Verdient Melbourne den Titel "most liveable city"? - Ein Kommentar von Christine Pierk

Christine Pierk macht sich für Deutsche in Melbourne Gedanken darüber, ob Melbourne tatsächlich den Titel "most liveable city" der Welt verdient hat

Melbourne ist zum vierten Mal zur lebenswertesten Stadt der Welt gekürt worden. Ein Grund zum Feiern – doch hat die Stadt am Yarra River den Titel auch verdient? Wer sich mit dem Auto zur Rush-Hour in einer halben Stunde nur wenige Meter von der Elizabeth Street zur St. Kilda Road vorwärts quält, weil auf den Straßen in der Innenstadt im wahrsten Sinne des Wortes nichts mehr geht, oder in einem Café am Southbank für einen kleinen Salatteller satte 25 Dollar zahlt, der mag in diesen Momenten an Melbournes Top-Ergebnissen im Ranking zweifeln.

Das Leben in Melbourne ist teuer. Nicht umsonst landete die lebenswerteste Stadt laut „The Economist" in diesem Jahr auf Platz sechs der teuersten Wohnorte der Welt. Mieten, Immobilienpreise und Lebenshaltungskosten sind hoch. Da kommt die Meldung von vor einigen Monaten nicht von ungefähr, dass die "domestic violence", die häusliche Gewalt-Rate in Melbournes Westen - dort, wo das Geld von jeher nicht auf der Straße liegt - gestiegen ist. Jeder weiß: Wenn der Schuldenberg drückt, wird die Hand schneller mal zum Schlag gezückt.

Lebensqualität ist Melburnians heilig, auch wenn sie ihren Preis hatTrotzdem sind Restaurants, Bars und Cafés immer gut besucht. Nach einer Erklärung für dieses Phänomen suchend, erklärte mir eine Australierin, dass sich Melburnians lieber in anderen Bereichen einschränken, aber das Essen- und Ausgehen nicht missen möchten. In der Tat, Lebensqualität ist Melburnians hoch und heilig. Fragt sich natürlich zu welchem Preis?

Doch sein wir ehrlich: Als Deutsche, die seit acht Monaten in Melbourne lebt, schätze ich diese Einstellung und weiß, damit bin ich nicht allein. Für mich, wie für viele andere Deutsche, macht sie ein Stück des Charmes dieser Stadt aus und ist einer der Gründe, warum wir hier leben und uns der Abschied von der Stadt so schwer fällt, müssen wir wieder gehen. Melburnians lieben ihr Melbourne und sie lieben das Leben hier. Es spielt sich vieles draußen ab, man genießt die Freizeit mit Freunden und Familie am Strand, im Park oder am Yarra River.

Oft sind es kleine Sachen, die eine Stadt sympathisch machen

Beeindruckt hat mich von Anfang an der Veranstaltungskalender der Stadt. Ob Konzerte, Theater, Sportevents oder internationale Kongresse – wer hier über Langeweile klagt, der macht etwas falsch. Ich bin froh, dass ich mich für Melbourne entschieden habe. Dabei sind es oft auch kleine Sachen, die eine Stadt sympathisch machen. Wie zum Beispiel eine Durchsage in den öffentlichen Verkehrsmitteln, dass man doch bitte für ältere oder gehbehinderte Menschen seinen Platz freigeben solle, die mit folgendem Hinweis versehen war: „Alle in der Tram werden denken, dass Sie wirklich großartig sind."

Keine Stadt ist perfekt. Syriens Hauptstadt Damaskus nimmt den letzten Platz der Liste ein. Wer sich darauf besinnt, mag überlegen, ob wir in diesem Zusammenhang wirklich über Verkehr und Kosten jammern müssen. Trotz so mancher Schwachpunkte bin ich der Meinung, dass Melbourne zu recht wieder zur lebenswertesten Stadt der Welt gekürt worden ist. Wer immer noch skeptisch ist, der möge doch nach Sonnenuntergang zur Brücke neben der Flinders Street Station gehen und die fantastische Skyline betrachten, die sich wie gemalt im Yarra River spiegelt. Jetzt überzeugt?

 Christine Pierk für Deutsche in Melbourne

Sagen Sie uns Ihre Meinung. Schicken Sie eine E-Mail, mit Ihren Gedanken an: oder machen Sie mit bei der Umfrage hier im Forumhttp://www.deutscheinmelbourne.net/forum/Allgemeines-Diskussionsforum/13632-Melbourne---lebenswerteste-Stadt-der-Welt!-Wirklich.html . Wir freuen uns darauf, von Ihnen zu hören.