Oper: Von Melbourne direkt auf die Bühne des Staatstheater Wiesbaden

Dr. David Kram und Celeste Haworth beim Vorsingen für das deutsch-australische Opern-Stipendium für junge Australier in MelbourneEine außergewöhnliche deutsch-australische Brücke schägt der German-Australian Opera Grant, der von der australischen Organisation More Than Opera, dem Hessischen Staatstheater Wiesbaden und Henkell Brothers Investment Managers angeboten wird.

Dieses deutsch-australische Opern-Stipendium gibt jungen, talentierten, australischen Nachwuchssängern und -sängerinnen seit über zehn Jahren die Möglichkeit, zwölf Monate am Hessischen Staatstheater Wiesbaden engagiert zu sein. Doch zuvor müssen die jungen Australier ihr Können vor einer hochkarätigen deutsch-australischen Jury unter Beweis stellen. Deutsche in Melbourne war dabei.

Deutsch-australisches Stipendium als Sprungbrett für internationale Karriere

Frances Raggio könnte nicht stolzer sein. Aufrecht sitzt sie in der ersten Reihe des Balkons im Zuschauerraum des Der Australier Eugene Raggio bewirbt sich um den German-Australian-Opera-Grant, der ihm ein Engagement am Hessischen-Staatstheater in Wiesbaden garantieren würde.Lithuanian Club Theatre in North Melbourne und schaut gebannt auf die Bühne. Dort steht ihr Sohn, Eugene Raggio, und hört aufmerksam Dr. David Kram zu, General Director von "More Than Opera", der ihm Anweisungen gibt.

Mehr "legato" will Kram von dem jungen australischen Bariton hören, der sich gemeinsam mit neun weiteren australischen Nachwuchssängern und -sängerinnen um den heißbegehrten "German-Australian Opera Grant" bewirbt - ein deutsch-australisches Opern-Stipendium, das in Australien als Sprungbrett für eine internationale Karriere gilt und dem Gewinner unter anderem ein einjähriges Engagement am Hessischen Staatstheater Wiesbaden einbringt.

Mutterstolz: "He is born to the stage. Don´t you think?"

Dafür also soll Eugene Raggio, der übrigens nicht nur Sänger, sondern auch Schauspieler, Komponist und Organist ist, Sein Können zeigen muss der australische Bariton Eugene Raggio, hier mit Direktor von More than Opera, Dr. David Kram, beim Vorsingenmehr gebundene, fließende Töne produzieren. Eugene nickt, sammelt sich, schaut kurz zu Pianistin Phillipa Safey zu seiner Rechten, atmet und beginnt erneut zu singen. Kraftvoll erfüllt die Stimme des jungen Australiers das Theater und zaubert ein Lächeln auf das Gesicht seiner Mutter, die extra aus Adelaide angereist ist, um bei dem Vorsingen dabei zu sein. "I have not heard him sing for a long time", flüstert sie und meint voller Stolz: "He is born to the stage. Don´t you think?"

Für die Bühne geboren - das scheinen alle der Bewerber für das deutsch-australische Opern-Stipendium zu sein: die Tenöre Thomas Strong und Matthew Reardon ebenso wie Sarah Lobegeiger, Joelene Griffith, Clarissa Spata, Celeste Haworth und Rebecca Rashleigh (alle Sopran) und Eugenes Bariton-Kollegen Sam Roberts-Smith und Matthew Lowe. Sie gehören momentan zu den vielversprechensten Nachwuchsopernsängern und -sängerinnen Australiens.

Erste Schritte ins Rampenlicht sind die schwierigsten

Dass deren erste Schritte ins Rampenlicht beziehungsweise auf die großen Bühnen, die schwierigsten sind, weiß in derEine der Bewerberinnen um den German Australian Opera Grant ist Celeste Haworth Theater- und Musikwelt jeder. Besonders in Australien, einem Land, in dem die Auftrittsmöglichkeiten geringer als beispielsweise in Europa sind. Hier will "More than Opera" in Kooperation mit dem Hessischen Staatstheater Wiesbaden den jungen australischen Künstlern helfend unter die Arme greifen. Genau dies ist auch die Idee, die hinter "More than Opera" steht - einer Institution, die auf Dr. David Kram zurück geht, der in den 90er Jahren der Meinung war, dass Australien eine professionelle Organisation brauche, die jungen Künstlern Karrieremöglichkeiten bietet.

Gegründet im Jahr 2000 ist es die Vision von "More than Opera", die Musikgattung Oper eine größere Rolle im alltäglichen Leben eines jeden spielen zu lassen und sie der Allgemeinheit zugänglicher, wichtiger und für sie attraktiver zu machen. Als Dr. David Kram 2002 mit Hans Henkell, deutscher Investment Manager und Opernliebhaber mit Wahlheimat Melbourne, Bekanntschaft schloß, entstand daraus eine außergewöhnliche deutsch-australische Verbindung und Zusammenarbeit, die zur Entstehung des German Australian Opera Grant führte. Angeboten wird er nun bereits im zwölften Jahr von "More than Opera", dem Hessischen Staatstheater Wiesbaden sowie Henkell Brothers Investment Managers und wird von Hans Henkell administriert.

