Tanja Kumpermond: Deutsch-australische Kunst in Melbourne vereint

Die deutsche Kuenstlerin Tanja Kumpermond in Melbourne

Sputen müssen sich diejenigen, die die hervorragenden Werke der deutschen Künstlerin Tanja Kumpermond in Melbourne sehen möchten. Nur wenige Tage, genauer gesagt bis Samstag, 22. April, ist ihre Ausstellung "Eat my light" in der Galerie Second Space in Melbournes Stadtteil Fitzroy zu sehen. Unglaublich sehenswert findet Deutsche in Melbourne. Wir sprachen mit der Künstlerin.

Gnadenlose kurz: "Either they come or miss out"

Jacob Hoerner zeigt sich gnadenlos. Kunstwerke seiner sorgsam ausgewählten Künstler in seinen Gallerien nur für wenige Tage einem Publikum zugänglich zu machen, das sei nun einmal sein Konzept. "I put pressure on people to come through the door. Either they come or they miss out," meint der hochgewachsene, australische Galerist mit über 20 Jahren Berufserfahrung kategorisch. Fair enough! Somit bleibt den Kunstliebhabern unter uns nur eins: sich heute, morgen oder Samstag zwischen 12 und 17 Uhr auf den Weg nach Fitzroy zu begeben.

Dort, genauer gesagt in der Second Space Gallery (2. Etage, 95 Victoria Street), Stellt in Melbourne Werke aus, die sie an der Great Ocean Road produziert hat: die deutsche Künstlerin Tanja Kumpermondstellt die in München geborene und zumeist in Belgien arbeitende Deutsche Tanja Kumpermond aus. Um es vorweg zu nehmen: Wer versäumt, ihre Werke zu sehen, der läßt sich in der Tat etwas entgehen: Ein wunderbares, ästhetisches, künstlerisches Konglomerat aus deutschem tiefsinnigsten Hinterfragen des Menschens, seines Ursprungs, seines Wesens, seiner Existenz kombiniert mit der Millionen Jahre alten Urkraft, Natur und Weisheit unserer Wahlheimat, des australischen Kontinents.

Angenehm platziert hängen Kumpermonds Werke an den weißen Wänden des Ausstellungsraums im trendigen Stadtteil Fitzroy, unweit des Melbourner Stadtzentrums. Die Frische und die Natur, in und aus der sie soeben entstanden sind, scheinen sie noch zu atmen. Zwei Monate hatte sich die deutsche Künstlerin zurückgezogen, um an der Great Ocean Road intensiv zu arbeiten. Die Ausstellung ist das Produkt des Eintauchens in ihre Arbeit. "Der Ozean ist bei uns allen ein Ort, der uns öffnet, der uns ehrlich sein läßt", meint sie und streicht nachdenklich-konzentriert eine ihrer wild gelockten Haarsträhnen zurück.

Great Ocean Road Ort für deutsche Künstlerin

Noch dazu ist die Great Ocean Road ein Ort, an dem Eycalyptus wächst. Ein Baum, der Tanja  Kumpermond seit Jahren fesselt. "Mich fasziniert das Konzept, Rinde abzuwerfen, um sich zu Eine gelungenes deutsch-australisches künstlerisches Konglomerat in Melbourne von der Deutschen Tanja Kumpermondschützen und zu bewahren," erläutert die geborene Münchnerin und stellt zur Diskussion, ob wir als Menschen, nicht oft eher Loslassen, eher "Nein" sagen sollten, zu Dingen, die uns umgeben und uns zu definieren scheinen, aber nicht ausmachen. Genau um diesen Punkt, geht es beispielsweise in ihrem Werk, in dem sich aus einer antiken Maske ein Eucalyptusholz windet. 

Dargestellt übrigens auf einer für Kumpermond bezeichnenden "Flagge". Doch im Gegensatz zu Nationalflaggen, die nicht den geringsten Makel aufzeigen sollten, sind Kumpermonds Flaggen bewußt eingerissen oder lösen sich in Fäden auf.  Sie sind absichtlich ausgefranzt. Sind die Werke selbst auch statisch, so sieht man ihnen an, dass sie gewollt in Bewegung waren. In der Tat scheint für Kumpermond Bewegung in allen Bereichen ihres Lebens eine wichtige Rolle zu spielen. Spricht sie beispielsweise über ihren Arbeitsprozeß, benutzt Kumpermond oft das Wort "fließen". 

