Gelebte Freundschaft: Deutsch-Französische Ausstellung in Melbourne

Jutta Held von der deutschen Botschaft in Canberra reist extra zur Ausstellungseröffnung über deutsch-französische Freundschaft im Goethe-Institut Melbourne anDen Élysée-Vertrag, einen deutsch-französischen Freundschaftsvertrag, unterzeichneten Bundeskanzler Konrad Adenauer und Staatspräsident Charles de Gaulle vor über 50 Jahren. Ihm widmen jetzt die Sprach- und Kulturorganisationen Deutschlands und Frankreichs in Melbourne eine Ausstellung: eine Hälfte ist bis Freitag, 12. September, im Goethe-Institut zu sehen, die andere in der Academie Francaise.

Eröffnet wurde sie jetzt im Goethe-Institut mit vielen Vertretern beider Nationen, von denen etliche deutsch-französisch verknüpft sind. Vom Honorargeneralkonsul Deutschlands, der ein französisches Auto fährt, bis hin zum Leiter des Goethe-Institut Australiens, dessen Tochter französischsprachig aufwächst. DiM-Autorin Christine Pierk berichtet.

Könnten Teil der Ausstellung sein: Deutsch-französisches Ehepaar Ankenbrand

Sie könnten selbst Teil der Ausstellung sein – das Ehepaar Brigitte und Volker Ankenbrand. Die Französin und der Bestes Beispiel für Deutsch-Französische Freundschaft: das deutsch-französische Ehepaar Volker und Brigitte Ankenbrandt, das seit 27 Jahren verheiratet ist, lebt hier in MelbourneDeutsche sind seit 27 Jahren verheiratet und haben sich in Spanien kennen gelernt. Nachdem sie lange zusammen in Deutschland gewohnt haben, sind sie vor 14 Jahren zusammen mit ihren drei Kindern nach Melbourne gekommen.

Ob seine Frau ihn als typisch Deutsch bezeichnen würde? Da muss Volker Ankenbrand lachen: „Meine Frau ist organisierter als ich, ich habe wahrscheinlich zu lange in Spanien gelebt." Brigitte Ankenbrand dagegen vermisst eher Deutschland als Frankreich und bezeichnet die Bundesrepublik als ihre Heimat. Das deutsch-französische Paar, das sich hauptsächlich auf Deutsch miteinander unterhält, betrachtete daher mit großem Interesse die Ausstellung „Histoires Croisées" im Goethe-Insitut Melbourne an der 448 St Kilda Road.

Dr. Arpad Sölter: Ehemalige Feinde bilden heute Herz Europas

Wahre deutsch-französische Kooperation in Australien: Gabriele Urban vom Goethe-Institut Melbourne und Saliha LeFevere von der Alliance Francaise in MelbourneDiese wurde anlässlich des Tages der Deutsch-Französischen Freundschaft vom Goethe-Institut Melbourne und der Alliance Francaise de Melbourne sowie mit Unterstützung der RMIT Universität eröffnet. „Ehemalige Feinde bilden heute das Herz Europas und ohne sie würde sich Europa nicht weiterentwickeln", so charakterisierte Dr. Arpad Sölter, Direktor des Goethe-Instituts Australien, die deutsch-französische Freundschaft.

In seinem Grußwort – das aufgrund einer terminlichen Überschneidung nicht von ihm persönlich gehalten, sondern von Gabriele Urban, Kulturbeauftrage des Goethe-Instituts Melbourne, gemeinsam mit Saliha LeFevre von der Alliance Francaise Melbourne (im Foto v.l.n.r) vorgelesen wurde – legte er auch seine private Verbindung zu Frankreich dar: Die Muttersprache seiner Tochter ist Französisch.

Tiefe Freundschaft zwischen Charles de Gaulle und Konrad Adenauer

Bevor Michael R. Pearce, der Generalhonorarkonsul der Bundesrepublik Deutschland in Melbourne, auf die BedeutunViele Vertreter der deutschen und französischen Community in Melbourne nahmen an der Ausstellungseröffnung teilg Konrad Adenauers für das Zustandekommen des Élysée-Vertrages einging, begann er seine Rede mit einem Geständnis, das bei den Gästen für Heiterkeit sorgte: „Ich fahre kein deutsches Auto, sondern mein ganzes Leben lang schon ein französisches."

Begeistert berichtete im Anschluss daran Isabelle Costa de Beauregard-Robertson, die von 1992 bis 1997 Generalkonsulin von Frankreich in Melbourne war, wie die Erfahrungen Charles de Gaulles während des Ersten Weltkriegs den Weg für seine spätere enge Beziehung zu Deutschland ebneten. „De Gaulle und Adenauer hatten sich innerhalb von zwei Jahren 15 Mal getroffen, es gab intensive Gespräche, lange Abendessen und eine tiefe Freundschaft zwischen den beiden Politikern", erklärte die Französin.

