Verbunden in Trauer: Deutsch-australischer Gottesdienst in Melbourne

Dr. Andreas Löwe, Michael Pearce und Pastor Christoph Dielmann in MelbourneRund 16.100 Kilometer ist Melbourne in Australien von München in Deutschland entfernt. Doch erschüttert von dem kürzlichen Terroranschlag in der bayerischen Hauptstadt sind Menschen in beiden Städten gleichermaßen.

Der in München geborene Dean der anglikanischen St. Paul's Kathedrale gegenüber Flinders Street Station, Dr. Andreas Löwe (links neben Honorargeneralkonsul Michael Pearce), lud daher zu einem deutsch-australischen Gedenkgottesdienst ein. Mit Pastor Christoph Dielmann der deutschen Dreifaltigkeitsgemeinde Melbourne (rechts), gab er Deutschen, Franzosen und Menschen aller Nationen Gelegenheit, gemeinsam zu trauern, aber auch Hoffnung zu teilen und Stärke zu demonstrieren. DiM berichtet.

Vereint in Trauer: Freistaat Bayern Plakatte neben australischer Flagge

Die ovale, weiße Plakette mit der Aufschrift "Freistaat Bayern" samt bayerischem Wappen hatte Gedenkgottesdienst in Melbourne anläßlich der Gewaltakte in DeutschlandDekan Dr. Andreas Löwe einst auf dem Speicher des Hauses seiner Mutter gefunden und als Erinnerung an seine Geburtsstadt mit nach Melbourne genommen.

Dass er sie während eines Gedenkgottesdienstes zu Ehren der Opfer der Terroranschläge in Deutschland und Frankreich in "seiner" Kathedrale eines Tages neben der australischen Flagge aufstellen sollte, daran hatte er wohl kaum gedacht.

"Wir sind weit weg von Europa und nah"

Es war ein trauriger Anlaß, zu dem sich zahlreiche Deutsche - viele mit Wahl-Heimat Melbourne, aber auch Touristen - Franzosen, Australier und Gottesdienstbesucher vieler verschiedener Vereint im Gottesdienst: Pastor Christoph Dielmann und Dr. Andreas Löwe, Dean des St. Paul´s CathedralNationen, getroffen hatten. Sie alle wollten den Menschen gedenken, die ihr Leben während der vergangenen Gewaltakte speziell in Deutschland und Frankreich verloren haben, und ihre Trauer gemeinsam ausdrücken. Vielen wurde aus dem Herzen gesprochen, als es hieß: "Wir sind weit weg von Europa und nah, weil wir Verwandte dort haben und mit ihnen fühlen."

Doch das war nicht der einzige Grund, warum Dekan Löwe in die Melbourner St. Paul´s Kathedrale einlud: "I believe that particularly in the light of such events, in the midst of mourning and anxiety, of uncertainty and hopelessness, it is vital that we reaffirm our faith in the God who assures, calls and equips us to live lives that speak of a greater good than ourselves. We are enabled to be God's signs of peace regardless of terror and fear, whenever we choose to continue to pray, love and embrace even when others choose to hate, kill and exclude."

 

Universelle Sehnsucht nach "Einigkeit und Recht und Freiheit"

Man sei zusammen gekommen, als Menschen, die betroffen sind, fern von der Heimat, in einer ökumenischen Geste. Neben Michael Pearce, dem Honorargeneralkonsul der Bundesrepublik Deutschland in Victoria, begrüßte Löwe ebenfalls Gemeindeglieder der deutschen lutherischen als auch der deutschen katholischen Kirche in Melbourne, sowie Vertreter der deutschen Gemeinschaft Bettina Schellenberg Harley von der deutschen Dreifaltigkeitsgemeinde in Melbourne in der St Pauls Kathedraleinsgesamt. Sie alle seien "Botschafter des Friedens", die sich - wie in der deutschen Nationalhymne festgehalten - nach "Einigkeit, Recht und Freiheit", nach Frieden sehnten, betonte der Dean.

Frieden, der unterschiedliche Sprachen und Kulturen überwindet, ähnlich dem deutsch-englischen Gedenkgottesdienst in St Paul´s. Teilnehmende sangen Lieder gleichzeitig auf Deutsch und Englisch, beteten Gebete in beiden Sprachen. Auch die Predigttexte wurden bilingual präsentiert. Letztere verlasen Honorargeneralkonsul Michael Pearce, und Bettina Schellenberg-Harley (im Foto auf der Kanzel) von der Dreifaltigkeitsgemeinde sowie die junge Deutsche Luise Ahlborn und Lay Canon Michael Shand. Pastor Christoph Dielmann und Michael Bigg sprachen die Fürbitte.

Hand ausstrecken, um die Welt zu verändern

Der Chor des St Pauls Cathedral umrahmte den deutsch-australischen GottesdienstIn seiner Predigt griff Dean Dr. Andreas Löwe noch einmal auf, was Honarargeneralkonsul Pearce demonstrierte mit dem Anzünden der Kerze auf dem kleinen Tisch neben der Freistaat Bayern-Plakette, dem Blumengesteck in Deutschlandfarben und weißen Kallas: das Thema Hoffnung.

Er erinnerte daran, dass man die Welt verändern könne, strecke man die Hand aus zu Flüchtlingen und helfe ihnen, Teil der Gemeinschaft zu werden, die nicht das Schlachtfeld sei eines anderen Teils der Welt. Musikalisch umrahmt wurde der Gottesdienst von dem Cathedral Choir of Men and Boys unter Philip Nicholls, begleitet von Cathedral Organist, Siegfried Franke.

 Kirchbesuch mit Fremden verbindet: "Gemeinsam sind wir stark"

Sichtlich beeindruckt und bewegt von dem Gottesdienst zeigte sich das Münchner Ehepaar Walter und Gertrud Schellbig. "Damit hätte ich nicht gerechnet," meinte der 67-Jährige. "Wir sind zufälligHonorargeneralkonsul der Bundesrepublik Deutschland in Victoria, Michael Pearce in die Kirche gekommen, weil wir gerade die Stadt zu Fuß besichtigen. Uns hat es gut getan, dass auch hier die Menschen wissen, wie schlimm dieser Anschlag für uns war. Weil wir in Australien waren, als es passiert ist, hatten wir keinen, mit dem wir so richtig darüber sprechen konnten. Die Predigt hat uns gut getan, auch wenn wir nicht alles verstanden haben."

"Ich habe gar nicht daran gedacht, dass es Deutsche gibt, die in Melbourne leben und auch Zusprache brauchen. Der gemeinsame Gottesdienst von Deutschen, Franzosen und Australiern ist eine gute Sache," fügt seine Frau hinzu. "Trost brauchen wir alle, egal, welche Sprache wir sprechen und in welche Kirche wir gehen. So unterstützen wir uns und halten zusammen. Gemeinsam sind wir stark, heißt es doch. Das sehe ich jetzt, wenn es am anderen Ende der Welt, eine Kirche gibt, in die wir als Fremde auch gehen können. Mit anderen Fremden - das verbindet dann."

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