Stipendien für Deutschland vergeben: Integration in Deutschland Thema

Kirsten Aakov und Rebecca Hyland - Gewinnerinnen der AGA StipendienJedes Jahr vergibt die AGA, die Australian German Association,  mit dem Goethe-Institut Stipendien an junge Australier und Australierinnen, die zu einem von ihnen ausgewählten deutsch-australischen Thema forschen möchten.

Jetzt gab die 1974 von australischen Geschäftsleuten gegründete Organisation, die diesjährigen Stipendien-Gewinnerinnen bekannt: Rebecca Hyland und Kirsten Aaskov werden Ende des Jahres ihren Forschungsaufenthalt in Deutschland antreten. Ihre Studienthemen sind brandaktuell: Asylbewerber in Deutschland.

 

Flugtickets, $6000 sowie Sprachkurs am Goethe-Institut

Es war eine angenehm passende Örtlichkeit, in der die Vergabe der alljährlichen AGA-Goethe-Stipendien im Beisein von Michael Pearce, des Honorar Generalkonsuls der Bundesrepublik Deutschland in Melbourne, stattfand. In der LUMAS Galerie Richmond, umrahmt von Fotografien zeitgenössischer, deutscher Lumas Galerie Richmond war Ort der Vergabe der AGA StipendienKünstler mit internationalem Erfolg, konnten Kirsten Aaskov und Rebecca Hyland ihre Freude kaum verbergen. Die Jury, bestehend aus Vertretern und Vertreterinnen der Australian German Association (AGA) und dem Goethe-Institut Melbourne, hielten ihre Vorschläge für deutsch-australische Forschungsprojekte für so gut, dass sie den beiden Australierinnen Stipendien verlieh, um die Projekte zu realisieren.

Die AGA sei dabei der "enabler"; das Goethe-Insititut ermögliche die Kommunikation auf Deutsch, erklärte Peter Dreher, AGA Executive Officer. Für die Stipendiatinnen bedeutet dies: eine Summe von jeweils $6000 für einen Studienaufenthalt in Deutschland bis zu zwölf Wochen, Hin- und Rückflugtickets sowie einen vierwöchigen Sprachkurs an einem Goethe-Institut in Deutschland.

 Positive Geschichten von Asylbewerbern und ihrer neuen Heimat

"I am very excited and grateful", freute sich Stipendiatin Kirsten Aaskov, nachdem Richard Middlemann, zuständig für die AGA-Goethe-Stipendien, vor den rund 50 anwesenden Gästen die gute Nachricht verkündete. Ziel der Richard Middlemann von der Australian German Assocition und Kirsten AaskovMelbourner Juristin ist es, im Rahmen ihres Projektes persönliche Geschichten zu sammeln über positive Begegnungen zwischen Asylbewerbern in Deutschland und ihren neuen Communities. "I'm hopeful that my project might inspire others to create their own connections with asylum seekers or refugees here in Australia", sagt die gebürtige Queensländerin.

"Given the sheer scale of  arrivals of people into Germany, particularly since 2015, I think it's a timely theme to explore", meint die 34-Jährige. Mit der deutschen Sprache und Kultur ist sie übrigens bereits bekannt. Sie hat Deutsch schon in der Schule gelernt sowie unter anderem während ihres Masterstudiengangs "International Affairs" ein Jahr in Berlin studiert.

Inspiriert von aktueller Flüchtlingssituation in Deutschland

Doch nicht nur die aktuelle Flüchtlingssituation in Deutschland hat Kirsten zu ihrem Forschungsprojekt inspiriert, sondern auch persönliche Erfahrungen: "I have moved a fair bit within Australia," erzählt sie. Verbracht hat sie nicht nur einige Jahre in London, sondern auch in Kanada und der Schweiz. Dabei habe sie die Frage oft beschäftigt: "How do people, who moved by choice or were forcefully displaced, establish themselves or a sense of home?" Während ihres Aufenthalts in Deutschland wird sie eventuell auch auf diese Frage, Die Melbourner Juristin Kirsten Aaskov will mit Geschichten ueber Asylbewerber Menschen zusammenbringeneiner Antwort näher kommen.