Gilbert Ducasse, Präsident der Alliance Francaise Melbourne, liebt deutsche Sprache

Zur Erinnerung an die Unterzeichnung des Élysée Vertrags vor über 50 Jahren gibt es eine kooperative Ausstellung im Goethe-Institut Melbourne und der Alliance FrancaiseAls Gilbert Ducasse, der Präsident der Alliance Francaise de Melbourne, im Alter von 20 Jahren das erste Mal Deutsch hörte, war das „Musik in meinen Ohren" und er verliebte sich sofort in die Sprache. Während Ducasse auf die gute und vielfältige Zusammenarbeit mit dem Goethe-Institut in Melbourne verwies, dankte er auch besonders der für die Unterstützung der Ausstellung.

Voller Tatendrang ließ er die Gäste wissen, dass die deutsch-französische Freundschaft auch in Zukunft durch die verschiedensten Veranstaltungen gefeiert werden soll. Der Fokus soll dabei auch besonders auf der Jugend liegen. „Die Zukunft der EU hängt von einem starken Deutschland und einem starken Frankreich ab, die eng zusammen arbeiten müssen", betonte dann Prof. Bruce Wilson, Direktor des European Union Centers der RMIT Universität.

Aussöhnung Deutschlands und Frankreichs wichtig

„Obwohl de Gaulle und Adenauer sehr unterschiedliche Positionen vertreten haben – für Adenauer waren Parteien Die Ausstellung Histoires Croisees im Goethe-Insitut Melbourne zeigt, wieviele Deutsche und Franzosen eine Verküpfung miteinander habenwichtig, wohingegen de Gaulle mehr auf direkte Demokratie setzte, verstanden sie sich überraschenderweise sehr gut und verfolgten beide das gleiche Ziel: die Aussöhnung beider Länder und eine enge deutsch-französische Freundschaft", legte schließlich der Brite Dr. Ben Wellings von der Monash Universität dar.

Die Ausstellung, die vom Goethe-Institut in Paris konzipiert worden ist, stellt 50 deutsch-französische Paare, Freunde und Politiker vor und verdeutlicht das Besondere ihrer Verbindung. Die Hälfte der Ausstellung ist noch bis zum 24. August bei der Alliance Francaise de Melbourne (51 Grey Street, St. Kilda) und die andere Hälfte bis zum 12. September im Goethe-Institut (448 St. Kilda Road) zu den üblichen Bürozeiten zu sehen.

„Das Schöne an der Ausstellung ist, dass sie über das Politische hinausgeht und zeigt, dass der Frieden zwischen beiden Ländern schon seit langer Zeit durch die intensiven Verflechtungen im familiären und freundschaftlichen Bereich gewährleistet wird", fasste Saliha Lefevre von der Alliance Francaise de Melbourne das Besondere dieser Ausstellung zusammen.

Text: Christine Pierk für Deutsche in Melbourne, Fotos: Christine Pierk und Claudia Raab

Ausstellung “Histoires Croisées” im Goethe Institut und bei der Alliance Francaise:

Gelebte Freundschaft Ein Franzose liebt die deutsche Sprache und der deutsche Honorarkonsul fährt ein französisches Auto

Sie könnten selbst Teil der Ausstellung sein – das Ehepaar Brigitte und Volker Ankenbrand. Die Französin und der Deutsche sind seit 27 Jahren verheiratet und haben sich in Spanien kennen gelernt. Nachdem sie lange zusammen in Deutschland gewohnt haben, sind sie vor 14 Jahren zusammen mit ihren drei Kindern nach Melbourne gekommen. Ob seine Frau ihn als typisch Deutsch bezeichnen würde? Da muss Volker Ankenbrand lachen: „Meine Frau ist organisierter als ich, ich habe wahrscheinlich zu lange in Spanien gelebt.“ Brigitte Ankenbrand dagegen vermisst eher Deutschland als Frankreich und bezeichnet die Bundesrepublik als ihre Heimat. Das deutsch-französisches Paar, das sich hauptsächlich auf Deutsch miteinander unterhält, betrachtete daher mit großem Interesse die Ausstellung „Histoires Croisées“. Diese wurde anlässlich des Tages der Deutsch-Französischen Freundschaft vom Goethe Institut Melbourne und der Alliance Francaise de Melbourne sowie mit Unterstützung der RMIT Universität eröffnet.

