eintrittspreis von $20, um seine außergewöhnliche Sammlung zu sehen.

Nachdem wir mit  iPhone-ähnlichem Führer sowie Kopfhörern und Infos über MONA ausgestattet sind, ist es Zeit fürs Mittagessen. Um 12.05 Uhr sitzen wir in MONAs Café, genießen heiße Schokolade, feinstes Essen und einen atemberaubenden Blick über die Bucht. 16.45 Uhr: Drei Museumsetagen, etliche erstklassige australische und internationale Kunstwerke sowie einen Spaziergang über die Halbinsel Berriedale später, sitzen wir erneut in der MONA ROMA Fähre zurück zum Hafen.

Ein Tag Hobart? Auf alle Fälle wieder! Nächstes Mal mit "Lady Nelson"

Den schauen wir uns rasch noch an, bevor wir um 17.55 Uhr unser Auto starten und zurück zum Flughafen fahren. Hätten wir auf den Spaziergang um MONA Eine Hafenrundfahrt mit der Lady Nelson in Hobart ist ebenfalls attraktivherum verzichtet, hätten wir noch eine 90-minütige Segelturn mit einem der schönsten "Tall Ships" Australiens einschieben können: "Lady Nelson" aus dem Jahr 1799, die in Hobarts Hafen ihre Heimat gefunden hat.

19.10 Uhr hebt unser Flieger ab. Den Boardservice verschlafen wir. Nach der Landung um 20.25 Uhr plündern wir unsere mitgebrachten Vorräte an tasmanischer Apfel- und Pfefferminzschokolade, Schafskäse und Oliven. Melbournes High- und Freeways sind wieder freundlich zu uns, kein Stau. 21.30 Uhr fallen wir ins Bett.  "Können wir das noch mal machen? Einen Tag Hobart und abends wieder zurück", fragt Carrick. Mein "Ja, na klar!" hört er schon nicht mehr. Eingeschlafen! Glücklich!

Das Deutsche in Melbourne-Fazit: Hobart für einen Tag? Ja, bitte!

Witzige Proportionen: Tasmanien ganz groß, Australien ganz kleinHobart hat viel zu bieten. Mehrere Tage in der Stadt oder gar auf Tasmanien zu verbringen, ist optimal. Wer dafür keine Zeit hat - ein Tag Hobart wirkt Wunder! Klare Luft, entspannte Atmosphäre, freundliche Menschen mit - wie es scheint - mehr Zeit als in Melbourne, herrliche Kulisse und mit MONA ein wirklicher Kulturgenuss. Ganz zu schweigen von dem hervorragenden Essen mit frischen tasmanischen Zutaten! Ein Tagesausflug lohnt sich auf alle Fälle!

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Seien Sie gespannt auf ausführliche Berichte über das Museum of Old and Modern Art, sowie den Salamanca Market, die bald folgen