Deutsche Fußball-Fans Melbourne: Immerhin noch zwei Jahre Weltmeister

Deutsche Fussball-Fans in MelbourneEs hätte so schön sein können, aber sollte nicht sein. Der Franzose Antoine Griezmann katapultierte mit seinen zwei Schüssen ins Tor der deutschen Mannschaft die französische Nationalelf ins Finale gegen Portugal.

Claudia Raab hat sich für Deutsche in Melbourne unter die Fußball-Fans gemischt, die das große Sportereignis heute morgen in den Docklands im deutschen Pub "The Hof" anschauten. Dort trafen sich übrigens nicht nur deutsche, sondern auch französische Fußball-Fans. Wir berichten.

 

Perfekt ausgestattet mit deutschem Fußball-Trikot

Nach der ersten Halbzeit ist die Stimmung noch gut und optimistisch unter den deutschen Fußballfans, die sich in aller Frühe im "The Hof" in den Docklands versammelt hatten. Oli Kerbler, Deutscher in Melbourne, ist soweit zufrieden mit der Mannschaft und 16 Fussball 04ihrem Spiel. "Die erste Halbzeit war erfreulich," urteilt der gebürtige Bochumer, perfekt ausgestattet mit Fußballtrikot, Fußball-Schal und deutscher Fahne als Umhang.

Neuer habe seinen Teil getan. Für die zweite Halbzeit brauche man jetzt Müller, um ein Tor zu erhalten, meint Kerbler. Er schaut das Spiel gemeinsam mit seiner australischen Frau an, die er in der Schweiz kennenlernte. Vor zwölf Jahren entschieden sich die beiden, in Australien zu leben. Doch dem deutschen Fußball ist Kerbler treu geblieben. Natürlich hofft er auf den Sieg der deutschen Mannschaft, gibt aber zu bedenken, dass sie gegen das Gastgeber-Team spielen. "Da werden wir richtig getestet."

 Fans des deutschen Teams: Abdullah Calisir und Ross McGravie

Abdullah Calisir und Ross Mc Gravie sind Fans der  deutschen MannschaftAuch Abdullah Calisir und Ross McGravie würden gern die deutsche Nationalelf gewinnen sehen. "Ich muß für Deutschland sein, sonst bekomme ich Ärger mit meiner deutschen Frau," scherzt Abdullah, dessen Herz jedoch eh für das deutsche Team schlägt. Mit seinem Freund Ross, den er seit zehn Jahren kennt und der Sport-Journalist ist, hat er schon manches Fußball-Spiel gesehen. Beide sind große Fans, aber heute nicht so ganz mit Jogis Jungs zufrieden.

"Mehr Disziplin," wünscht sich Ross, dessen Schwiegermutter Deutsche ist. Abdullah fügt hinzu: "Sie haben nicht sehr viel Leadership gezeigt und keine Strategie." Beide sind sich einig, dass die Mannschaft in der zweiten Halbzeit mehr Druck machen muss. Besonders, um den italienischen Schiedsrichter zu übertrumpfen.

Schauen gemeinsam: Deutsche und französische Kollegen

Doch nicht nur deutsche Fußball-Liebhaber oder Fans der deutschen Nationalmannschaft waren inDeutsch-Französische Freundschaft in Melbourne "The Hof" zu finden. Nathalie und Damion Tritschler (auf Foto Mitte und rechts) beispielsweise sahen nicht ungern, wenn die Franzosen das runde Leder in Besitz nahmen. Die beiden stammen aus Straßburg im französischen Elsaß. "I work for a German company", erklärt Damion. Kollegin Franziska Geyer hat die beiden kurzerhand eingeladen, das Halbfinale zusammen zu schauen und so sitzen die drei vergnügt neben einander und feuern "ihre" Mannschaften an.

"The atmosphere is good," meinen Nathalie und Damion. "Yes, we are leading. But it is tough," räumt der Straßburger ein, der vor über einem Jahr mit seiner Frau nach Australien gezogen ist. Seine Hoffnung setzt er auf den französischen Nationalspieler Antoine Griezmann.

Andreas Wünsch - Deutscher in MelbourneErwartungsvolle "Ahs" gefolgt von traurigen "Ohs"

Damions Rechnung geht auf. Dem 25-jährigen Griezmann gelingt es in der Tat, zwei Tore ins Netz der Deutschen zu schießen. Nach dem zweiten Treffen sind noch hoffnungsvolle, langezogene "Ahs" zu hören, wenn die Deutschen den Ballbesitz erlangen. Allerdings folgen ihnen langezogene "Ohs", die den Verlust signalisiert. Somit katapulitert Griezmann die französische Mannschaft ins Finale gegen Portugal.

"Das war's dann," meint Andreas Wünsch ein wenig enttäuscht. Der gebürtige Baden-Badener hatte sich aus Melbournes Stadtteil CroydonEnttäuschung bei den deutschen Fans in Melbourne auf den Weg in die Docklands gemacht, um hier mit Gleichgesinnten Fußball zu schauen. "Wir haben eher Handball gespielt," meint er und auch Pech gehabt.

Andreas Wünsch: Herz für Footy entdeckt

Ob er sich das Spiel der deutschen Mannschaft um den dritten Platz anschauen wird, da ist sich Andreas nicht sicher. Zugegebenermaßen muss, wer um zwei Uhr morgens dafür aufsteht, schon ein sehr überzeugter Fan sein. Nach neun Jahren in Australien schlägt das Herz der Wünsch-Familie übrigens eher für den australischen Footy als für Fußball. Oder aber für Cricket - den Sport, den Andreas Sohn für sich entdeckt hat.

Und während Andreas noch rasch seinen Kaffee austrinkt, um pünktlich bei der Arbeit zu sein, Chantal Stahn ist traurig, dass die deutsche Mannschaft verloren hatverlassen auch die anderen Fußballfans "The Hof". Einige traurig, wie Chantal Stahn (Foto links), die seit drei Monaten auf einem Working Holiday Visum in Australien ist.

Andere gehen eher gut gelaunt, wie beispielsweise Franziska Geyers französische Freunde, die Tritschlers, sowie ihr Landsmann Patrick Martin (Foto unten rechts), der ebenfalls mit überwiegend deutschen Fans das Sportereignis anschaute. "Ich mag die deutsche Patrick Martin, Franzose in Melbourne, der zusammen mit deutschen Fans Fussball schauteSprache, " sagt der Franzose, der Asia Pacific Business Unit Manager einer französischen Firma hier in Melbourne ist, in makelosem Deutsch.

Wenigstens ist die Freundin aus Frankreich glücklich

"Frankreich hat insgesamt besser gespielt. Ob die Entscheidung des Schieris nun richtig war oder nicht," erkennt Peter Schede an. Er macht gerade Urlaub in Melbourne und fand es einfach toll zu sehen, dass es auch in Australien so viele deutsche Fußball-Fans gibt. Die Erfahrung reicht ihm schon, zumal seine Freundin Französin ist, und Peter es ihr gönnt, glücklich zu sein. "So ist das halt, wenn sich Franzosen und Deutsche lieben. Da gönnt man sich den Sieg," grinst er. "Und immerhin sind wir noch zwei Jahre Weltmeister." Recht hat er!

Text und Fotos: Claudia Raab,

Wer nicht nur über die Atmosphäre unter den deutschen und französischen Fußball-Fans während des Halbfinales lesen, sondern auch hören möchte, der sollte bei SBS German Radio rein hören. Adrian Plitzco hat die Stimmung mit dem Mikrofon eingefangen.