Melbourner Oboist Ben Opie und seine Sehnsucht nach Deutschland

Der Australier Ben Opie hat in Deutschland studiert und gelebt

Drei Jahre hat der Melbourner Musiker Ben Opie, der diesen Montag im Melbourner Recital Centre mit "Bachs Art of Fugue Reinvented" auftritt, in Deutschland gelebt, studiert und gearbeitet. Heimweh nach Deutschland plagt den Oboisten noch nach zehn Jahren. Deutsche in Melbourne erzählt er, was er vermißt.

 Von Melbourne nach Karlsruhe

Es sei merkwürdig, Heimweh nach einem Land zu haben, in dem man nicht geboren sei, sinniert Ben Opie. Aber Deutschland, so der Australier, vermisse er einfach. Er verspürt noch immer Sehnsucht, die sich wie Heimweh anfühlt, nach dem Land, das von 2004 bis 2007 zumindest drei Jahre lang seine Wahlheimat war.

Seine Oboe war es, die den gebürtigen Melbourner vor über zehn Jahren nach Karlsruhe brachte, nachdem er zuvor in verschiedenen Städten bei Oboe-Koryphäen Unterricht genommen hatte, um zu Die Liebe zur Oboe brachte den Melbourner Ben Opie nach Deutschlandsehen, von welchem Lehrer er am besten lernen könnte. "Germany at that time was the place to be for oboe, the heart of learning oboe. It is hard to say why. Probably everybody there pushed each other to be better and learn harder and faster", erinnert sich Ben. Der hervorragende Ruf von Top-Oboisten wie beispielsweise Heinz Holliger, der obwohl in der Schweiz geboren in Freiburg residierte, zogen Studenten aus aller Welt nach Deutschland. Ihnen gemeinsam war das Ziel, ihre Kunst auf das höchste Niveau zu bringen.

Für Ben, der seine Liebe für das Holzblasinstrument, das seinen Ursprung in der französischen Barockmusik des 17. Jahrhunderts hat, in der High School entdeckte, stand daher schon früh fest, dass er eines Tages den Sprung nach Deutschland machen würde. Und darauf bereitete er sich bereits in Australien so gut es ging vor: "While I was studying for my Bachelor of Arts in Canberra, I started learning German and when I arrived in Germany I did an intensive four week language course. I didn´t want to jump in cold water," erklärt er. Das Resultat: "I felt much more comfortable and everything was so much easier."

Lohnt sich: Wälzen deutscher Grammatikbücher

Besonders, als es darum ging, ein Ziel zu erreichen, dass er sich neben seinen akademischen und musikalischen Zielen für seinen Deutschlandaufenthalt gesetzt hatte: "I wanted to immerse myself as Der Melbourner Ben Opie - hier mit Musikerin Melissa Doecke - hat in Deutschland studiertmuch as possible in the German culture," erklärt der Musiker. Während beispielsweise viele seiner Kommilitionen in internationalen Studentengemeinschaften lebten, suchte sich Ben Unterkunft mit Deutschen. Der mittlerweile über 30-Jährige lacht und erinnert sich an die Reaktion einer älteren Dame, die aufgrund seines hervorragenden Deutsch, erstaunt darüber war, dass er Australier sei. Von da an wußte er, dass sich das nächtelange Wälzen in dicken, deutschen Grammatik- und Wörterbüchern sowie das Üben zungenbrecherischer, langer Worter, für die die deutsche Sprache bekannt ist, gelohnt hatte und er "dazu" gehörte.

Ein weiteres "comforting" Erlebnis, das es ihm erleichtert habe, sich in Deutschland wohlzufühlen, schießt Ben (im Foto mit Musiker-Kollegin Melissa Doecke) durch den Kopf: "People were very happy and encouraging when I told them that I play the oboe", meint er. Die Oboe sei ein viel selbstverständlicheres Instrument in seiner Wahlheimat gewesen als zur damaligen Zeit in Australien, wo er oft hätte sein Instrument erklären müssen. Und natürlich habe er das mannigfache kulturelle Angebot in Deutschland genoßen: Theater-, Orchester-, Ballet-Aufführungen selbst in kleinsten Orten, unglaubliche Inszenierungen in der Frankfurter Oper - all das ist dem Musiker noch in lebhafter, guter Erinnerung. Ebenso wie die Vielfalt der Architektur, der Sprache, eine gewisse Regularität der sozialen Aktivitäten, die ihm - nach langen Aufenthalten in den USA - zurück in Australien aus undefinierbarem Grund fehlen würde.