Intendant des Hessischen Staatstheater Wiesbaden bei der Auswahl dabei

Befragung von der Jurz, der auch der neue Intendant des Hessischen Staatstheaters Wiesbaden angehört, Uwe Eric LaufenbergDer gebürtige Wiesbadener ist auch Teil der Jury, die nach Eugene nun Celeste Haworth aus New South Wales nach ihrem Vorsingen zu sich ruft. Die Fragen von Uwe Eric Laufenberg, dem neuen Intendanten des Hessischen Staatstheater Wiesbaden, der ebenfalls zur Jury gehört, kann die junge Australierin sogar auf Deutsch beantworten. Sie ist gerade zurück gekehrt aus Österreich.

"We missed her dreadfully", gesteht ihre Mutter, die Celeste von ihrem Sitz auf dem Balkon aus die Daumen drückt. Bereits als Kind habe ihre Tochter zu jeder Gelegenheit gesungen, sagt sie. Sie heute auf der Bühne zu sehen, mache sie, ebenso wie Celestes Vater Own, "extremely proud" und glücklich, auch wenn - sollte Celeste gewinnen und ihren Traum erfüllen können - ein weiterer Auslandsaufenthalt für ihre Tochter ansteht.

Australier Christopher Rickerby auf deutscher Bühne: "Living my dream"

Und dass das deutsch-australische Opernstipendium in der Tat die Verwirklichung eines Traumes bedeutet, bestätigt nicht nur Christopher Rickerby, der es im Jahr 2013 gewonnen hat. "The curtain rises as the Bereits zum zwölften Mal findet in Melbourne das Auswahlverfahren für das außergewöhnliche deutsch-australische Opernstipendium stattorchestra plays the opening bars of the scene and suddenly I am hit by the fact that I am there on the stage in Wiesbaden, with a full orchestra, a full opera house, living my dream," erinnert sich der Australier, dessen fünfjährige Tochter ihn während seines Deutschland-Aufenthalts begleitete und in einem Wiesbadener Kindergarten so rasch Deutsch lernte, dass sie dort bei der Schneewittchen-Vorführung bereits auf der Bühne mitmachen konnte.

Einige ehemalige Stipendiaten sind sogar in Deutschland geblieben, da sie dort Engagements gefunden haben, wie beispielsweise Christopher Busietta (Gewinner 2009), der jetzt im Augsburger Theater auftritt, oder Emma Pearson (Gewinnerin 2005), die dem Hessischen Staatstheater Wiesbaden treu geblieben ist. Auch wen es wieder zurück nach Australien zieht, so wie Hayley Sugars, die den German-Australian Opera Grant 2011 gewann, verdankt dem Aufenthalt in Deutschland vieles. Hayley: "My experience in Germany was wonderful and although I miss living and working there very much, the opportunities it provided me have set me in good stead for future employment in Australia."

Auswahlverfahren: Erst zehn, dann vier, dann einer

Mittlerweile sind im Lithuanian Club Theatre in North Melbourne zumindest vier Kandidaten ihrem Traum näher Glückliche Gewinnerin des Australian German Opera Grant 2015, Celeste Haworth, mit Hans Henkell, der das Opern Stipendium administriertgekommen. Die Preisrichter Dr. David Kram, der Tenor Peter Mander (Monash University), Bassist Ian Lowe (Lieder Society of Victoria), die Sängerin Linda Thompson (The Opera Studio Melbourne), Hans Henkell und Uwe Eric Laufenberg haben Celeste Haworth, Matthew Lowe, Rebecca Rashleigh und Sam Roberts-Smith für das Finale auserkoren. Dieses wird am nächsten Tag in der Deakin Edge am Melbourner Federation Square stattfinden.

"I am glad I don`t have to make the decision who to send to Germany. All of them are so talented", wird dann eine der älteren Zuhörerinnen sagen, die sich schon seit Monaten auf das sogenannte Finalist Concert freut, und von der ersten bis zur letzten Minute mit den jungen australischen Sängern und Sängerinnen mitfiebert. Zu ihrem großen Bedauern kann das Stipendium jedoch nur einmal vergeben werden. Und 2014 ist Celeste Haworth die Gewinnerin (im Foto links mit Hans Henkell).

Glückliche Gewinnerin Celeste Haworth: "I am overwhelmed"

Alle vier Gewinner des German Australian Opera Grant 2015 in Melbourne"I am overwhelmed", strahlt diese und kann ihr Glück noch gar nicht fassen. Schlaflose Nächte und Daumendrücken von ihren Eltern Cherrie und Own haben sich gelohnt. Sie planen übrigens gerade ihre nächste Auslandsreise. Eins ist sicher: Wiesbaden wird ganz oben auf der Liste stehen.

Matthew Reardon gewann übrigens den Audience Award, Rebecca Rashleigh den More than Opera Development Grant und Sam Roberts-Smith den Encouragement Grant. Wer mehr über den German-Australian Opera Grant wissen und ihn durch Spenden unterstützen möchte, kann weitere Informationen auf der GOAG-Site finden.

More than Opera    Hessisches Staatstheater Wiesbaden

Text: Claudia Raab, Fotos: Claudia Raab, Fotos 7 und 8 Courtesy of German Australian Opera Grant