In Bewegung australische Umgebung erfahren

Ein anders Beispiel: Nehmen manche ihrer Mitmenschen eine neue Umgebung wahr, in dem sie in einem Café sitzend Menschen beobachten, erfährt Kumpermond ihre Umgebung, wenn sie Jacob Hoerner holte die deutsche Tanja Kumpermond, die international arbeitet und ausstellt, nach Melbourneselbst in Bewegung ist oder die Natur erwandert. Kein Wunder, dass sie gern reist, unter anderem in Mexiko und den USA gearbeitet und ausgestellt hat und momentan in Belgien lebt. Und kein Wunder, dass sie für ihre Ausstellungseröffnung in Melbourne noch rasch ein paar neue Schuhe erstehen mußte, da ihre alten durchgelaufen sind, wie die deutsche Künstlerin, die ihr Alter nicht verraten mag, lachend gesteht.

Seit der Renaissance habe sich der Mensch in puncto Freiheit nicht mehr weiter entwickelt, meint sie. In ihrer Arbeit, auf ihren Reisen in verschiedenen Ländern, so sagt sie, versuche sie, Antworten zu finden auf die Fragen "Wo stehen wir heute?" "Was macht uns aus?" Sie versuche, den Zeitgeist aufzufangen. Daher auch ihre Anspielung auf aktuelle, politische Diskussionen in Australien wie in ihrer ausgestellten Arbeit "Offend, insult, humiliate or intimidate a vectorial dot?" 

Mühelose australisch-deutsche Verschmelzung

Die deutsche Tanja Kumpermond läßt Antike mit australischem Eucalyptus verschmelzen

Zugute kommen Kumpermonds in Melbourne ausgestellten Werken nicht nur ihre Vorliebe für erdige Farben, die Australien entspricht, sondern auch ihre Liebe zum Land und besonders Melbourne. Geschürt wurde sie durch zahlreiche Besuche, denn Kumpermonds Tante lebt hier seit langer Zeit. Schnell merkt der Betrachter, die gelungene Verschmelzung von Deutschem und Australischem, ohne dass das eine das andere dominiert, oder gar, dass jemals eine Verschmelzung geplant war. Mühelos scheint sie natürlich entstanden zu sein.

Ist Kupermond zufrieden mit dem, was sie in den vergangen zwei Monaten geschaffen hat? Kumpermond lacht: "Man ist nie zufrieden," sagt sie, fügt aber hinzu: "Die Zufriedenheit kommt dann, wenn jemand einen Kommentar abgibt, den man selbst nicht erwartet hat." Doch auf eine andere Weise ist sie mehr als zufrieden: In Europa sei es nicht mehr so einfach für sie, so zu arbeiten, wie sie es möchte. Es werde immer enger, erklärt sie. Hier sei das Leben offener, ohne Zäune, man können mit den Vögeln reden, lacht Kumpermond.

Kumpermond hoffentlich öfter in Melbourne

Bleibt zu hoffen, dass dieses nicht die letzte Ausstellung von Tanja Kumpermond in Melbourne ist und sie in dem Land, in dessen Geschichte die Stahlindustrie wie in fast keinem anderen eine so dominate Rolle spielt, Kumpermond eines Tages mit ihren gigantischen Stahlinstallationen zu sehen ist. Wünschenswerter Weise länger als einzig vier Tage.

Mehr von Tanja Kumpermond zu sehen, gibt es auf ihrer Website www.kumpermond.com . Wer ihre Arbeiten erwerben möchte, setzt sich am besten mit Tanja Kumpermond über ihre Website in Verbindung oder mit ihrem Galeristen.

Text und Fotos 1 und 2: Claudia Raab,  , Fotos 3 und 4 und 5 Courtesy of Jacob Hoerner Gallery