Bach für australische Musiker: Geliebt 

Wie so viele Australier und Künstler anderer Nationalitäten, die Deutschland als permanentes oder vorrübergehendes Zuhause gewählt haben, habe auch er beispielsweise Berlin als "hub of creativity" 17 Ben 04erlebt mit einer Atmosphäre, die die Freiheit kultiviert zu experimentieren. Etwas, was für Ben Opie und seine "boundary-obliberating chamber group", dem Melbourner Inventi Ensemble, eine herausragende Rolle spielt. "Reinventing" und "innovative" sind die Begriffe, die Ben für die Musik des Ensembles, dessen "artistic director" er gemeinsam mit Musikerin Melissa Doecke ist, wählt. 

"What is the music we love most and at the same time is challenging us?" Das ist die Frage, die sich das Ensemble, das seit drei Jahren zusammen spielt und auftritt, immer wieder erneut stellt, wenn es um die Auswahl neuer Konzertstücke geht. Die Antwort für ihren nächsten Auftritt am Montag abend in Melbournes Recital Centre lautete: Johann Sebastian Bachs "Die Kunst der Fuge". Ben Opies Augen leuchten: "It is just beautiful music and so exciting! We will illuminate a different part of the music and bring out a different colour, a different sound." 

Melbourner Version von Bachs "Die Kunst der Fuge"

Ben Opie, australischer Musiker mit Liebe zu Deutschland

Mutig haben sich die Musiker und Musikerinnen, neben Ben und Melissa die Violinistin Jessica Oddie, Will Clark (Viola) und Paul Zabrowarny (Cello) der Herausforderung gestellt, Bachs unvollendetes Werk für Querflöte, Oboe, Violine, Viola und Cello neu zu arrangieren. Ihr Ziel dabei ist, einen Klang hervorzubringen, der Johann Sebastian Bachs Komposition zwar so nah wie möglich ist, doch von Klavier und Orgel oder Streichorchester nie auf eine Art und Weise erzeugt werden kann wie von einer Kombination aus Holzblas- und Streichinstrumenten. Also eine ganz neue Art von Bach, die Ben und das Inventi Ensemble nach Melbourne bringen.

Wenigstens bleibt der Melbourner Musiker durch deutsche Kompositionen eng mit Deutschland verbunden. Hat er übrigens jemals erwogen, in Deutschland zu bleiben? "Yes," sagt Ben ohne zu zögern und fügt hinzu: "And I still am." Und selbst wenn er aus praktischen Gründen eventuell dort nicht leben kann, so würden ihn Gelegenheiten reizen, dort zu arbeiten. Die Liebe zu Deutschland brennt auch nach über einem Jahrzehnt in ihm. Wer weiß, vielleicht ist die Melbourner Version von Johann Sebastian Bachs "Die Kunst der Fuge" in Zukunft auch in deutschen Konzerthallen zu hören. Was für eine wunderbare deutsch-australische Kooperation!

Tickets für das Konzert des Inventi Ensemble "Johann Sebastian Bach Art of Fugue Reinvented" im Melbourne Recital Centre am Montag, 8. May, um 18 Uhr sind unter diesem Link zu erhalten: https://e.melbournerecital.com.au/booking/production/bestavailable/11259?performance= Das Ensemble tritt noch einmal am Montag, 3. July, mit "Beyond Swan Lake" und Montag, 2. Oktober mit "House of Beehives" ebenfalls im Recital Centre auf. Nähre Informationen zu Ben Opie gibt es auf seiner Website Ben Opie Oboist

Text: Claudia Loeber-Raab,  Fotos: Courtesy of Ben Opie