Zahlreiche Treffen zwischen de Gaulle und Adenauer

„Ehemalige Feinde bilden heute das Herz Europas und ohne sie würde sich Europa nicht weiterentwickeln“, so charakterisierte Dr. Arpad Sölter, Direktor des Goethe Instituts Australien, die deutsch-französische Freundschaft. In seinem Grußwort – das aufgrund einer terminlichen Überschneidung nicht von ihm persönlich gehalten, sondern von Gabriele Urban vorgelesen wurde – legte er auch seine private Verbindung zu Frankreich dar: Die Muttersprache seiner Tochter ist Französisch. Bevor Michael R. Pearce, der Honorarkonsul der Bundesrepublik Deutschland in Melbourne, auf die Bedeutung Konrad Adenauers für das Zustandekommen des Elysée-Vertrages einging, begann er seine Rede mit einem Geständnis, das bei den Gästen für Heiterkeit sorgte: „Ich fahre kein deutsches Auto, sondern mein ganzes Leben lang schon ein französisches.“ Begeistert berichtete im Anschluss daran Isabelle Costa de Beauregard-Robertson, die von 1992 bis 1997 Generalkonsul von Frankreich in Melbourne war, wie die Erfahrungen Charles de Gaulles während des Ersten Weltkriegs den Weg für seine spätere enge Beziehung zu Deutschland ebneten. „De Gaulle und Adenauer hatten sich innerhalb von zwei Jahren 15 Mal getroffen, es gab intensive Gespräche, lange Abendessen und eine tiefe Freundschaft zwischen den beiden Politikern“, erklärte  die Französin.

Enge Zusammenarbeit zwischen Goethe Institut und Alliance Francaise

Als Gilbert Ducasse, der Präsident der Alliance Francaise de Melbourne, im Alter von 20 Jahren das erste Mal Deutsch hörte, war das „Musik in meinen Ohren“ und er verliebte sich sofort in die Sprache. Während Ducasse auf die gute und vielfältige Zusammenarbeit mit dem Goethe Institut in Melbourne verwies, dankte er auch besonders der RMIT für die Unterstützung der Ausstellung. Voller Tatendrang lässt er die Gäste wissen, dass die deutsch-französische Freundschaft auch in Zukunft durch die verschiedensten Veranstaltungen gefeiert werden soll. Der Fokus soll dabei auch besonders auf der Jugend liegen. „Die Zukunft der EU hängt von einem starken Deutschland und einem starken Frankreich ab, die eng zusammen arbeiten müssen“, betonte dann Prof. Bruce Wilson, Direktor des European Union Centers der RMIT Universität. „Obwohl de Gaulle und Adenauer sehr unterschiedliche Positionen vertreten haben – für Adenauer waren Parteien wichtig, wohingegen de Gaulle mehr auf direkte Demokratie setzte, verstanden sie sich überraschenderweise sehr gut und verfolgten beide das gleiche Ziel: die Aussöhnung beider Länder und eine enge deutsch-französische Freundschaft“, legte schließlich der Brite Dr. Ben Wellings von der Monash Universität dar. 

Über die Politik hinaus vielfältige Beziehungen

Die Ausstellung, die vom Goethe Institut in Paris konzipiert worden ist, stellt 50 deutsch-französische Paare, Freunde und Politiker vor und verdeutlicht das Besondere ihrer Verbindung. Die Hälfte der Ausstellung ist noch bis zum 24. August bei der Alliance Francaise de Melbourne (51 Grey Street, St. Kilda) und die andere Hälfte bis zum 12. September im Goethe Institut (448 St. Kilda Road) zu den üblichen Bürozeiten zu sehen. „Das schöne an der Ausstellung ist, dass sie über das Politische hinausgeht und zeigt, dass der Frieden zwischen beiden Ländern schon seit langer Zeit durch die intensiven Verflechtungen im familiären und freundschaftlichen Bereich gewährleistet wird“, fasste Saliha Lefevre von der  Alliance Francaise de Melbourne das Besondere dieser Ausstellung zusammen.

 

Infokasten Elysée-Vertrag

Im Januar 1963 unterzeichnen der französische Staatspräsident Charles de Gaulle und Bundeskanzler Konrad Adenauer im Pariser Élysée-Palast den Vertrag über die deutsch-französische Zusammenarbeit – den so genannten „Elysée-Vertrag“. Dieser wurde damit zu einem der wichtigsten Schritte auf dem Weg zur Aussöhnung der Nachbarn und früheren Feinde. In diesem Vertrag verpflichteten sich beide Länder nur 18 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges zu einer weitreichenden politischen Zusammenarbeit, die regelmäßige Treffen der Regierungsvertreter, politische Absprachen und besonders auch eine enge Kooperation in der Jugendpolitik einschloss.