Auf die Idee gebracht, sich bei der AGA um ein Stipendium zu bewerben, hat sie übrigens die australische Autorin Anna Funder. Kirstens Schwester hatte ihr Funders Buch "Stasiland" empfohlen. Dazu hatte Funder Deutsche interviewt, die in der ehemaligen DDR für oder aber gegen die Stasi gearbeitet hatten. In ihrer Danksagung erwähnte Funder die AGA, die ihr 1994 ein Stipendium verlieh und einen Recherche-Aufenthalt in Berlin ermöglichte. Kirsten zögerte nicht lang und reichte ihren Stipendien-Antrag in Windeseile kurz vor Ablauf der Bewerbungsfrist ein. Mit Erfolg!

 Praktikum beim German Marshall Fund inspirierte

Den Erfolg teilt sie mit Rebecca Hyland. Die Melbournerin hat gerade ihren Bachelor of Arts in "International Politics" und Germanistik an der University of Melbourne abgeschlossen. Im Gegensatz zu Kirsten, hat die 27-Jährige erst nach der Schule während eines Aufenthalts als Au Pair damit begonnen, Deutsch zu lernen. Auch sie verbrachte ein Jahr als Austauschstudentin in Berlin - der Stadt, in die sie 2015 zurück kehrte, um ein Praktikum beim German Marshall Fund zu absolvieren.

In dieser Zeit half sie, ein sogenanntes "Integration Strategy Group" (ISG)-Treffen zu organisieren von Integrationsexperten aus Deutschland, der Türkei und Marokko. Die Diskussionen der Experten inspirierten die 27-Jährige für ihr Forschungsprojekt, das speziell auf die Integration von Kindern von Rebecca Hyland ist Gewinnerin des Stipendiums der Australian German AssociationAsylbewerberb fokusiert. "Education-Related Integration Initiatives in Germany - What Can They Learn From Australia's History of Integration Initiatives and Multiculturalism" ist das Thema.

Ausgezeichnete Bildung Schlüssel zum Integrationserfolg

"I have chosen to focus my topic on education-related initiatives because all the experts and practitioners at the ISG agreed - high quality education is the key to successful integration, no matter the origin country or the recipient country," sagt Rebecca. Da Australien ein Land sei, von dem man sagen könne, dass es seine Migranten erfolgreich integrieren kann, könne Deutschland mit seiner aktuellen Flüchtlingssituation von australischen Erfahrungen profitieren, meint sie.

Rebeccas Ziel ist es, ein länderübergreifendes Netzwerk zu bilden, in dem sich Experten, Erzieher und Pädagogen, die Kinder integrieren, gegenseitig unterstützen können. Dazu wird sie sich zunächst auf die Suche begeben nach Schulen oder Vereinen in Deutschland, die eine erfolgreiche, vielleicht auch unkonventionelle Methode anweden, um Migrantenkinder Teil ihrer neuen Heimat werden zu lassen und ihnen Deutsch beizubringen. Wer Tipps hat, kann sich gern melden. Auf die angehende Masterstudentin der "Europa Wissenschaften" wird dabei viel Arbeit zukommen. Doch sie ist optimistisch: Auch kleine Schritte führen zum Ziel.

Stipendien zum 26. Mal vergeben

Dass sich beide Stipendiatinnen mit der Thematik "Asylbewerber" beschäftigen werden, sei übrigens reiner Zufall, sagt Richard Middlemann von der AGA. Bewerbungen um die Stipendien seien aus verschiedenen Bringt Deutschland und Australien zusammenBereichen gekommen, inklusive Dokumtentationstheater beispielsweise, fährt er fort. Von der Qualität sei er sehr beeindruckt gewesen. "Natürlich tut es einem im Herzen weh, wenn man ablehnen muss," meint er bedauernd. Allerdings hätten alle Bewerber ein ausführliches Feedback bekommen und Tipps, wie es das nächste Mal eventuell besser klappt.

Und das nächste Mal kommt bestimmt. Wer mehr Informationen über die 27. Stipendien-Runde im kommenden Jahr und über die Australian German Association allgemein erhalten möchte, sollte die Website der AGA im Blick behalten.

Text: Claudia Raab, Fotos: Claudia und Carrick Raab, Foto Nr 6 AGA-Website